NBA-Kolumne Die neuen Könige von L.A.

Wirtschaftliches Kalkül, größere Chancengleichheit oder sportliche Interessen? Die NBA verbot einen Wechsel von Superstar Chris Paul zu den Los Angeles Lakers. Die wahren Gründe sind undurchsichtig. Jetzt macht der Point Guard ausgerechnet den Stadtrivalen Clippers zu einem Titelanwärter.

Präsentation von Neu-Clipper Paul: Spielball der NBA
REUTERS

Präsentation von Neu-Clipper Paul: Spielball der NBA

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Jetzt ist Chris Paul also doch in Los Angeles gelandet. Allerdings nicht beim Vorzeigeclub Lakers, sondern bei den bis vor kurzem belächelten Clippers. Der Tausch des 26-Jährigen aus New Orleans zu den Lakers schien schon sicher - bis sich die NBA einschaltete und den Transfer doch noch stoppte. Da der Liga seit rund einem Jahr Pauls bisheriger Club New Orleans Hornets gehört, drängt sich das Gefühl auf, dass die NBA vor allem an sich selbst dachte und nicht als neutraler Verwalter handelte.

Nach Informationen der "Los Angeles Times" sollen die Lakers vor Wut über den Tausch von Paul zu den Clippers schäumen. "Ich glaube, die anderen Clubeigentümer wollten nicht, dass sich die Lakers erneut deutlich verbessern", sagte Kobe Bryant. "Sie wollten einfach nicht, dass es erneut einen großartigen Spieler gibt, der die Franchise tragen kann, wenn ich meine Karriere beendet habe." Schon am Montag hatte Mitch Kupchak, der General Manager des 16-maligen Meisters, über Pauls gescheiterten Wechsel gesagt: "Wir haben unseren Unmut darüber sehr deutlich gemacht."

Kupchak war sich nach eigener Aussage mit seinem Hornets-Gegenpart Dell Demps sowie den Houston Rockets über ein Tauschgeschäft einig. Die Lakers hätten in Pau Gasol (Power Forward) und Lamar Odom (Small Forward) ihre zweit- und drittbesten Spieler abgegeben und dafür im Gegenzug Superstar Paul erhalten. Der 26-Jährige gilt als einer der besten Point Guards der NBA.

Dann legte Liga-Chef David Stern sein Veto ein - allein aus sportlichen Gründen, wie die NBA offiziell sagte. Wenig später wurde jedoch bekannt, dass auch einige Clubeigentümer gegen Pauls Wechsel zu den Lakers protestiert hatten. Sie sollen ein Ungleichgewicht zugunsten der Lakers befürchtet haben, berichtete die "Yahoo! Sports". Da die Liga die in finanzielle Schwierigkeiten gekommenen Hornets im Dezember 2010 gekauft hatte, konnte sie den Transfer verhindern.

Die NBA muss endlich einen neuen Eigentümer für die Hornets finden

New Orleans hätte seinen Superstar im Falle eines Trades zu den Lakers jedoch nicht ohne Gegenwert verloren. Mit Luis Scola (Power Forward) und Kevin Martin (Shooting Guard, beide aus Houston) sowie Odom wären gleich drei überdurchschnittliche Profis für die Startformation gekommen, schrieb das Magazin "Sports Illustrated". Die US-Medien vermuteten etwas anderes hinter dem Nein der NBA: Die Lakers sind an einem weiteren NBA-Superstar interessiert, Center Dwight Howard von den Orlando Magic. Wollten die Liga oder die Clubeigentümer also ein mögliches Über-Team mit Kobe Bryant, Paul und Howard verhindern? Vielleicht.

Vielleicht hat die NBA aber auch wirklich nur auf ein besseres Angebot gehofft - mit Erfolg. Von den Clippers bekamen die Hornets neben dem deutschen Nationalspieler Chris Kaman (Center) im 22-jährigen Eric Gordon (Shooting Guard) einen potentiellen Allstar, dazu ein weiteres Talent und einen aussichtsreichen Pick in der Draft 2012. Vor allem bindet der Tausch - im Gegensatz zur Lakers-Offerte nur kurzfristig die Finanzen des Clubs. Das macht die Hornets für einen potentiellen Käufer attraktiver.

"Ich wusste, dass wir das beste für New Orleans herausgeholt haben", sagte NBA-Boss David Stern, der nach der Lockout-Blamage nun erneut heftig kritisierte wurde. In den kommenden sechs Monaten will er einen neuen Eigentümer für die Hornets präsentieren. Das ist auch dringend nötig, denn jeder weitere Transfer wird nun kritisch beäugt. Jedes Mal wird die Frage gestellt werden, welche Interessen die NBA verfolgt.

Vom Paul-Trade zu den Clippers profitieren alle Clubs

Denn die Liga hat "das andere Team aus Los Angeles" zu einem ernsthaften Titel-Kandidaten gemacht. Die Clippers, so etwas wie die größte Verlierer-Mannschaft im US-Sport, weil sie seit ihrem Umzug nach L.A. 1984 erst zwei Saisons mit einer positiven Bilanz beendet haben, diese Clippers sind plötzlich in aller Munde. In der vergangenen Saison brachte das Ausnahmetalent Blake Griffin das Team regelmäßig in die Schlagzeilen, zusammen mit Paul hat er nun beste Chancen, auch in den Playoffs für Furore zu sorgen. ESPN nennt die Clippers bereits "Kings of L.A.".

Griffins spektakuläre Spielweise gepaart mit den einzigartigen Passfähigkeiten Pauls garantieren zudem hohe TV-Einschaltquoten - und damit höhere Werbeeinnahmen für die Liga. Die Clippers werden zudem bei den Merchandising-, Sponsoring- und Ticketeinnahmen deutlich zulegen. Auch daran verdienen die NBA und damit die anderen Teams im Zuge der Einnahmen-Teilung mit.

Wäre Paul zum Stadtrivalen gewechselt, wäre der Effekt nicht so hoch, denn die Lakers gelten seit jeher als Starensemble und verzeichneten laut dem Wirtschaftsmagazin "Forbes" den höchsten Umsatz aller Clubs in den vergangenen zehn Jahren.

Auch sportlich muss man sich um die Lakers keine Sorgen machen. Zwar gab das Team den verstimmten Odom an die Dallas Mavericks ab, doch für einen souveränen Playoff-Einzug ist der Kader immer noch stark genug. Mit der 17. Meisterschaft, der dritten in vier Jahren wird es jedoch schwer. Für die Zukunft wird sich die Franchise wieder rüsten - ob mit Howard oder mit einem anderen Superstar. "Wir haben einige Spieler im Blick. Wir arbeiten an großen Transfers", kündigte Kupchak an.



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Seite 1
Vex 16.12.2011
1. ....
Zitat von sysopWirtschaftliches Kalkül, größere Chancengleichheit oder sportliche Interessen? Die NBA verbot einen Wechsel von Superstar Chris Paul zu den Los Angeles Lakers. Die wahren Gründe sind undurchsichtig. Jetzt*macht der Point Guard ausgerechnet den Stadtrivalen Clippers zu einem Titelanwärter. http://www.spiegel.de/sport/sonst/0,1518,804057,00.html
Der Trade mit den Laker war von Anfang an faul aus meiner Sicht. Was die Hornets bekommen hätten wären alte Spieler und sehr hoch dotierte Verträge. Ein neuer Besitzer hätte fast keinen Einfluss auf das Team die nächsten paat Jahre und müsste sich mit Positionen im Bereich 7-12 zufrieden geben ... also zu schlecht um gut zu sein und zu gut um gut zu werden. Beide anderen Teams hätten sich ein haufen Gehalt gespart und möglichkeiten auf superstars bekommen. Der Clippers Trade ist für NO wesentlich besser.
lex 16.12.2011
2.
Leider muss ich dem Spiegel vorhalten, nicht gescheit über US Sport berichten zu wissen. Als geborener US-Bürger beschäftige ich mich intensiv mit der NBA und NHL, gezwungener Maßen fast ausschließlich durch US Medien. Zahlreiche Artikel sowohl in der Print Ausgabe als online können nur durch geradezu blamables Halbwissen aufzufallen, bei dem leider immer wieder peinliche Stereotypen des Schwarzen Ghetto Sportlers als Standard angegeben wird (nicht in diesem Artikel, in früheren leider schon, man erinnert sich an den Nowitzki-Artikel nach den NBA-Finals). Stellen Sie sich mal vor, Sie würden in ausländischen Medien in Bezug auf Fußballspieler immerzu nur lesen, dass es sich hierbei fast ausschließlich um pöbelnde Proleten handelt. Auch fachlich ist dieser Artikel unter aller Sau. Quasi alle Experten loben Stern derzeit, dass er das absolute Optimum herausgeholt hat. Bei den Trades in den USA geht es nicht immer nur darum, die Spielstärke auf Teufel komm raus kurzfristig zu verstärken. Das Motto heißt: Entweder jetzt Weltmeister oder Neuaufbau. Mit Odom und Gasol wäre NO "stuck in the middle", also das schlimmste was einem Verein geschehen kann. Jetzt hat NO zwei Zukünftige Top-Picks im Draft (welche weit wertvoller sein können, als die guten Spieler, die sie erhielten) und einen Spieler in Gordon, der mehr Punkte macht als er alt ist. Der Witz an diesem Artikel ist jedoch, dass ein Superteam um Bryant, Howard und Paul gebaut wird. Die Gerüchte um Howard nahmen erst richtig fahr auf, nachdem Paul nicht zu den Lakers ging. Alle drei Spieler wären für die Lakers eh utopisch da sie 1. nicht die Trade assets haben um beider zu traden und 2. sie zu weit über dem Salary Cap sind um einen der beiden als free agent zu holen. Außerdem gibt es bereits ein "Superteam" mit Wade, James und Bosh welches letztes Jahr bewies, dass es ein TEAM braucht um Champion zu werden. Ich sollte noch erwähnen, dass der Spiegel natürlich kein Sportmagazin hat. Aber wenn man über US Sport berichtet, dann bitte ganz oder gar nicht. Derzeit ist es irgendwo dazwischen. Stuck in the middle halt...
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