Neuer NBA-Profi Paul Zipser Der Jungbulle

Michael Jordan machte die Chicago Bulls zum Mythos. Der deutsche Basketballer Paul Zipser steht nun vor seinem ersten Spiel für das Team.

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Eben noch gegen Weißenfels, Hagen oder Crailsheim, jetzt an der Seite von Dwyane Wade gegen die Cleveland Cavaliers, Los Angeles Lakers oder wie am Donnerstag die Boston Celtics. Er ist der Spieler, der in diesem Sommer den größten Sprung gemacht hat: Paul Zipser wechselte vom FC Bayern München zu den Chicago Bulls. Nicht zu irgendeinem Klub, sondern zu dem Team, das die NBA in eine neue Ära führte. Michael Jordan, der beste Basketballer der Geschichte, gewann mit den Bulls in den Neunzigerjahren sechs Meisterschaften.

"Das wäre für jeden etwas Besonderes", sagt Zipser zu seinem Wechsel. Wer den 22-Jährigen im Sommer bei der Nationalmannschaft erlebte, sah, was der NBA-Vertrag bei ihm ausgelöst hat. Bei der EM im Vorjahr war er beim Interview noch bemüht, nichts Falsches zu sagen. Jetzt blickt er Journalisten offen ins Gesicht und erzählt begeistert, wie sein neues Leben aussieht.

"Fast jeden Tag" habe er während der EM-Qualifikation mit den Bulls telefoniert, sagt Zipser. Coach Fred Hoiberg, die Fitnesstrainer, das Management: "Die fragen, was ich machen will, und dann kümmern sie sich. Aber ich will vieles auch selbst erledigen."

Zipser "wird seine Chance bekommen"

Zipser wirkt älter als 22, seine Professionalität erinnert nach drei Jahren bei den Bayern an die eines Routiniers - eine Eigenschaft, die bei NBA-Trainern sehr geschätzt wird. Der 2,03 Meter große Flügelspieler hat auch sportliche Qualitäten, die gefragt sind: Er hat einen sehr guten Wurf, ist athletisch und kann sowohl gegen kleine, schnelle Gegenspieler verteidigen wie auch gegen körperlich überlegene Innenspieler.

Diese Stärken hebt er selbstbewusst hervor, ohne arrogant zu erscheinen: "Die Bulls sehen in mir genau das, was ich bin. Sie versuchen nicht, einen anderen Spieler aus mir zu machen." Auch die größere Distanz beim Dreipunktewurf, in der vergangenen Saison traf er 42 Prozent, mache ihm keine Sorgen. "Das ist eine Umgewöhnung", sagt er, "es ist aber auch nicht viel schwerer. Nach ein paar Tagen hat man sich dran gewöhnt."

Mit Spielzeit könnte es für Zipser in seiner ersten Saison dennoch schwierig werden, die Bulls haben viele erfahrene und starke Spieler auf den Forward-Positionen. Deshalb wird er wahrscheinlich regelmäßig für das Farmteam der Bulls spielen - ähnlich wie Dennis Schröder vor drei Jahren. Nach einigen guten Leistungen Zipsers in Vorbereitungsspielen sagte Chicagos Trainer Hoiberg allerdings: "Er wird seine Chance erhalten."

Nowitzki wartet weiter auf hochkarätige Unterstützung

Dirk Nowitzki traut Zipser eine lange NBA-Karriere zu. "Er bringt die richtigen Anlagen mit: Er trifft seinen Wurf und ist athletisch", sagte der Basketball-Superstar "Spox". Der mittlerweile 38-Jährige verlängerte bei den Dallas Mavericks im Sommer für 50 Millionen Dollar um zwei Jahre. Den Vertrag will er trotz seines Alters und der im Grunde nicht vorhandenen Titelchancen erfüllen.

Wie in jedem Sommer seit dem Titelgewinn 2011 hatte Dallas große Hoffnungen, einen Superstar als Unterstützung für Nowitzki verpflichten zu können. Doch diese zerschlugen sich erneut. Immerhin kamen mit Andrew Bogut und Harrison Barnes zwei Profis, die als Leistungsträger eingeplant sind.

Entsprechend gering ist die Erwartungshaltung bei den "Mavs". "Unser Saisonziel ist zunächst das Erreichen der Playoffs", sagt Nowitzki, der in der vergangenen Spielzeit mit 18 Punkten pro Spiel erneut Top-Scorer seines Teams war. Daran dürfte sich auch in diesem Jahr wenig ändern. Der Power Forward ist der wichtigste Spieler im Angriff, das sagt angesichts seines Alters vieles über die Qualität seiner Mitspieler aus.

Schröder mit großer Chance - und großem Druck

Etwas bessere Chancen, in den Titelkampf eingreifen zu können, hat Schröder, der vor seiner bisher wohl wichtigsten NBA-Saison steht. Im Sommer wurde der Spielmacher zum Starter bei den Atlanta Hawks befördert. "Die Rolle wird eine neue Erfahrung. Aber ich bin zuversichtlich, dass er weiß, was wir von ihm als Point Guard erwarten", sagte Hawks-Coach Mike Budenholzer.

Um sich auf die Aufgabe optimal vorzubereiten, verzichtete Schröder kurzfristig auf seinen Einsatz für die Nationalmannschaft in der EM-Qualifikation. Seinen Kritikern war das ein weiterer Beweis für den vermeintlich zu ausprägten Egoismus des 23-Jährigen.

Tatsächlich steht Schröder aber vor richtungsweisenden Monaten. Das Vertrauen Atlantas in den Deutschen ist zwar groß, aber nicht unbegrenzt: Die Hawks werden die Frist für eine vorzeitige Vertragsverlängerung, die ihm im besten Fall rund 115 Millionen Dollar bringen könnte, höchstwahrscheinlich verstreichen lassen. In drei Jahren stand Schröder nur 16-mal in der Startformation, plötzlich der Hauptverantwortliche für den Spielaufbau zu sein, ist ein riesiger Schritt. Außerdem traf er seine Dreier im Vorjahr noch zu selten und er leistete sich zu viele Ballverluste. Verbessert sich Schröder deutlich in diesen Bereichen, könnte es auch etwas mit seinem erklärten Ziel werden, in drei Jahren Allstar und einer der besten Point Guards in der NBA zu sein. "Dafür werde ich alles tun", sagt er.

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