NBA-Finale Cleveland vs. Golden State "Nicht schon wieder!"

Zum vierten Mal in Folge stehen Cleveland und Golden State in den NBA-Finals - und das, obwohl die Basketball-Liga versucht, solche Machtverhältnisse zu verhindern. Wie ist die Dominanz der Teams zu erklären?

LeBron James (links) und Warriors-Profi Stephen Curry
REUTERS

LeBron James (links) und Warriors-Profi Stephen Curry

Von Philipp Awounou


Als am Dienstagmorgen in Houston die Schlusssirene ertönte, griff Jan-Hendrik Jagla direkt zum Smartphone. "NEIIIN NICHT SCHON WIEDER!", twitterte der ehemalige Basketballprofi und 141-fache deutsche Nationalspieler. Der Tweet war die Reaktion, nachdem die Golden State Warriors im entscheidenden siebten Spiel gegen die Houston Rockets gewonnen und damit zum vierten Mal in Folge die NBA-Finals erreicht haben - dort wartet zum vierten Mal derselbe Gegner: die Cleveland Cavaliers.

Das hat es noch nie in der Geschichte der Liga gegeben, weshalb Jaglas Tweet ausdrückte, was wohl viele in diesem Moment gedacht haben:

"Es ist ein bisschen langweilig geworden. Schon vor der Saison wusste jeder, dass Cleveland und die Warriors in die Finals kommen würden, auch wenn es am Ende knapper war als gedacht", sagte Jagla dem SPIEGEL. Die aktuelle Situation an der Ligaspitze hält der 36 Jahre alte Ex-Profi für besonders. "Dass zwei Mannschaften über Jahre so dominieren, gibt es im amerikanischen Sport eigentlich nicht."

Eigentlich. Für gewöhnlich sollen regulative Mechanismen im US-Sport dafür sorgen, dass das Qualitätsgefälle innerhalb der Ligen weniger stark ausfällt als etwa im europäischen Fußball, der seit Jahrzehnten von denselben Teams dominiert wird. Beispiele? Real Madrid hat am vergangenen Wochenende zum dritten Mal in Serie die Champions League gewonnen. Und Bayern München feierte in der Bundesliga den sechsten Meistertitel nacheinander.

Gegen solche Verhältnisse hat die NBA Regeln etabliert.

  • Allen voran der Draft: ein Rekrutierungsverfahren, das, vereinfacht gesagt, den schlechtesten Teams der Liga die größten Talente sichert. Die Idee: Der Draft soll gewährleisten, dass das sportliche Niveau der einzelnen Franchises langfristig nicht auseinanderdriftet.
  • Daneben gibt es den Salary Cap, eine verbindliche Gehaltsobergrenze in Höhe von derzeit 101 Millionen US-Dollar. Liegt eine Franchise über diesem Grenzwert, muss sie pro zusätzlich ausgegebenem Dollar bis zu 4,25 Dollar Luxussteuer zahlen (zuzüglich weiterer Restriktionen). So soll verhindert werden, dass sich Top-Spieler in einer Mannschaft ansammeln. Das ist zumindest die Theorie.

In der Realität gelingt es Mannschaften jedoch hin und wieder, die angesprochenen Systeme auszuhebeln und sich damit entscheidende Vorteile zu verschaffen - auf die eine oder andere Weise.

Der Vorteil der Cleveland Cavaliers ist 2,03 Meter groß und hört auf den Namen LeBron James. Der aktuell beste Spieler der Welt steht vor seiner achten Final-Teilnahme in Folge und führte dabei unterschiedliche Teams auf Titelkurs. "LeBron ist so krass, dass es im mittelmäßigen Osten fast egal ist, mit wem er spielt. Er kommt einfach immer in die Finals", sagt Jagla. Mit anderen Worten: Bei der Dominanz eines Jahrhundertspielers geraten auch die NBA-Regeln an ihre Grenzen.

Einer der Top-Stars der Warriors, Draymond Green
AP

Einer der Top-Stars der Warriors, Draymond Green

Die Warriors wiederum profitierten von genau jenen Maßnahmen, die eine sportliche Übermacht eigentlich verhindern sollen: Per Draft sicherten sie sich in vier Jahren drei Spieler, die sich in der Folge zu Superstars entwickelten. Zu diesem hochbegabten Kern, bestehend aus Stephen Curry (seit 2009 im Klub), Klay Thompson (2011) und Draymond Green (2012), stieß 2016 auch noch Ausnahmekönner Kevin Durant. Unterhalb des Salary Cap blieben die Warriors nur, weil der Zugang aus Oklahoma City auf etwa ein Drittel seines möglichen Gehalts verzichtete - ähnlich wie LeBron James und Chris Bosh, als sie 2010 zu den Miami Heat wechselten.

Sollte man sich also Sorgen machen um die NBA, ihre Ausgeglichenheit und die Spannung im Titelrennen?

Jagla verneint das. "Die Mechanismen an sich funktionieren und tun dem Sport gut. Aktuell leben wir einfach in einer ganz besonderen Zeit mit einer dominanten Mannschaft und einem dominanten LeBron", sagt er. Die Historie zeigt: Mit Ausnahme der Boston Celtics, die zwischen 1956 und 1969 elf Titel gewannen, konnte sich keine dominante Franchise außergewöhnlich lange an der Spitze halten. Stets folgte auf Perioden des Erfolgs der sportliche Abstieg.

Dieser Rhythmus dürfte langfristig aber selbst die aktuellen Dominatoren einholen. Die Cavs und vor allem ihren 33-jährigen LeBron James, weil sogar er sich irgendwann den Schwächen des Alters beugen muss. Und die Golden State Warriors, weil ihnen bis 2019 Gehaltsverhandlungen mit allen Top-Spielern außer Curry bevorstehen. Um sie alle ohne Strafzahlungen halten zu können, müsste die Grenze des Salary Cap wohl deutlich höher liegen.

insgesamt 7 Beiträge
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spmc-125501679143557 31.05.2018
1.
Wer die Serie zwischen den Cavaliers und den Pacers gesehen hat, der kann den Glauben daran verlieren, dass die Liga übermächtige Teams zu zähmen versucht. Schön, dass man mit den "2-Minute Reports" wenigstens schwarz auf weiß nachlesen kann, welche Fehlentscheidungen die Referees in den letzten zwei Minuten der Partie getroffen haben - haarsträubend: https://bleacherreport.com/articles/2772755-lebron-james-block-on-victor-oladipo-was-a-goaltend-says-nba-l2m-report . Auch vollkommen unnötig: https://www.youtube.com/watch?v=VHiT3V8_evQ
hileute 31.05.2018
2. In solchen artkeln fällt mir immer wieder auf,
das offensichtlich nur James für den Erfolg von Cleveland verantwortlich ist, was ich, obwohl er unumstritten der beste derzeitige Basketballer ist, für falsch halte. Da spielen meines Wissens doch auch noch einige sogenannte Topstars. Und ohne die könnte James alleine nicht immer die Finals erreichen.
spon-facebook-10000012354 31.05.2018
3. Alles eine Frage der TV-Quoten
Alles eine Frage der TV-Quoten: Der Sieg der Golden State Warriors 2017 beendete die meistgesehene NBA-Finals-Serie seit 1998. Die Meisterschaft im Jahr 2017 sahen im Durchschnitt 20,4 Millionen Zuschauern, gegenüber 20,2 Millionen Zuschauern für die sieben Spiele der letzten Saison im Jahr 2016. Die Finals im Jahr 2017 gaben nach ESPN, das die NBA-Übertragungen produziert, im Durchschnitt weitere 434.000 Digital-Streaming-Zuschauer. Spiel fünf sahen 2017 24,5 Millionen Zuschauer, so dass es das meistgesehene Spiel fünf seit 1998 und zusätzliche 537.000 Streaming-Zuschauer anziehen konnte. Warum sollte die NBA etwas ändern? https://variety.com/2017/tv/news/tv-ratings-nba-finals-1202464230
bigmitt 31.05.2018
4. Zum ersten Beitrag....
...kann ich nur sagen das der Superstar Bonus eines Lebron James allgegenwärtig ist. Wenn man mal die unzähligen Schrittfehler weglässt die der "King" begeht dann ist der von ihnen angegeben Block ein Paradebeispiel. Die Serie wird sicher spannender als viele Experten es einschätzen, wenn nicht werden die Refs ( Wie 2016 als Greene suspendiert worden war) dafür sorgen das es spannend bleibt. Die Warriors sind nicht mehr so dominant wie in den Jahren zuvor und wenn man ehrlich ist sind Sie eher deswegen in den Finals weil Houston 27 Dreier in Folge nicht traf.
roborob 01.06.2018
5. @hileute
das ist falsch: ausser Love spielt kein weiterer starspieler bei den cavs. im gegenteil: Mitte dieser Saison wurde das halbe team getauscht. trotzdem steht er in den finals. beim Basketball reicht ein absoluter Top Athlet aus. sind ja nur 5 Spieler auf dem Feld. dafür spielt lebron auch viel länger pro Spiel als andere topspieler mit einem tieferen Kader.
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