SPIEGEL ONLINE: Herr Ohlbrecht, Sie haben vor wenigen Tagen das geschafft, wovon jeder Basketballer träumt: den Sprung in die NBA zum Team der Houston Rockets. Wie haben Sie Ihre erste Woche dort erlebt?
Ohlbrecht: Ich kann es immer noch nicht richtig begreifen und habe ziemlich wenig geschlafen. Natürlich hatte ich in den Tagen vor der Vertragsunterzeichnung schon gemerkt, dass da irgendetwas in der Luft liegt.
SPIEGEL ONLINE: Bisher spielten Sie in der NBA-Aufbauliga für die Rio Grande Valley Vipers in Texas. Bis vergangenen Sonntag plötzlich das Telefon klingelte.
Ohlbrecht: Das ging alles so schnell. Mein Agent Tyler Glass rief an und teilte mir mit, dass er einen Vertrag von den Houston Rockets vorliegen habe. Ich bin dann am Montag sofort nach Houston geflogen, habe den Medizin-Check gemacht und wurde anschließend ins Stadion gefahren.
SPIEGEL ONLINE: Was ging Ihnen durch den Kopf, als Sie dort mit General Manager Daryl Morey an einem Tisch saßen und wussten: Diese Unterschrift verändert vermutlich mein Leben?
Ohlbrecht: In so einem Moment denkt man nicht nach. Ich habe nur versucht, den Augenblick zu genießen und alles aufzusaugen.
SPIEGEL ONLINE: Haben Sie sich hinterher wenigstens belohnt?
Ohlbrecht: Nein. Es in die NBA geschafft zu haben, ist mir Belohnung genug. Ich habe auch nicht groß gefeiert, sondern im Bett meines Apartments gelegen und mich wahnsinnig gefreut.
SPIEGEL ONLINE: Wer hat als erstes von Ihrem Glück erfahren?
Ohlbrecht: Meine Familie. Die habe ich als erstes angerufen.
SPIEGEL ONLINE: Und danach Dirk Nowitzki?
Ohlbrecht: Dazu hatte ich noch keine Gelegenheit. Aber er hat mir über Twitter gratuliert. Am kommenden Sonntag spielen wir ja gegen Dirk und die Dallas Mavericks. Vielleicht ergibt sich da ein Gespräch.
SPIEGEL ONLINE: Am vergangenen Mittwoch saßen Sie gegen die Milwaukee Bucks schon auf der Bank, kamen aber nicht zum Einsatz. Haben Sie mit Trainer Kevin McHale schon über Ihre Rolle im Team gesprochen?
Ohlbrecht: Klar. Aber er meinte nur, ich solle mich erst einmal in Ruhe einleben. Meine Rolle würde sich von allein finden.
SPIEGEL ONLINE: Kofferträger, Privatjet und Hotelsuiten dürften diesen Prozess enorm erleichtern.
Ohlbrecht: Es ist unfassbar, was man als Spieler hier geboten bekommt. Das ist das Rundum-sorglos-Paket. Alles ist organisiert - und zwar auf Fünf-Sterne-Niveau. Es gibt kein Detail, über das sich nicht schon ein Helfer Gedanken gemacht hat. Wir sollen uns wirklich nur aufs Basketballspielen konzentrieren und auf nichts anderes.
SPIEGEL ONLINE: In Deutschland haben Sie in der Bundesliga unter anderem drei Jahre für den aktuellen Meister Brose Baskets Bamberg gespielt. Dort hat man Ihnen vorgeworfen, Ihnen fehle der Biss und Sie seien zu harmoniebedürftig. Eine berechtigte Kritik?
Ohlbrecht: Der Biss hat mir sicherlich nicht gefehlt. Aber wenn du 2,10 Meter groß bist und Talent hast, wird dir vieles sehr einfach gemacht. Gleichzeitig stand ich von Beginn an im Fokus. Darüber war ich mir nicht sofort im Klaren.
SPIEGEL ONLINE: Deshalb wollten Sie "raus aus dem Hexenkessel", wie Sie es formulierten?
Ohlbrecht: Nach insgesamt sechs Jahren Bundesliga wollte ich etwas anderes sehen. Als die Chance bei den Vipers kam, habe ich zugegriffen. Sicher, ich hätte auch ins europäische Ausland wechseln können. Aber die Entscheidung für die USA hatte etwas von Abenteuer. Andere nehmen sich nach dem Studium eine Auszeit und reisen.
SPIEGEL ONLINE: Das hat sich ausgezahlt. Haben Sie mit den Kritikern jetzt Ihren Frieden gemacht?
Ohlbrecht: Es wird immer Leute geben, die einen nicht mögen, das kann ich nicht ändern. Ich kann nur versuchen, mit mir im Reinen zu sein. Ich will in zehn Jahren in den Spiegel schauen können und sagen: Jawoll, du hast alles richtig gemacht.
SPIEGEL ONLINE: Es in die NBA geschafft zu haben, erzeugt auch Leistungsdruck. Die amerikanischen und deutschen Medien schauen jetzt ganz genau auf Sie. Setzt Sie das unter besonderen Druck?
Ohlbrecht: Nein. Wer auf mich schaut, interessiert mich nicht. Ich will einfach Spaß am Spiel haben und bin froh, wenn ich dem Sport so einen Schub geben kann.
SPIEGEL ONLINE: Vergangene Woche hat Sie Bundestrainer Frank Menz in McAllen besucht. Will er Ihnen jetzt mehr Verantwortung übertragen?
Ohlbrecht: Über Details haben wir nicht gesprochen. Aber zunächst würde ich mich freuen, wieder für die Nationalmannschaft nominiert zu werden und die Europameisterschaft im September in Slowenien spielen zu können.
Das Interview führte Matthias Fiedler
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