NBA-Star Kevin Durant Die Fans nennen ihn Hungerhaken

Kevin Durant gilt als kommender Star in der NBA und ist bereits einer der besten Punktesammler der Liga. Im Interview mit dem Basketballmagazin "FIVE" spricht der Forward der Oklahoma City Thunder über seine Bewunderung für Kobe Bryant und den Spott der gegnerischen Anhänger.

Thunder-Star Durant: "Ich würde gern mit Kobe Bryant trainieren"
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Thunder-Star Durant: "Ich würde gern mit Kobe Bryant trainieren"


Frage: Kevin Durant, Ihre Statur hat sich seit Ihrer Ankunft in der Liga kaum verändert: Sie sind immer noch sehr dünn. Bekommen Sie das auch in gegnerischen Arenen zu hören?

Durant: Oh ja, die Fans in den anderen Hallen buhen uns oft aus. Ich höre beim Aufwärmen oder während der Spiele die verrücktesten Sachen. Dinge wie: "Alter, du bist der schlechteste Spieler der Liga. Du bist viel zu dünn", "Kauf dir mal ein Sandwich" oder "Heute punktest du auf keinen Fall!" Aber das ist für mich alles Spaß. Vor allem das mit dem Essen bringt mich immer zum Lachen. Die Leute brüllen immer wieder: "Iss mal dies, hau dir mal das rein, du Hungerhaken."

Frage: Wie reagieren Sie auf solche Sprüche?

Durant: Wenn ich so was höre und zufällig gerade in die Richtung des Fans schaue, dann grinse ich ihn an, und meistens bekomme ich ein Lächeln zurück. Ich kann da echt drüber lachen. Außerdem ist das ja ein Zeichen des Respekts, wenn du Trashtalk bekommst. Wir spielen gut und erfolgreich, da hörst du diese Sachen.

Frage: Sie sprechen es an: Die Thunder spielen eine extrem starke Saison, genau wie die Los Angeles Lakers und Cleveland Cavaliers. Wen sehen Sie bisher als wertvollsten Spieler, als MVP?

Durant: Also mich selbst nicht. Ich bin noch nicht auf dem Level von Jungs wie LeBron James, Kobe Bryant oder Dwyane Wade. Das möchte ich zwar in der Zukunft unbedingt erreichen, aber diese Spieler waren schon in den Finals, haben zum Teil Titel gewonnen. Mich mit ihnen zu vergleichen wäre unfair ihnen und mir gegenüber. Mein MVP der laufenden Saison ist auf jeden Fall LeBron James. Die Cavs spielen eine irre Saison, legten vor dem All-Star-Wochenende eine Serie mit 13 Siegen hin. Dabei spielten sie lange ohne Mo Williams und Delonte West. LeBron hält dieses Team trotzdem auf Kurs, spielt im Schnitt über acht Assists! Das zeigt, wie wichtig er ist.

Frage: Kobe Bryant oder Carmelo Anthony sehen Sie hinter LeBron?

Durant: Die Cavaliers haben die beste Bilanz der Liga. Wie kannst du ihm da nicht den MVP bis zu diesem Zeitpunkt geben? Natürlich bringen auch Kobe und Carmelo exzellente Leistungen. Beide sind auch auf LeBrons Niveau. Aber der Teamerfolg spricht ganz klar für James.

Frage: In Dallas feierten Sie Ihr Debüt als All Star. Haben Sie dort versucht, speziell mit einigen Spielern zu sprechen? Vielleicht, um Ratschläge von den Älteren einzuholen?

Durant: Nein, das nicht. Ich wollte einfach nur dabei sein, die Atmosphäre aufsaugen und sehen, wie sich die etablierten Stars geben. Ich habe auch nach ein paar Autogrammen gefragt, das ganze Wochenende genossen und danach meinen Mannschaftskameraden gedankt. Ohne unseren Erfolg wäre ich nicht in Dallas gewesen.

Frage: Wenn Sie mit einem Spieler mehr Zeit verbringen und sich ein paar Geheimnisse abschauen könnten: Wer wäre das?

Durant: Kobe Bryant. Einfach zu sehen, wie er Tag für Tag arbeitet. Welche Energie Kobe verbraucht, um der Beste zu sein, der er sein kann - das würde ich gern sehen. Ich würde sehr gern mit ihm trainieren.

Frage: Hatten Sie die Gelegenheit nicht schon mal beim Team USA, wo Sie mit einer Auswahl-Mannschaft gegen die späteren Olympiasieger von Peking angetreten sind?

Durant: Ja, damals habe ich gesehen, wie er nach zwei Stunden Extraschicht, in denen er "nur" geworfen hat, aussah. Jeder konnte direkt sehen, wie viel Energie er da reinsteckte. Kobe war nach seinem Training klitschnass und müde. Das zeigt dir, wie viel einer der besten Basketballer der Welt, vielleicht sogar der beste, an einem eigentlich freien Tag arbeitet, um noch besser zu werden. Für mich und Jeff Green, der damals auch dabei war, war das sehr beeindruckend.

Frage: Wie sehr hat Ihnen im Nachhinein der Wechsel von der Position des Shooting Guards auf die des Small Forwards in der vergangenen Saison geholfen?

Durant: Das war enorm wichtig und half mir sowie dem Team extrem. Es wart hart für mich, auf der Zwei zu spielen, weil ich kleinere, schnellere Gegenspieler decken und im Angriff gegen diese Jungs agieren musste. Das führte zu vielen Ballverlusten. Die Kleinen gingen immer wieder auf mein Dribbling und klauten so den Ball. Das war eine harte Erfahrung, aber auch eine, aus der ich viel gelernt habe.

Frage: Gelernt in dem Sinne, dass Sie jetzt auf beiden Positionen spielen können?

Durant: Ja, ich kann sogar von Shooting Guard bis Power Forward - wo mich Coach Scott ja auch spielen lässt - jetzt effektiv sein. Von daher war die Tatsache, dass ich auf der Zwei gespielt habe, eine gute Erfahrung. Natürlich braucht es intensives Videostudium und Arbeit mit dem Trainerstab, um so vielseitig zu spielen, aber diese Extraschichten lege ich für das Team gern ein.

Lesen Sie im zweiten Teil des FIVE-Interviews mit Kevin Durant: Wie schweißtreibend der NBA-Jungstar die Sommerpause verbringt und was die Thunder zu einem besonderen Basketball-Team macht.

Die Fragen stellte André Voigt

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Mahler 13.04.2010
1. Gegendarstellung
---Zitat von Kevin Durant--- Es wart hart für mich, auf der Zwei zu spielen, weil ich kleinere, schnellere Gegenspieler decken und im Angriff gegen diese Jungs agieren musste. ---Zitatende--- Durant kam als Small Forward in die NBA. Er wurde jedoch in seiner Rookie-Saison bewusst als Shooting Guard eingesetzt, weil es ihm an Masse und Kraft fehlte. Er sollte sich nicht an den schwereren, stärkeren Forwards der Liga aufreiben: ---Zitat von Head Coach P.J. Carlesimo, Oktober 2007--- "In my opinion, [Shooting Guard]'s where he's best suited right now, because of the [...] fact that he is not as physical right now. [...] "This league is not a rookie league. It's a hard league. ... If you look at him, he's a young 19 physically." ---Zitatende--- Der Wechsel auf die nächstkleinere Position diente also dem Schutz des Spielers, der sonst vielleicht körperlich überfordert gewesen sein würde. Heute wird es so dargestellt, als habe Durant seinem Team damals den Gefallen getan, auf die Zwei zu wechseln, und der Wechsel zurück auf die Drei wird ihm noch höher angerechnet. Das Interview erweckt genau diesen Eindruck, der jedoch nachweislich die Realität verzerrt.
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