Krise bei NBA-Klub Cleveland Cavaliers Neues Team in 60 Minuten

Sechs Basketballer weggeschickt, vier neue geholt: Der Deadline Day der NBA ist für Cleveland spektakulär verlaufen. Was der Umbruch soll? Es geht um die sportliche Krise und Superstar LeBron James.

Superstar LeBron James
AFP

Superstar LeBron James

Von Philipp Awounou


Wenn in US-amerikanischen Sportmedien nur noch Basketball das Thema ist und in sozialen Medien der Hashtag "NBA" trendet, dann weiß jeder Fan: Es ist wieder "Deadline Day".

Bis zu jenem Stichtag ist es den 30 Franchises der US-Liga erlaubt, Trades, also Spielertransfers, durchzuführen. Da die Profis zumindest offiziell keinen Einfluss auf die Wahl ihres Teams haben - sie werden mitsamt ihrer bestehenden Verträge transferiert - geht es oft wild zu: Es wird bis zur letzten Minute getauscht und gerungen - alles ganz normal.

Was sich in den vergangenen Stunden bei den Cleveland Cavaliers abspielte, ist aber selbst für Deadline-Day-Verhältnisse außergewöhnlich: Der letztjährige Finals-Teilnehmer hat sich von sechs Spielern getrennt und vier neue Profis ins Team geholt - in nur 60 Minuten.

Die Cavaliers waren schnell, so schnell, dass selbst in der eigenen Klubzentrale nicht jeder hinterherkam. Der NBA-Reporter Dave McMenamin von "ESPN" hat berichtet, dass sich ein Profi der Cavs bei ihm gemeldet und gefragt haben soll, wo er nun eigentlich spiele.

Zugang George Hill (links)
AP

Zugang George Hill (links)

So weit die Verunsicherung, das sind die Fakten: Insgesamt involvierten die Cavaliers vier Teams, um mehr als ein Drittel ihrer Mannschaft (bestehend aus 15 Profis) wegzuschicken. Für Isaiah Thomas und Channing Frye geht es zu den Los Angeles Lakers, Dwyane Wade kehrt zurück nach Miami, Jae Crowder und Derrick Rose ziehen nach Utah und Iman Shumpert wird künftig für die Sacramento Kings auf Korbjagd gehen.

Im Gegenzug erhalten die Cavaliers Jordan Clarkson und Larry Nance Jr. aus Los Angeles, aus Sacramento kommt Spielmacher George Hill und Rodney Hood von den Utah Jazz. Die verbliebenen zwei Kaderplätze hat die Franchise bisher noch nicht aufgefüllt.

Was veranlasste die Verantwortlichen dazu, den Kader so radikal umzubauen?

Dass die Cavaliers am Deadline-Day aktiv werden, hatte sich abgezeichnet. Zwar stellt Cleveland aktuell die drittbeste Bilanz der Eastern Conference (hinter Boston und Toronto), doch nach drei Finals-Teilnahmen in Serie sind die Ansprüche in Ohio höher - ebenso wie die von Superstar LeBron James, der seinen achten Finals-Einzug in Serie gefährdet sieht. (Mehr über die sportliche Krise erfahren Sie hier.)

Vor allem seit dem Jahreswechsel befindet sich die Mannschaft in einer Formkrise: 15 der vergangenen 20 Spiele gingen verloren, teilweise waren deutliche Klatschen dabei: 88:120 gegen die Houston Rockets, 98:116 gegen die Orlando Magic, 124:148 gegen Oklahoma City.

Die klaren Niederlagen bestätigten, was zuletzt immer mehr thematisiert wurde: Das Teamgefüge ist nicht intakt. Spielerisch scheint der Kader der Cavaliers nicht passend zusammengestellt worden zu sein, es soll auch unter den Spielern gekracht haben. Die Folge: miserable Ergebnisse für den NBA-Champion von 2016.

LeBron James
AP

LeBron James

Der Kaderumbruch ist vor allem deshalb nachvollziehbar. Team-Manager Koby Altman scheint zu der Überzeugung gelangt zu sein, in der aktuellen Konstellation keinen erfolgreichen Basketball spielen zu können: zu schwach die Verteidigungsarbeit, zu harmlos die Offensive, zu lethargisch die Körpersprache. Dabei benötigt die Franchise unbedingt Erfolgserlebnisse, um Superstar James von einem Verbleib in Cleveland zu überzeugen. Er könnte das Team nach Saisonende verlassen.

Und wie sind die Neuen einzuschätzen? Spielmacher Hill ist in der Defensive eine deutliche Verbesserung gegenüber Ex-Celtic Thomas, zudem dürfte sein Spielstil besser zum balldominanten Leader James passen. Die Guards Clarkson und Hood sind fähige Schützen und Scorer, während Power Forward Nance Jr. unter dem Korb für Athletik sorgt.

Manager Altman könnte es binnen einer Stunde gelungen sein, drei der größten Schwachstellen des Teams zumindest vorübergehend zu beseitigen. Und falls die erfolgreichste Phase der Franchise-Geschichte doch nicht fortgesetzt wird - der nächste Deadline-Day wird kommen.



insgesamt 2 Beiträge
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themistokles 09.02.2018
1.
Tja, da hat wohl Queen James wieder für mächtig Wirbel im locker room gesorgt. Wundert mich, das Lue überhaupt noch seinen Job hat. Sportlich ist James aber nicht in der Krise. Er spielt mit 34 Jahren in seiner 14.(!) NBA- Saison eine der besten seiner Karriere. Aber andere Teams haben in der vergangenen Offseason aber auch nicht geschlafen...
kiks117 09.02.2018
2. Lebron Bashing
Zitat von themistoklesTja, da hat wohl Queen James wieder für mächtig Wirbel im locker room gesorgt. Wundert mich, das Lue überhaupt noch seinen Job hat. Sportlich ist James aber nicht in der Krise. Er spielt mit 34 Jahren in seiner 14.(!) NBA- Saison eine der besten seiner Karriere. Aber andere Teams haben in der vergangenen Offseason aber auch nicht geschlafen...
Dass Lue seinen Trainerposten noch hat ist tatsächlich die größte Überraschung, ist er m.E. doch die größte Schwachstelle im Kader der Cavs! Was genau im Locker Room vorgefallen oder gesagt worden ist, ist reine Spekulation. Ist natürlich ein leichtes, die gravierenden Änderungen Lebron zuzuschreiben (die "hater" reiben sich die Hände!). Wird langsam langweilig. Fakt ist, dass das Team zu alt und unathletisch war und oft lethargisch agiert hat. Da Bedarf es schon einiges an Verzweiflung und auch Mut, einen derart radikalen Schnitt zu diesem Zeitpunkt in der Saison zu vollziehen. Bin gespannt, wie (schnell) sich die "neue" Mannschaft findet. By the way, Lebron ist 33 Jahre alt und spielt in seiner 15. NBA Saison.
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