Von Maximilian Rau
Hamburg - Er wolle die Jugend auf der ganzen Welt inspirieren und näher zusammenbringen, sagte Ron Artest, nachdem er im September 2011 seinen Namen in Metta World Peace geändert hatte. Metta ist ein buddhistischer Begriff, der Güte und Freundlichkeit gegenüber anderen bedeutet. Davon und von Weltfrieden war am Sonntagabend nicht viel zu sehen. Mit einem brutalen Ellenbogenschlag streckte der Small Forward der Los Angeles Lakers seinen Gegenspieler James Harden vom Team Oklahoma City Thunder nieder.
"Es war definitiv Absicht", sagte Basketball-Legende Magic Johnson im TV-Sender ESPN. Man könne seinen Ellenbogen heben, aber sobald man ihn durchschwinge, sei es gewollt, analysierte der 52-Jährige, der selbst 13 Jahre für die Lakers spielte: "Es ist eine Schande."
Knapp über 90 Sekunden waren in der ersten Halbzeit des Top-Spiels zwischen Los Angeles und Oklahoma City (114:106) noch zu spielen, als World Peace nach einem Dunk jubelte und dann mit Harden zusammenstieß. Daraufhin schlug der 32-Jährige seinem Gegenspieler mit dem Ellenbogen gegen den Kopf. Harden blieb benommen auf dem Parkett liegen, World Peace wurde nach einer kurzen Diskussion mit den Schiedsrichter vom Spiel ausgeschlossen und musste in die Kabine.
"Er hat einen Ruf und er muss den Preis bezahlen"
Bei Harden wurden zunächst Symptome einer Gehirnerschütterung festgestellt, er konnte die Partie nicht fortsetzen. Möglichweise fällt er für den Playoff-Start am 28. April aus. Oklahoma City Thunder ist aktuell das zweitbeste Team der Western Conference und gilt als Mitfavorit auf den Titel. Der 22-jährige Harden ist hinter den Allstars Kevin Durant und Russell Westbrook Oklahoma Citys drittbester Scorer (16,9 Punkte pro Spiel) sowie der zweitbeste Vorlagengeber (3,7 Assists).
World Peace entschuldigte sich nach der Partie bei Harden: "Ich war sehr emotional und aufgeregt, es war unglücklich, dass ich James unabsichtlich mit dem Ellenbogen getroffen habe", so der Forward, "Ich entschuldige mich bei den Thunder und James Harden. Es war einfach nur unglücklich."
Von einer unglücklichen Aktion (siehe Video) konnte aber keine Rede sein. "Wenn es unabsichtlich gewesen wäre, hätte er sich sofort entschuldigt. Stattdessen ging er auf Westbrook los", sagte Ex-Profi Jon Barry bei ESPN. Johnson ergänzte: "Ich verstehe nicht, wie das jemanden auf diesem Level passieren kann." Beide forderten eine Strafe für World Peace. Er ist einer der wichtigsten Spieler der Lakers, ihm droht eine empfindliche Bestrafung für die Playoffs.
In der Vergangenheit hatte es für ähnliche Vergehen meist eine Sperre von ein bis zwei Spielen gegeben. World Peace dürfte es aber weit schlimmer treffen. "Er ist Ron Artest, er hat einen Ruf und er muss den Preis bezahlen", sagte Barry.
2004 wurde World Peace bereits für 86 Spiele gesperrt
World Peace ist für seine harte Spielweise bekannt. Einige Male schoss er mit seiner Aggressivität weit über das Ziel hinaus. 2003 zerstörte er eine TV-Kamera im Madison Square Garden (drei Spiele Sperre), und wenig später legte er sich mit dem damaligen Coach der Miami Heat, Pat Riley an (vier Spiele).
Im November 2004 wurde er von NBA-Commissioner David Stern für den Rest der Saison und die Playoffs gesperrt (insgesamt 86 Spiele und rund sieben Millionen Dollar Strafe). World Peace hatte damals im Trikot der Indiana Pacers eine der größten Schlägereien in der Geschichte des US-Sports ausgelöst. In der Schlussphase des Top-Spiels bei den Detroit Pistons war World Peace von Pistons-Center Ben Wallace geschubst und anschließend von einem Fan mit einem Bierbecher beworfen worden. Daraufhin stürmte World Peace auf die Tribüne und prügelte sich mit Zuschauern, auch Spieler beider Teams gingen handfest aufeinander los.
In den folgenden Jahren zeigte er aber ein deutlich verbessertes Verhalten. 2011 erhielt er den "J. Walter Kennedy Citizenship Award" der NBA für herausragenden Dienst und Engagement in der Gesellschaft.
Zumindest auf dem Parkett erlebte er nun einen Rückfall in alte Ron-Artest-Tage. NBA-Chef Stern duldet keinerlei unsportliches Verhalten - zumal brutale Checks in der Eishockey-Liga NHL in den USA eine Diskussion ausgelöst haben.
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