Hamburg - Der Basketballer Jason Collins hat sich als erster aktiver Profi im amerikanischen Sport zu seiner Homosexualität bekannt. "Ich hatte mir nicht vorgenommen, der erste offen schwule Athlet in einer der großen amerikanischen Sportligen zu werden. Aber nun bin ich es und freue mich, die Debatte anzustoßen", bekannte der 34 Jahre alte Basketballer am Montag auf der Internetseite des US-Magazins "Sports Illustrated".
Es sei eine Riesenanstrengung gewesen, sein Geheimnis zu bewahren. "Ich habe Jahre des Kummers hinter mir und sehr viel auf mich genommen, um mit dieser Lüge zu leben", erklärte der Center, der in dieser Spielzeit für die Boston Celtics und die Washington Wizards aufgelaufen war. "Als ich jünger war, habe ich mich mit Frauen getroffen. Ich war sogar verlobt. Ich dachte, ich müsste einen bestimmten Lebensstil führen, eine Frau heiraten und Kinder mit ihr großziehen."
Nun möchte der 2,13 Meter große Basketball-Profi offensiv mit seiner Situation umgehen. Seinen Beitrag in der "Sports Illustrated" leitete er ein mit den Worten: "Ich bin ein 34 Jahre alter NBA-Center. Ich bin schwarz. Und ich bin schwul." Er bekräftigte auch, seine Karriere fortführen zu wollen. "Ich kann machen, was ich will. Und ich will weiter Basketball spielen. Ich liebe das Spiel und kann immer noch einiges leisten. Meine Trainer und meine Mitspieler wissen das."
Homosexualität im US-Profisport jahrelang ein Tabuthema
Collins, der 2002 und 2003 mit den New Jersey Nets jeweils das NBA-Finale erreicht und verloren hatte, ist im Moment auf Vereinssuche. Sein Vertrag mit den Wizards läuft nach dieser Saison aus.
In einer ersten Reaktion äußerte sich NBA-Commissioner David Stern positiv über die offenen Worte. "Jason ist ein angesehener Spieler und wir sind stolz, dass er in dieser wichtigen Sache eine Vorreiterrolle einnimmt", sagte Stern. Auch in den sozialen Netzwerke wurde Collins bereits unmittelbar nach der Veröffentlichung beglückwünscht. "Er ist vielleicht der mutigste Mann in der Welt des Sports", schrieb ein User bei Twitter.
Im US-Profisport war Homosexualität jahrelang ein Tabuthema. Vor der diesjährigen Super Bowl im American Football zwischen den San Francisco 49ers und den Baltimore Ravens hatte 49ers-Cornerback Chris Culliver mit schwulenfeindlichen Aussagen noch für einen Riesenskandal gesorgt. Bei den 49ers gebe es keinen schwulen Profi und wenn, sollte dieser sofort die Mannschaft verlassen, hatte er in einem Interview gesagt. Einen Tag später musste er sich dafür entschuldigen. Die NFL ging daraufhin in die Offensive und organisierte mehrere Treffen mit Organisationen, die sich für die Rechte homosexueller Spieler im Profisport einsetzen.
Zuletzt hatte in den USA der Fußball-Profi Robbie Rogers für Aufsehen gesorgt, weil er sich zu seiner Homosexualität bekannt, seine Karriere anschließend aber beendet hatte. Der Box-Profi Orlando Cruz ist ein weiteres prominentes Beispiel, das den Mut hatte, sich öffentlich zu outen.
buc/ham/dpa/sid
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