NBA-Draft "Big Moe" und der nächste Nowitzki

Ein College-Star aus Berlin und ein Frankfurter Teenager: Gleich zwei deutsche Basketballer könnten in der Nachwuchs-Auswahl verpflichtet werden. Die größten Begehrlichkeiten weckt ein slowenisches Jahrhunderttalent.

Moritz Wagner
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Moritz Wagner

Von Philipp Awounou


In der Nacht auf Freitag wird NBA-Commissioner Adam Silver in der Arena der Brooklyn Nets ans Rednerpult treten und die Draft 2018 eröffnen. Ein paar Worte der Begrüßung - dann wird er die Basketballwelt erlösen und zum Wesentlichen kommen, mit einem kurzen, spannungsgeladenen Satz:

"Mit dem ersten Pick der NBA-Draft 2018 wählen die Phoenix Suns...…"

Am Ende des Satzes wird der Name des Nummer-1-Picks stehen; desjenigen jungen Mannes, der den Draft-Jahrgang 2018 anführen wird. Rund drei Stunden später werden sich insgesamt 60 Spieler über die Erfüllung ihres Traums freuen - und die 30 NBA-Teams über neues, talentiertes Personal.

Die NBA-Draft
    ...ist ein jährliches Rekrutierungsverfahren, durch das sich Teams die Rechte an Nachwuchsspielern sichern können. Grundsätzlich verfügt jede der 30 Franchises pro Draft über zwei Auswahlpositionen, genannt Picks: einen Erstrunden- sowie einen Zweitrundenpick. An welcher Position der Pick einer Mannschaft liegt, hängt von deren Platzierung in der Vorsaison ab. Grundsätzlich gilt: Je schlechter das Team abschnitt, desto früher darf es einen Spieler draften.

Henrik Rödl, der Trainer der deutschen Basketballauswahl, wird die diesjährige Draft mit besonderem Interesse verfolgen. Mit Moritz Wagner und Isaac Bonga könnten nämlich gleich zwei deutsche Talente den Sprung in die NBA schaffen. Es wäre ein Novum in Deutschlands Basketballgeschichte.

College-Star und Rohdiamant

Gegenüber dem SPIEGEL zeigt sich Rödl zuversichtlich. "Ich denke, dass beide gedraftet werden", sagt der Nationalcoach, wohlwissend, dass sich Bonga und Wagner unter völlig unterschiedlichen Voraussetzungen zur Draft anmeldeten.

Der 2,11 Meter große Wagner ist in den USA bereits eine Berühmtheit. Ein College-Star. Mit 18 Jahren zog er aus Berlin nach Ann Arbor, Michigan, um an der renommierten University of Michigan zu spielen. In der abgelaufenen Saison gelang ihm der Durchbruch: Als Führungsspieler und Top-Scorer führte "Big Moe" seine Wolverines ins Finale der College-Meisterschaften. Dort unterlagen sie der favorisierten Villanova University (62:79), doch nichtsdestotrotz war das Turnier für Wagner ein Erfolg. Er spielte sich in die Notizbücher zahlreicher Scouts.

"Moe ist ein super Typ mit einer tollen Einstellung. Er hat die Chance, in der NBA direkt Einsatzzeiten zu bekommen", sagt Rödl über Wagner, der sich künftig zu einer Stütze der deutschen Nationalmannschaft entwickeln könnte.

Mit seinem sicheren Distanzwurf, seiner Mobilität und seinem guten Spielverständnis passt der inzwischen 21-Jährige ins Anforderungsprofil eines modernen Big Man, weshalb er als potenzieller Erstrunden-Pick gilt. Zweifel bestehen jedoch an Wagners für US-Verhältnisse dürftiger Athletik und seinem weiteren Entwicklungspotenzial: Mit drei Jahren College-Erfahrung ist der Power Forward bereits einer der reiferen Spieler der Draft.

Isaac Bonga (l.) und Nihad Djedovic
imago/ Eibner

Isaac Bonga (l.) und Nihad Djedovic

Wenn Bonga, dem zweiten deutschen Draft-Kandidaten, wiederum eines fehlt, dann ist es die Reife. Der 18 Jahre alte Aufbauspieler der Skyliners Frankfurt ist das Paradebeispiel eines "Rohdiamanten": unfertig, mit noch vielen Schwächen - aber schier grenzenlosem Potenzial. "Isaac ist ein unglaublich langer Aufbauspieler mit guter Übersicht. Es gibt in der NBA viel Interesse an ihm", sagt Rödl, der Bonga im Februar zum jüngsten Spieler machte, der je für die deutsche Nationalmannschaft auflief (18 Jahre und drei Monate).

Für NBA-Teams ist der 2,03 Meter große Spielmacher eine Wette auf die Zukunft, Bonga wird als Zweitrunden-Pick gehandelt. Was er mitbringt: Geschwindigkeit, Athletik, offensive wie defensive Vielseitigkeit, Spielintelligenz - und viel Selbstbewusstsein. Der "Frankfurter Neuen Presse" sagte Bonga: "Ich will nicht nur in die NBA kommen, sondern dort einer der besten Spieler werden."

Erster Pick aus Slowenien?

Einer der Besten, das ist Luca Doncic in Europa schon jetzt - dabei ist er nur sieben Monate älter als Bonga. Der Slowene in Diensten Real Madrids ist ein Jahrhunderttalent, das vielleicht größte, das Europas Basketball je hervorgebracht hat: Mit 16 Jahren feierte er sein Profi-Debüt, mit 19 kann er sich bereits Euro-League-Sieger, Euro-League-MVP (beides 2018), Europameister (2017), spanischer Meister (2015, 2016 und 2018) und bester Jungspieler der spanischen Liga ACB (2016) nennen - und vielleicht schon bald Nummer-1-Pick der NBA-Draft.

Selbst in den USA, wo man europäischen Talenten traditionell eher skeptisch gegenübersteht, gilt Doncic als kommender Superstar. Aufgrund seiner außergewöhnlichen Fähigkeiten - sowohl als Scorer als auch als Vorbereiter und Rebounder - sehen in ihm viele den nächsten großen Europäer: einen wie Pau Gasol, Tony Parker - oder Dirk Nowitzki.

Doncics wohl einziger Konkurrent auf den Nummer-1-Pick ist der US-Amerikaner DeAndre Ayton; ein Hüne, 2,16 Meter groß, herausragend athletisch und zugleich wurfstark. Auch er wird sich in den Augen vieler Experten zu einem Superstar entwickeln.

Schwere Wahl

Damit stehen die Phoenix Suns als Inhaber des ersten Picks vor der Qual der Wahl. Doncic oder Ayton?

Medienberichten zufolge ist noch keine Entscheidung gefallen, erste Indizien gibt es jedoch schon seit Anfang Mai: Dort verpflichteten die Suns einen neuen Trainer, den Serben Igor Kokoskov, der Slowenien 2017 zum EM-Titel führte. Einer seiner damaligen Schlüsselspieler: Luca Doncic.



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Seite 1
Trollflüsterer 21.06.2018
1.
Luca Doncic? Kannte ich noch nicht. Man ist der gut!! Wenn der noch besser wird, "beängstigend". Die NBA kann sich freuen.
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