Playoff-Favorit Houston Rockets Der Bärtige und seine goldene Ausbeute

Vor 23 Jahren haben die Houston Rockets zuletzt einen NBA-Titel gewonnen. In dieser Saison aber gehen sie als Favorit in die Playoffs - denn sie können eines besonders gut.

James Harden
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James Harden


Dass der Saisonauftaktsieg der Houston Rockets gegen die Golden State Warriors ein Fingerzeig für die gesamte Regular Season in der NBA sein würde, ahnten im Oktober vergangenen Jahres wohl wenige. Damals bezwangen die Texaner den amtierenden Champion. Sie schlugen die Warriors mit eigenen Waffen - weil sie diese noch konsequenter einsetzten.

Die Dominanz von Golden State in den vergangenen Jahren gründete sich auf einen konsequent effizienten Spielstil: einfache und offene Würfe. Auch Dreier spielen eine große Rolle, da sie statistisch gesehen die maximale Ausbeute versprechen.

Die Houston Rockets gehen weiter als die Warriors. Und sind erfolgreich. Houston hat in der regulären NBA-Saison 65 seiner 82 Spiele gewonnen. Keiner hat mehr Siege erzielt. Jeder zweite Wurfversuch der Rockets ist ein Dreier. Und kein Team trifft mehr Dreier als die Rockets. In der regulären Saison waren es 1256 - ein neuer Liga-Rekord.

"Die Rockets wollen in der Offensive entweder einen Dreipunktewurf, einen Korbleger, einen Dunking oder Freiwürfe. Denn das sind die Wurfarten mit der höchsten Ertragsrate", sagt NBA-Experte und Kommentator André Voigt. Lange Zweipunktewürfe sind verpönt, weil sie ähnlich schwer wie Dreier sind, aber weniger Punkte bringen.

Statistisch vielversprechendster Basketball

Houstons Schlüsselspieler ist James Harden. Mit 30 Punkten pro Spiel ist "The Beard" der beste Scorer der Liga. Ein weiterer Erfolgsbringer in der aktuellen Saison ist Aufbauspieler Chris Paul. Beide sind schwer im Eins-gegen-eins zu verteidigen. Werden sie gedoppelt, passen sie den Ball und ermöglichen freie Würfe.

Houstons Trainer Mike D'Antoni hatte in den Nullerjahren schon ein ähnliches System spielen lassen, damals mit den Phoenix Suns. "Für mich war das der Beginn der heutigen Spielweise", sagt Warriors-Coach Steve Kerr, der damals General Manager der Suns war. Bei den Rockets hat D'Antoni nun Spieler, die besser in sein System passen. Schützen wie Harden, Paul, Eric Gordon oder PJ Tucker. Aber auch die Big Men Luc Mbah a Moute und Ryan Anderson verwandeln ihre Dreier.

Chris Paul
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Chris Paul

Strategisches Genie bei der Kaderplanung ist Daryl Morey. Der General Manager der Rockets wurde wegen seiner analytischen Fähigkeiten 2007 verpflichtet. Sein Auftrag: über Jahre ein Team zu formen, das den statistisch vielversprechendsten Basketball am effektivsten umsetzen kann. Das Prinzip, Statistiken als Grundlage für die taktische Ausrichtung zu verwenden, ist mittlerweile als "Moreyball" bekannt.

Die Rockets sind die Spitze eines Trends, der in der NBA seit einigen Jahren zu beobachten ist: Die Zahl der Dreierversuche pro Spiel steigt kontinuierlich an. In dieser Saison waren es im Schnitt 29. Vor fünf Jahren waren es erstmals 20 Dreipunkteversuche pro Spiel. Laut Erik Spoelstra, Trainer der Miami Heat, wird dieser Trend noch weiter gehen: "Es wird ein Team von Mike D'Antoni sein, das als erstes auf 50 Dreierversuche pro Spiel kommt."

"Fühlt sich einfach natürlich an, so zu spielen"

"Wir bekommen gar nicht mit, wie viele Dreier wir nehmen, bis es uns jemand sagt", sagte Rockets-Spieler Ryan Anderson der Agentur Reuters. "Es fühlt sich einfach natürlich an, so zu spielen. Es macht Spaß." Knapp 113 Punkte erzielen die Rockets pro Partie. Nur Titelverteidiger Golden State punktet mehr.

Top-Scorer James Harden
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Top-Scorer James Harden

"Das System erscheint manchmal sehr simpel", sagt Voigt. "Es ist kein ausgeklügelter Basketball, der das Herz höher schlagen lässt. Aber es funktioniert. Bisher hat kein NBA-Team gezeigt, dass es diesen Rockets-Basketball stoppen kann."

Zweimal konnten die Rockets bisher die NBA-Meisterschaft gewinnen, 1994 und 1995. Ihr aktueller Erfolg macht sie zu einem Favoriten auf den Titel. Die Rockets starten in der Nacht auf Montag in die Playoffs. Es geht gegen die Minnesota Timberwolves. Statistisch gesehen sollten sie keine Probleme bekommen.

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insgesamt 2 Beiträge
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derdonster 15.04.2018
1. überschrift täuscht
also ich finde es ja super, dass paasend zur playoff zeit mal wieder über die NBA berichtet wird, aber leider ist die überschrift einfach nur absurd. Niemand würde die houston rockets als playoff favorit bezeichnen, alle experten sind sich einig, dass cleveland und die warriors die grossen favoriten sind. Houston hat eine bärenstarke saison gespielt, aber sie nur wegen des regular season records zu bezeichnen ist falsch und oberflächlich..
fson21 16.04.2018
2.
Welche Experten sehen denn die cavs als Favoriten? Nach der sehr schwachen Saison und besonders aufgrund der löchrigen Defense sind sich eigentlich alle einig, dass Cleveland nicht mal das Endspiel erreichen wird. Der Meister wird dieses Jahr in der Western Conference ausgespielt und die Favoriten sind eindeutig die Rockets und Warriors
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