Clevelands NBA-Stars in der Krise Zu viel James, zu wenig Team

Die Cleveland Cavaliers galten als Titelkandidat. Doch zuletzt ging die Basketball-Mannschaft um LeBron James mehrfach unter. Ist der Superstar schuld?

LeBron James
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LeBron James ist es nicht gewohnt, auf dem Weg zum Korb gestört zu werden. Der Basketball-Superstar der Cleveland Cavaliers spielt so dominant, dass die Fans ihn "King James" nennen. Aber bei der neuerlichen 88:120-Niederlage gegen die Houston Rockets wurde der König spektakulär von Gerald Green geblockt. Die Szene wäre nicht erwähnenswert, wenn sie nicht symbolisch für die aktuelle Situation der Cavaliers stehen würde.

Cleveland galt vor der Saison als Titelkandidat, nur die übermächtigen Golden State Warriors wurden zu Beginn der Spielzeit noch stärker eingeschätzt. Mittlerweile sind die Cavs weit vom eigenen Anspruch entfernt und nach zwölf Niederlagen aus den vergangenen 18 Spielen nur noch das siebtbeste Team der Liga. Im Osten stehen sie deutlich hinter den Teams aus Toronto und Boston. Doch was James und seine Teamkollegen stört, ist die Art und Weise, wie sie ihre Spiele verlieren.

Houstons Gerald Green blockt LeBron James auf dem Weg zum Korb
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Houstons Gerald Green blockt LeBron James auf dem Weg zum Korb

Nach deutlichen Niederlagen gegen Minnesota (99:127), Toronto (99:133) und Oklahoma (124:148) war das 88:120 gegen Houston der vorläufige Tiefpunkt in einer von Rückschlägen geprägten Saison - zuletzt immer vor großer Kulisse: Wenn die Partien im US-Fernsehen übertragen wurden, verlor der Meister von 2016 im Schnitt mit 18 Punkten. "Sie sollten uns im Fernsehen nicht mehr zeigen. Wir haben dann schlecht gespielt und bekommen immer den Hintern versohlt", sagte James. Eigentlich, so der 33-Jährige, fehlen ihm aber die Worte.

Thomas und Lue - Gesichter der Krise

Ähnlich ratlos wirkt auch Isaiah Thomas, der nach der Niederlage am Sonntag sagte, dass sich "schnell etwas ändern müsse". Der 1,75 Meter kleine Point Guard ist so etwas wie das Gesicht der Krise. Vor der Saison im Tausch für Kyrie Irving aus Boston gekommen, findet Thomas nach längerer Verletzungspause nicht zu seinem Rhythmus. Seine Stärken, der schnelle Zug zum Korb gepaart mit gefährlichen Würfen aus der Distanz, kommen noch nicht so zur Geltung, wie sich das sein Trainer gewünscht hat.

Und auch der hat Probleme. Coach Tyron Lue übernahm im Januar 2016 den Posten des Cheftrainers David Blatt, nachdem dieser sich als Tabellenführer im Osten mit LeBron James überworfen haben soll. Lue führte das Team anschließend zum Titel und im Jahr darauf in die Finals. Seither wird die Kritik aber immer lauter.

Unter anderem deswegen, weil er LeBron James zu viel Spielzeit gewähren soll. Ligaweit steht nur Giannis Antetokounmpo von den Milwaukee Bucks etwas länger als James auf dem Parkett (37 zu 36,9 Minuten). Die hohe Intensität wirkte sich zuletzt auf die Spielweise des Superstars aus: Gegen Houston wirkte er müde und kam lediglich auf elf Punkte. Ein schwacher Wert für einen Spieler, der Ende Januar als jüngster Spieler der Geschichte die 30.000-Punkte-Marke überschritten hat.

Zu viel Last auf James' Schultern

Die Cavs haben eine Mannschaft, die um den Titel spielen muss. Neben James und Thomas gehört noch Kevin Love der Franchise an. Das Problem: Der 29 Jahre alte All-Star fällt wegen einer Handfraktur bis zu zwei Monate aus.

Die Hoffnungen ruhen umso mehr auf den starken Dreierschützen Kyle Korver (36 Jahre) und J.R. Smith (32) sowie auf James' gutem Kumpel Dwayne Wade (36), der schon in Miami an seiner Seite spielte. Doch das Trio hat seine besten Zeiten hinter sich. Über Derrick Rose, der 2011 als jüngster Spieler der Geschichte zum MVP gewählt wurde, redet in Cleveland kaum noch jemand.

Insgesamt lastet seit dem Abgang von Irving im August zu viel Druck auf den Schultern von James. Der vierfache MVP führt die teaminternen Statistiken in Punkten (26,3), Assists (8,7), Steals (1,6) und Blocks (1,1) an, lediglich bei den Rebounds ist Love - wie immer seit dessen Wechsel zu den Cavs - etwas besser als James (9,4).

Frust nach einer Niederlage Anfang Januar
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Frust nach einer Niederlage Anfang Januar

Das neue Spielmacher-Duo James und Thomas harmoniert bislang weniger gut als James und Irving in den Jahren zuvor. Letzterer galt im Gegensatz zu Thomas noch als guter Defensivspieler und als Kandidat, der James auch in der Offensive entlasten konnte.

Trotz der Probleme werden sich die Cavaliers problemlos für die im April beginnenden Playoffs qualifizieren. Das liegt auch an der schwachen Konkurrenz im Osten. Doch wie lange will sich James das Chaos noch zumuten? Den Traum, mit seinem Heimatklub den NBA-Titel zu gewinnen, hat er sich 2016 erfüllt. Doch er will mehr.

Zuletzt kamen Gerüchte auf, er könnte sich im kommenden Jahr den Golden State Warriors anschließen. Dort würden ihn bessere Strukturen und mehr Stabilität erwarten. Es wäre der einfachere Weg zum Titel für "King James".



insgesamt 7 Beiträge
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simsim22 06.02.2018
1. Jedes Jahr das gleiche
Jedes Jahr ist es mit dem Team um LeBron das gleiche. In der regular Season noch angezählt folgt in den Playoffs dann ein sweep nach dem anderen. War auch in Miami schon der Fall. Also erst mal abwarten weil ich glaube nicht daran dass sowohl Toronto als auch Boston in den Playoffs wenn das Tempo angezogen wird eine Chance haben. Und zu dem Thema schwacher Osten ist zu sagen, dass wenn man die Einzelspieler anschaut das stimmt aber schaut man viele direkte Duelle bzw die Tabelle der Conference an sieht man das sich beide nicht viel nehmen und von den Siegen relativ gleich sind.
testmaster 06.02.2018
2. James ist Teil des Problems
Selten habe ich einen Basketball-Artikel gelesen, der so entfernt von der Wirklichkeit ist. LeBron James aus der Pflicht zu nehmen und nur seine Leistungen in der Offense zu betonen, kommt der ganzen Sache zu kurz. James spielt seit Anfang der Saison keine Defense mehr, sondern macht nur "öffentlichkeitswirksame" Arbeit. Aushelfen beim Mitspieler ist gar nicht mehr Existent. Von Thomas zu erwarten, dass er innerhalb von wenigen Wochen zu einem Eckpfeiler wird, ist absoluter blödsinn (vor allem wenn man im 4ten Viertel kaum spielt und durch James & Co. für die Wurfauswahl kritisiert wird). Zudem trainiert das Team nicht mehr, weil James seine Pausen braucht. Kein Wunder also, dass die Mitspieler nicht in den Rhythmus kommen. Zudem ist er mitverantwortlich, das Irving weg wollte. Dem Trade mit Thomas hat er auch zugestimmt. Und zu guter letzt, schafft es LeBron noch immer im Hintergrund Unruhe zu stiften (mit seinen Leaks, wie z.B. das Anbiedern über seine Hintermänner bei den Warriors, oder das regelmäßige Kritisieren der Mitspieler).
tizian 06.02.2018
3.
Ich stimme da testmaster zu. James spielt keine Defense mehr (oder sagen wir eine sehr unmotivierte). Das ganze Team wirkt einfach müde. Mit Intensität könnte man da gegensteuern, aber seien wir ehrlich, ein altes Team hat sich alte Spieler geholt, wo soll da Intensität herkommen. Ich glaube auch nicht, dass Golden State James holen wird. Das Team ist einfach super und wer soll da weg, um genug Gehalt für James freizumachen (Stichwort salary cap)? Die Trades zeigen auch, dass der Trainer da kaum mitredet, sondern James. Warum holt man wohl Wade? Irving wohlre bestimmt nicht ohne Grund weg. Wenn man das letzte Spiel der letztjährigen Finals gesehen hat, fiel da schon auf, dass zwischen den beiden was nicht gestimmt hat. Und auch da hatte James schon defensive Aussetzer und Irving hat verletzt alles gegeben, um die Niederlage zu verhindern.
roman_candle 06.02.2018
4. Defense
Der Grund der Krise ist einfach: Sie haben eine der drei schlechtesten Defensiven der ganzen Liga. Das ist die Konsequenz davon, wenn man ein Team voller schlechter Verteidiger hat, die nicht mal versuchen so zu tun als würden sie sich anstrengen - inklusive LeBron. Deswegen sind sie im Gegensatz zu den letzten Jahren auch kein klarer Favorit mehr auf die Finals. Ein Team, dass so schlecht am defensiven Ende über die reguläre Saison war, hat noch nie an den Finals geschnuppert. Das kann mir in ein paar Monaten um die Ohren gehauen werden, wenn die Cavs in ein paar Monaten wieder in den Finals stehen, aber im Moment glaube ich eher, dass das Ende der Fahnenstange für die Cavs mit LeBron erreicht ist.
808tom 07.02.2018
5. Mangelnde Einstellung und zu viele Spieler über dem Zenit...
Die zweite Hälfte gegen Orlando heute war wahrscheinlich die peinlichste Vorstellung seit langem. Wie man ein Spiel mit 18 Punkten verlieren kann, nachdem man 20+ im dritten Viertel führt ist schlicht und einfach unbegreiflich. Die Spieler haben keinerlei Willen gezeigt, auch nur ansatzweise defensive Arbeit zu leisten und den Magic Lay-up über Lay-up geschenkt. Unglaublich... Zur fehlenden Einstellung müssen die Cavs erkennen, dass ihr Kader hauptsächlich aus Spielern besteht, die ihre beste Zeit lange hinter sich haben. Selbst mit Love wären sie nicht Konkurrenzfähig. Daher kann es nur auf Trades hinauslaufen bis morgen. Absolute Priorität sollte sein die Verträge von JR Smith und/oder Tristan Thompson loszuwerden. Das könnte allerdings wahrscheinlich den FirstRound Pick der Nets kosten, denI man über den IT4 Trade eingesammelt hat. Falls das nichts wird, bin ich mir 100% sicher, dass LeBron seine Option für 2018/19 nicht zieht und im Sommer “Adios“ sagt. Ich hoffe auf LeBronzo!
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