NBA Schröders Hawks drehen Spiel in Los Angeles

Die Taktik ist in der NBA umstritten: Die Atlanta Hawks haben den Center der Los Angeles Clippers immer wieder absichtlich an die Freiwurflinie geschickt. Auch deshalb gewann das Team von Dennis Schröder nach hohem Rückstand.

NBA-Profi Dennis Schröder
AP/dpa

NBA-Profi Dennis Schröder


Innerhalb von 24 Stunden hat Dennis Schröder mit den Atlanta Hawks den zweiten NBA-Erfolg in Los Angeles gefeiert. Einen Tag nach dem 106:77 gegen die Lakers gewannen die Hawks 107:97 bei den Clippers.

Schröder gelangen in beiden Spielen 16 Punkte, gegen die Clippers benötigte er dafür nur 19 Minuten. Die meisten Zähler erzielte der andere Point Guard von Atlanta, Jeff Teague. Er kam auf 22 Punkte. Bei Los Angeles waren Chris Paul und DeAndre Jordan mit jeweils 17 Punkten die stärksten Schützen.

Center Jordan ermöglichte den Gästen mit seiner Freiwurfschwäche jedoch die Wende. Die Clippers hatten zeitweise mit 17 Punkten geführt. Doch in der zweiten Hälfte foulte Schröders Team Jordan immer wieder absichtlich und schickte ihn an die Freiwurflinie. Der 27-Jährige traf nur sieben seiner 17 Würfe und wurde deshalb im vierten Viertel von seinem Coach Doc Rivers ausgewechselt. So fehlte er seinem Team vor allem in der Verteidigung.

Die Taktik wurde in der NBA als "Hack-a-Shaq" bekannt. Der Name geht auf Shaquille O'Neal zurück, der mit den Lakers und den Miami Heat insgesamt vier Meisterschaften gewann. Auch O'Neal war ein schwacher Freiwerfer, was sich Gegner zunutze machten.

Die Taktik ist in der NBA umstritten, weil sie Spiele deutlich in die Länge zieht und unattraktiver macht. Zudem funktioniert sie längst nicht immer, denn häufig verliert nicht nur das Team mit dem schwachen Freiwerfer den Rhythmus, sondern auch der Gegner.

Bei Atlanta hat die "Hack-a-Jordan"-Taktik aber zum Erfolg geführt. Mit 35 Siegen bei 28 Niederlagen belegen die Hawks den fünften Rang in der Eastern Conference, die Clippers sind mit 40:21-Siegen Vierter im Westen.

Basketball-Profi Schröder: Aus Braunschweig in die NBA

Nowitzki abgelöst: Dennis Schröder hatte die Basketball-Nationalmannschaft bei der EM geführt, der mittlerweile 37-Jährige Dirk Nowitzki ließ ihm den Vortritt. Diesen Status hatte sich der Spielmacher in den vergangenen Jahren verdient.

Durchbruch im zweiten NBA-Jahr: Schröder steigerte sich in der abgelaufenen Saison deutlich. Beim zweitbesten Team der regulären Saison, den Atlanta Hawks, zählte er zu den wichtigsten Spielern.

Eine rasante Entwicklung: 2012/2013 konnte er sich in der Bundesliga etablieren, wurde Allstar (siehe Bild), einige Monate später folgte der Sprung in die NBA.

Dort hatte er zunächst große Probleme, die Kritiker fühlten sich bestätigt. Dabei hatte auch der spätere Superstar Dirk Nowitzki (l.) zunächst Schwierigkeiten. Schröder wurde in seinem ersten Jahr kaum eingesetzt und auch zum Farmteam der Hawks abgeschoben.

Ganz anders sah es in der vergangenen Saison aus: Der deutsche Nationalspieler stand knapp 20 Minuten pro Partie auf dem Feld und erzielte dabei rund zehn Punkte, gab dazu im Schnitt vier Vorlagen und darf auch in wichtigen Phasen spielen. Das war im vergangenen Jahr noch ganz anders, oft durfte Schröder sogar nur zuschauen.

Mittlerweile hat sich der Point Guard jedoch an die anspruchsvolle Liga gewöhnt. Schröder weiß seine Schnelligkeit - seine wohl größte Stärke - nun besser einzusetzen. Dank seiner guten Defensive gestehen ihm die Hawks-Coaches auch Fehler im Angriff zu.

Dort hat Schröder auch an seinen Passfähigkeiten gearbeitet, er findet nun regelmäßig frei stehende Mitspieler und bedient diese.

Auch der Wurf ist deutlich konstanter geworden, die Verteidiger können mittlerweile nicht mehr absinken, sondern müssen den Spielmacher eng verteidigen - sonst werden sie so wie hier die Indiana Pacers bestraft.

Eines seiner stärksten Spiele machte Schröder im Dezember gegen die Dallas Mavericks und Dirk Nowitzki. Womöglich könnte der 21-Jährige der nächste deutsche NBA-Star werden. In Atlanta halten sie große Stücke auf den Point Guard.

Ähnlich geht es Bundestrainer Chris Fleming, der Schröder für die Heim-EM die Führungsrolle zuspricht. In der Qualifikation im vergangenen Sommer war Schröder bereits bester Punktesammler.

So gut die Rollenaufteilung zwischen Nowitzki (l.) und Schröder lief. Auf dem Feld gab es noch Abstimmungsprobleme – der Spielmacher war für den alternden Superstar oft zu schnell.

cte/dpa

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insgesamt 1 Beitrag
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Seite 1
Pedronini 06.03.2016
1.
Schröder hatte konstant sehr gute Spiele in letzter Zeit, nächster Schritt: Noch mehr Minuten auf dem Feld und Starting 5. Sollte es zur nächsten Saison ein paar Personaländerungen (Jeff Teague) geben, könnte es soweit sein. Zu wünschen wäre es ihm.
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