Triumph im NBA-Finale: "King James" krönt sich selbst

Aus Miami berichtet Marcel Friederich

Den Spitznamen "King James" hatte sich LeBron James schon vor langer Zeit gegeben. Doch er war ein König ohne Krone - bis jetzt. Der Basketball-Superstar hat die Miami Heat zum NBA-Titel geführt. In den Playoffs hat der 27-Jährige endgültig den Wandel vom Ego-Zocker zum Anführer vollzogen.

Miamis NBA-Triumph: Am Ziel der Träume
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AP

Auf diesen Moment hatte er so lange gewartet. Und als es endlich soweit war, "wusste ich gar nicht so recht, wie ich mich verhalten sollte", sagte LeBron James SPIEGEL ONLINE. Wie ein kleines Kind, ja wie eine Art Zappelphilipp hüpfte er nach dem entscheidenden vierten Sieg in den NBA-Finals über das Spielfeld. "Hat das wirklich so dämlich ausgesehen?", fragte James: "Falls ja, ist mir das heute völlig egal. Wir sind Champion. Das alleine zählt."

Dämlich, unglücklich, ungekrönt - so war es für James bei seinen beiden vorherigen Auftritten in den NBA-Finals gelaufen. Der 27-Jährige gehört schon jetzt zu den besten Basketballern der NBA-Geschichte, die Meisterschaft hatte er bislang aber nicht gewonnen. 2007 verlor er mit den Cleveland Cavaliers gegen die San Antonio Spurs (0:4), im Vorjahr scheiterte er im Heat-Trikot an Dirk Nowitzki und den Dallas Mavericks (2:4).

"Ich bin mir sicher: Jetzt wird niemand mehr sagen, dass LeBron und die Finals nicht zusammen passen", sagte Miamis Co-Star Dwyane Wade: "Heute hat jeder gesehen, dass er ein Siegertyp ist." So erhielt James auch die Auszeichnung zum wertvollsten Spieler (MVP) der Best-of-seven-Finalserie. Sowohl bei den Punkten (durchschnittlich 28,6) wie auch bei den Rebounds (10,2) und Assists (7,4) führte er sein Team gegen die Oklahoma City Thunder an.

"Nach der Niederlage im vergangenen Jahr haben mich viele Leute verspottet. Sie haben gesagt, ich sei ein egoistischer Basketballer, ein egoistischer Mensch sogar, der nur auf seine eigenen Vorteile schaut", sagt James. "Das war eine ganz bittere Erfahrung. Aber es mag vielleicht ein bisschen komisch klingen: Im Nachhinein war es das Beste, was mir passieren konnte. Denn so habe ich zurück zu den Basics gefunden", sagte der Superstar.

James ist zu einem echten Anführer geworden

Im vergangenen Sommer arbeitete James hart an seinen Fähigkeiten - nicht immer hatte er zuvor einen solchen Trainingseifer entwickeln können - und stand dabei auch mit Center-Legende Hakeem Olajuwon in der Trainingshalle. So verbesserte das 2,03-Meter-Muskelpaket seine Bewegungen direkt unter dem Korb, während er auf dem Flügel und im Schnellangriff dank seiner einmaligen Dynamik und Schnelligkeit ohnehin kaum zu stoppen ist. "Mittlerweile", sagt Wade, "ist LeBron für mich der dominanteste Spieler, den die NBA jemals gesehen hat".

Aber nicht nur sportlich, sondern auch charakterlich hat James einen entscheidenden Schritt nach vorne gemacht. Aus dem einstigen Ego-Zocker ist speziell in den diesjährigen Playoffs mehr und mehr ein echter Teamspieler geworden.

Vor gar nicht allzu langer Zeit war es für James' Mitspieler noch sehr frustrierend, mit im zusammen auf dem Feld zu stehen. "Er wollte andauernd den Ball haben. Und wenn du selbst einen Fehler gemacht hast, hat er dich sofort angeschissen", sagt Teamkollege Shane Battier: "Doch in den vergangenen Wochen ist er viel ruhiger und abgeklärter geworden. Er vertraut jetzt seinen Mitspielern und gibt uns dadurch allen Selbstvertrauen. So wie ein echter Leader eben."

Auch in der Kabine zeigte James während der achtwöchigen Playoffs ein anderes Gesicht. Anstatt seine Mitspieler regelmäßig mit lauter Rap-Musik zu beschallen, griff der Forward vor wichtigen Spielen immer wieder zu Büchern. Zuletzt die Science-Fiction-Trilogie "The Hunger Games" von Suzanne Collins. "Während den Playoffs denkst du fast 24 Stunden lang nur an Basketball", sagt James. "Aber durch das Lesen 20 oder 25 Minuten vor dem Anpfiff kann ich noch mal abschalten und ein bisschen runterfahren."

Die Entwicklung des vormals verwöhnten und habgierigen Ego-Zockers hin zum ausgeglichenen und teamfähigen Anführer hat sich gelohnt. LeBron James, einer der talentierteste Basketballer der Welt, hat seinen großen Traum erfüllt: den Gewinn des NBA-Titels. Weil die wichtigsten Spieler des Teams auch in Zukunft an die Heat gebunden sind, hat James weitere Titel fest im Blick. Im Überschwang der Gefühle ist deshalb auch ein dämlicher aussehender Jubeltanz erlaubt.

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insgesamt 2 Beiträge
craigferg 22.06.2012
Im dritten Viertel hatte OKC die Chance, auf drei Punkte ranzukommen. Stattdessen nur Mist, bis sie mehr als 20 hinten lagen. Eins der wenigen Spiele, in denen OKC wirklich unterlegen waren. Sie hätten in Miami locker ein bis zwei [...]
Im dritten Viertel hatte OKC die Chance, auf drei Punkte ranzukommen. Stattdessen nur Mist, bis sie mehr als 20 hinten lagen. Eins der wenigen Spiele, in denen OKC wirklich unterlegen waren. Sie hätten in Miami locker ein bis zwei Spiele gewinnen können. LeBron hat sich den Meistertitel und den MVP Titel absolut verdient, obwohl ich lieber OKC oder die Spurs hätte gewinnen sehen.
fs2h 23.06.2012
Der Artikel verzichtet leider zwecks (journalistischer) Dramatik auf notwendige Tatsachen oder fügt falsche Angaben hinzu, wo sie dem Verfasser anscheinend dienlich sind. Zuerst sei vorangestellt, dass ich als Bulls Sympathisant [...]
Der Artikel verzichtet leider zwecks (journalistischer) Dramatik auf notwendige Tatsachen oder fügt falsche Angaben hinzu, wo sie dem Verfasser anscheinend dienlich sind. Zuerst sei vorangestellt, dass ich als Bulls Sympathisant eigentlich kein Interesse habe, LeBron in irgendeiner Weise zu verteidigen. Auch habe ich noch nie in meinem Leben einen Onlineartikel kommentiert, fühle mich aber in diesem Fall genötigt: 1. LeBron gehört seit seinem ersten Tag in der NBA (und wahrscheinlich schon davor) zu einen der am härtesten arbeitenden/trainierenden Spieler der Liga. Nie gab es Kontroversen abseits des Feldes. Auch in Cleveland gab es bei Trainer, Experten und Fans nie Zweifel, dass er auf dem Feld und beim Training einen unfassbaren Eifer an den Tag lag. 2. Zutreffend ist, dass er in der Pre-Season mit Olajuwon arbeitete, aber ganz speziell um sein „post play“ (dem kontaktintensiven Spiel mit Zug zum Korb) zu verbessern. Dies ist ein spezielles Attribut im Basketballspiel, dass nicht jeder Spieler auf jeder Position aufweisen muss, aber hilft, in speziellen Situationen sich nicht mit einem Wurf aus einer schwierigen Lage zufriedengeben zu müssen. Vergleichsweise handelt es sich also eher um ein Arbeitstier wie Khedira, der mit Zinedine Zidane trainieren würde, um sein „Kreativspiel“ zu verbessern. 3. Am wenigsten belegbar ist das (Blind-)Zitat des Verfassers, bei LeBron handele es sich um einen egoistischen Spieler. a) Es lässt sich aus der Meinung (nicht Tatsache), dass LeBron oft den Ball hat überhaupt nichts herleiten. Mit der selben Argumentation müsste ein Xavi oder hätte ein Beckenbauer als egoistisch gelten müssen, da beide Spieler den Ball ebenfalls überdurchschnittlich lange hielten. Die Tatsache ist aber, dass in Cleveland wie auch Miami das Spiel auf LeBron als Spielmacher konzipiert war/ist. So spielte er nie mit einem herausragenden Point Guard (Spielmacher) wie Chris Paul, Steve Nash oder Rajon Rondo. b) Dass er nicht so egoistisch sein kann, lässt sich ebenfalls an seiner Career Assist-Average (durchschnittliche Vorlagen) von ca. 7 festhalten. Auf der Small Forward Position ist dies herausragend, wenn man beachtet, dass LeBron als Slasher/Punktemaschine gleichzeitig seine Mitspieler bediente (das vor allem schon in [!] Cleveland, wo er keine Punktemonster wie Bosh und Wade sondern nur Mittelmaß hatte). Vergleichbare Forwards wie Durant oder Carmelo Anthony (den man evtl. als egoistisch bezeichnen könnte) kommen auf einen Assist-Avg. auf ca. 3 (also nicht einmal die Hälfte). c) Letztlich könnte man denken, dass LeBron bei seinem hohen Career PPG-Avg. (Punkte pro Spiel) von knapp 28 darauf schließen, dass er egoistisch sei, da er viele Würfe nahm, die anderen Mitspielern hätte zugute kommen können. Bei einer FG% (Trefferquote) von 48,8% ist dies aber vollkommener Irrsinn. Das „Egoismus“-Problem von LeBron ist ein Baustück des Schurken-Konzepts, welches einige unqualifizierte Journalisten in den USA aufbauten, um sich bei entsprechenden Fangruppen zu profilieren und mediale Konflikte zu schüren. Allgemein erwarte ich von einem Magazin wie Spiegel kein Fachwissen um US-Basketball. Aber insb. wenn es fachliche Defizite gibt, sollte man sehr restriktiv mit der Handhabe umgehen, Geschichten wie die LeVron-villian Story zu übernehmen und für bare Münze zu nehmen (anstatt sie lediglich darzustellen, was in der Vergangenheit getan wurde und vollkommen legitim ist). Freilich ist all dies kein Weltuntergang, doch sollte sich Spiegel nicht in die Reihe derer einordnen, die durch Blindzitate eine Meinung zu perpetuieren, die sich auf keine faktische Grundlage beziehen kann. MfG
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  • Freitag, 22.06.2012 – 12:25 Uhr
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NBA-Meisterschaft: Wie stehen Miamis Chancen, in den kommenden Jahren erneut den Titel zu holen?


NBA-Playoffs - Finals
OKLAHOMA (2) - MIAMI (2) 1:4
Thunder - Heat 105:94
Thunder - Heat 96:100
Heat - Thunder 91:85
Heat - Thunder 104:98
Heat - Thunder 121:106

Modus: Best of seven / in Klammern die Platzierung nach der regulären Saison; der West-Zweite Oklahoma City besaß den Heimvorteil, weil das Team mehr Siege in der Regular Season geholt hatte als der Ost-Zweite Miami (47:19 und 46:20)

NBA - Meister und MVPs seit 2000
Jahr Team Season-MVP Finals-MVP
2013 ? L. James ?
2012 Miami Heat L. James L. James
2011 Dallas D. Rose D. Nowitzki
2010 LA Lakers L. James K. Bryant
2009 LA Lakers L. James K. Bryant
2008 Boston K. Bryant P. Pierce
2007 San Antonio D. Nowitzki T. Parker
2006 Miami S. Nash D. Wade
2005 San Antonio S. Nash T. Duncan
2004 Detroit K. Garnett C. Billups
2003 San Antonio T. Duncan T. Duncan
2002 LA Lakers T. Duncan S. O'Neal
2001 LA Lakers A. Iverson S. O'Neal
2000 LA Lakers S. O'Neal S. O'Neal

Basketball-Glossar
REUTERS
Zu einem Basketballteam gehören fünf Akteure. Auf der Eins spielt der Point Guard (Aufbau). Die Zwei hat der Shooting Guard inne, dessen vornehmliche Aufgabe es ist, Punkte zu erzielen. Die Drei ist der Small Forward, eine wendige Flügelkraft mit einem guten Wurf. Spieler, die auf der Zwei oder Drei eingesetzt werden können, heißen "Swingmen". Die Vier ist der Power Forward, ein kräftiger Spieler, der durch seine Größe auch für Rebounds prädestiniert ist. Auf der Fünf spielt der Center, der zumeist in Korbnähe agiert. Die Positionen Eins und Zwei bilden den Backcourt, Drei bis Fünf sind der Frontcourt.



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