NBA-Team New York Knicks Die wertvolle Lachnummer

Sie sind das schlechteste NBA-Team des Jahrhunderts - und zugleich die wertvollste Basketball-Franchise der Welt: die New York Knicks. Der Besitzer trotzt jeglicher Kritik: "Keiner feuert dich dafür, dass du alle reich machst."

REUTERS/ USA Today Sports

Aus New York berichtet Philipp Awounou


"Ich liebe die Knicks", sagt Kevin Bennett. Das ist offensichtlich: Mit Knicks-Mütze, Knicks-Schal, Knicks-Pullover und Knicks-Sneakers steht er am 21. Januar an einem Getränkestand im Madison Square Garden. Vor knapp 40 Jahren sei er das erste Mal hier gewesen, erzählt er, in der Arena der New York Knicks. Seither komme er so oft wie möglich her, in guten wie in schlechten Zeiten. "Und in noch schlechteren. Wie jetzt."

Zu dem Zeitpunkt, als Bennett auf seine Cola wartet, stehen die New York Knicks bei 889 Niederlagen in 19 Jahren. Keine Franchise hat seit der Jahrtausendwende öfter verloren. Die Playoffs erreichte das Team in den vergangenen zwei Dekaden nur sechs Mal, der bislang letzte Titelgewinn liegt knapp 46 Jahre zurück (1973). Sportlich sind die Knicks also in einem miserablen Zustand, doch finanziell sieht es anders aus. Ganz anders.

Anfang Februar kürte "Forbes" die Knicks zur wertvollsten Franchise der NBA, zum vierten Mal in Folge. Vier Milliarden Dollar müssten Interessenten nach Schätzung des Wirtschaftsmagazins aufbringen, um das Team von Besitzer James Dolan zu übernehmen - mehr als doppelt so viel wie für eine durchschnittliche Franchise. Im Gesamtranking aller Sportmannschaften listete "Forbes" die Knicks 2018 auf Platz sieben, vor Spitzenteams wie Bayern München, den Boston Red Sox oder Manchester City.

Die Knicks sind ein "Big Market Team"

Mannschaften wie die Knicks nennt die US-Presse "Big Market Teams". Sie profitieren vom Ruhm und der Anziehungskraft ihres Standorts, unabhängig von den Ergebnissen auf dem Court. Zwar genießen auch die Los Angeles Lakers, die Boston Celtics oder die Chicago Bulls diesen Vorteil. Doch nirgends funktioniert der Imagetransfer besser als bei den Knicks, die in der wohl bekanntesten Stadt der Welt residieren, in Midtown Manhattan, nur wenige Gehminuten vom Times Square entfernt.

"Willkommen in der berühmtesten Arena der Welt!", tönt es aus den Lautsprechern des Madison Square Garden. Bennett hat mittlerweile Platz genommen, Unterrang, Block 112, er ist umgeben von einer globalen Fan- und Eventgemeinde. Laut wird es in den nächsten Stunden vor allem, wenn der Ball ruht: Hymne, "Kiss-Cam", T-Shirt-Kanone. Dass die Knicks dem Gegner aus Oklahoma hoffnungslos unterlegen sind, teils sogar verhöhnt werden: Nebensache.

"Aktuell ist dieses Team die Lachnummer der Liga" sagt der Reporter Tommy Beer, der für "Forbes" über die Knicks berichtet. Zugleich lobt er die Sponsoring- und Ticketeinnahmen, die TV-Deals und Merchandising-Maßnahmen der Franchise. Das Problem: "All das Geld bringt sportlich keinen Vorteil."

Fragwürdige Manöver des Teambesitzers

Mit Ausnahme der Major League Baseball sind in den großen US-Ligen sowohl die Gehälter der einzelnen Spieler als auch die Gesamtetats der Kader gedeckelt. Der "Salary Cap", die Lohnobergrenze der NBA, liegt in der laufenden Saison bei 101 Millionen Dollar pro Team. Im Werben um die besten Spieler können die Knicks ihre Konkurrenz also nicht einfach überbieten. Vielmehr brauche es für sportliche Erfolge eine gute Führung, sagt Beer - und verrät damit indirekt, woran es im "Big Apple" hapert.

Die New York Knicks gehören, ebenso wie das Eishockey-Team New York Rangers, zur Madison Square Garden Company. Deren Präsident und Geschäftsführer ist seit 1999 der Milliardär Dolan, der aufgrund etlicher fragwürdiger Manöver als schlechtester Teambesitzer der Liga gilt. Zu den regelmäßigen Forderungen, er möge entlassen werden, sagte der 63-Jährige unlängst bei ESPN: "Keiner feuert dich dafür, dass du alle reich machst."

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New York Knicks: Reich, aber erfolglos

Dolans Investoren dürften ihm zustimmen, er managt die wertvollsten Franchises der NBA und der Eishockey-Liga NHL. Sportlich dagegen hat sein ungeduldiger, teils kopflos wirkender Führungsstil den Knicks schwer geschadet. Der jüngste Aufreger der Dolan-Administration: Um im kommenden Sommer um gleich zwei Superstars buhlen zu können, schickte das Team das größte Knicks-Talent der vergangenen 20 Jahre, Kristaps Porzingis, nach Dallas.

443 Millionen Dollar Umsatz

Sollte die Franchise im Sommer tatsächlich zwei vertragslose Topstars nach New York lotsen können, etwa Kevin Durant und Kyrie Irving, wäre die sportliche Talfahrt beendet. Doch in den vergangenen Jahren gingen die Knicks im Rennen um Superstars meist leer aus - was wohl nur bedingt am Ruf Dolans liegt: In Zeiten von Social Media und globalen Reichweiten habe der Reiz der Metropole nachgelassen, sagt Beer. "Man muss heutzutage nicht mehr in großen Märkten spielen, um großes Geld zu verdienen."

Und die Knicks arbeiten weiter beständig an ihrem Ruf als wertvollste Lachnummer der Liga: 443 Millionen US-Dollar Umsatz, 155 Millionen operativer Gewinn, 43 Niederlagen aus 53 Saisonspielen - alles Liga-Höchstwerte. Befürchten muss die Franchise nichts: Abstiege sieht die NBA nicht vor, und die Standortvorteile des Teams könnten einzig die Brooklyn Nets gefährden. Der Stadtrivale aus dem Süden steht sportlich allerdings kaum besser da, hat weit weniger Historie - und keinen Madison Square Garden.

Wenn "Forbes" also im kommenden Jahr zum 22. Mal die wertvollste Franchise der NBA kürt, stehen die Siegchancen der Knicks erneut hervorragend. Anders als auf dem Parkett, wo in den vergangenen Jahrzehnten wenig bis nichts auf die Erfüllung von Fan Bennetts größtem Wunsch hindeutete: "Dass die Knicks einen Titel gewinnen, bevor ich tot umfalle."



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sven2016 09.02.2019
1. So sieht Sport in USA aus.
Wichtig ist der Umsatz und Gewinn. Was nebenher die Sportler machen, ist nebensächlich.
fenasi_kerim 09.02.2019
2. Sie lernen es eben nicht.
Die Knicks machen immer wieder den selben Fehler. Cap-Space generieren, weil sie glauben, der Standort reicht, um gute Spieler anzulocken. 2010 hat man auf LeBron gezielt und Stoudemire bekommen. Außerdem die komplette Zukunft vorgegeben, um Carmelo zu bekommen, der 6 Monate später auch ohne Gegenwert gekommen wäre. Und jetzt geben sie mit Porzingis Ihren Star ab, um einen Spieler zu holen, den man vor einem Jahr frei hätte verpflichten können... Brooklyn ist in Sachen planvollem Handeln um Lichtjahre voraus!
blsthko 10.02.2019
3. Vier Milliarden Dollar?
Wieso steht im Tweet 3.6 Milliarden? Ist die Differenz die zu zahlende Steuer?
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