LeBron James zu den Los Angeles Lakers Dem König läuft die Zeit davon

Ein Superstar des Basketballs arbeitet weiter an seinem Vermächtnis: LeBron James wechselt zu den Los Angeles Lakers. Kann er das einst so große Team zurück an die Spitze führen - oder hat er sich verrechnet?

LeBron James
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Von Philipp Awounou


Es hatte sich abgezeichnet. LeBron James, der beste Basketballer seiner Generation, war nicht mehr glücklich in Cleveland. In der Stadt, in die er vor vier Jahren als verlorener Sohn zurückgekehrt war.

Vergiftet schien die Atmosphäre im Team, seine Glanzzeit dahin. Am Montagmorgen wurde bekannt: Der "König" zieht weiter - zu den Los Angeles Lakers. Eine Entscheidung, die große Hoffnungen schürt, aber auch Risiken birgt - für James und für die Lakers.

Bereits wenige Minuten nach Bekanntgabe des Wechsels versammelten sich zahlreiche Fans vor der Arena der L.A. Lakers, sangen, jubelten und tanzten. Unter dem Hashtag #TheKingIsHere kanalisierte sich die Euphorie in den sozialen Netzwerken - und auch Basketball-Legenden meldeten sich umgehend zu Wort.

"Willkommen in der Familie", twitterte etwa Kobe Bryant, einer der Größten in der Lakers-Geschichte. Sein Statement glich einer Staffelübergabe: Seit Bryants großen Tagen, seit den Titelgewinnen 2009 und 2010, war es in der Stadt der Engel stetig bergab gegangen. Zuletzt verpassten die Lakers gar fünf Jahre in Folge die Play-offs - eine für den Klub historische Durststrecke. Man lechzte nach einem neuen Helden, einem Superstar in Lila-Gold. Der ist nun gefunden: Die Ära James beginnt.

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Basketball: LeBrons nächster Meilenstein

Der König will Titel

Auch wenn die Fans schon von Trophäen träumen: Ein Titel-Abo haben die Lakers mit James' Verpflichtung nicht abgeschlossen. Sie kann nur ein Anfang sein: Momentan besteht der Kader der Lakers noch aus James, jungen Talenten und klassischen Rollenspielern. Doch um in der heutigen NBA erfolgreich zu sein, braucht es mehr als einen dominanten Superstar.

Niemand weiß das besser als James selbst. Elf seiner 15 NBA-Jahre verbrachte der 33-Jährige in Cleveland, wo er zumeist der einzige (verlässliche) Star war. So erreichte der Forward zwar fünfmal die Finals, gewann jedoch - trotz herausragender individueller Leistungen - nur einmal den Titel.

Schon 2010 entschied sich James daher zum Wechsel nach Miami, wo er mit Dwyane Wade und Chris Bosh die "Big Three" formte und in vier Jahren zwei Titel gewann. Als sich die sportliche Perspektive in Miami verschlechterte, kehrte er zurück nach Cleveland (2014). Nun, vier Jahre später, wiederholt sich dieses Spiel - zugunsten der Lakers.

James, wie er sich gern sieht
AFP

James, wie er sich gern sieht

Die bisherige Laufbahn des viermaligen "Most valuable Player" (MVP) zeigt: James' Gier nach Titeln ist größer als seine Loyalität. Sportlich geht es ihm vor allem um sein Vermächtnis, insbesondere um das "GOAT-Duell" mit Michael Jordan, das nicht zuletzt von der Anzahl errungener Meisterschaften abhängen wird.

Mythos L.A. Lakers

Mit diesen Ambitionen, aber auch mit seiner Persönlichkeit, passt James an kaum einen Ort besser als nach L.A. Nur die Boston Celtics haben mehr Championships gewonnen (17) als die Lakers (16). Und ungeachtet der jüngsten Misserfolge umgibt die Lakers immer noch eine glamouröse Aura.

James, der bereits zwei Häuser und eine Produktionsfirma in Los Angeles besitzt, folgte dem Lockruf daher gerne - auch wenn sich das sportliche Gerüst noch in der Aufbauphase befindet. Die nächsten Top-Spieler, etwa Kawhi Leonard von den San Antonio Spurs, sollen folgen, spätestens im nächsten Sommer. Bis dahin sind die Spitzenteams im Westen, Golden State und Houston, jedoch noch ein gutes Stück voraus.

Wunschkandidat Kawhi Leonard
AP

Wunschkandidat Kawhi Leonard

James schließt damit auch eine Wette auf seinen eigenen Körper ab. Der Superstar zählt bereits 33 Jahre, doch anstatt sich bei besser besetzten Teams wie Boston oder Philadelphia in vergleichsweise gemachte Nester zu setzen, unterschrieb er für vier Jahre und 154 Millionen Dollar in L.A. - mit dem Risiko, womöglich ein kostbares Jahr ohne echte Titelchancen zu verbrennen.

Unterm Strich scheint James also überzeugt, die Lakers im Herbst seiner Karriere in einen neuen Frühling führen zu können. An seiner Seite könnten vielversprechende Youngster wie Lonzo Ball, Brandon Ingram oder auch die deutsche NBA-Hoffnung Moritz Wagner den nächsten Schritt machen. Oder aber die Franchise tauscht ihre Talente gegen gestandene All Stars, gute Schützen oder starke Verteidiger ein.

Sollte sich der erhoffte Erfolg jedoch nicht schnell genug einstellen, könnte der Schuss nach hinten losgehen: Dann würden die Lakers wohl ihren König verlieren, und der König wertvolle Zeit.



insgesamt 10 Beiträge
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Bronko 02.07.2018
1. Spannender Move
aber zwei Titel konnte er dann doch schon gewinnen (Miami)
Jan Kleinschnieder 02.07.2018
2. Merkwürdige Ansicht
James spielt 11 seiner 15 Profi-Jahre in Cleveland und soll jetzt ein Problem mit Loyalität haben? Merkwürdige Logik.
brightlights 02.07.2018
3. Gier größer als Loyalität? Wie Bitte?
Wie #2 schon geschrieben hat. James hat nicht nur 11 Jahre in Cleveland gespielt. Er ist sogar nach Miami nach Cleveland zurückgegangen, trotz dass die Fans seine Trikots verbrannt haben und der GM einen Hassbrief an Lebron geschrieben hat als er richtung Miami zog. Zudem gab es sicher bessere alternativen als die Cavs. UND das wichtigeste : Lebron ist nach Clevenland zurückgekommen um dem Team einen Titel zu bringen und das hat er gemacht!Den ersten professionellen Titel seit 52 Jahren! (gut, diesmal hatte er Kyrie an seiner Seite) Auf NBA.com kann man nachlesen, dass jeder Veteran reporter schreibt, dass James es sich absolut verdient hat Cleveland zu verlassen (hat er sowieso schon). Hier von fehlender Loyalität zu sprechen ist einfach absurd. Bitte richtig recherchieren bevor man sowas von sich gibt. Die Cavs sind zerbrochen ohne Kyrie und Kevin Love alleine kann nicht mehr helfen. Lebron wäre wieder in der gleichen Situation wie damals vor Miami. Er würde wieder alleine Spielen. Da er mit 33 Jahren immernoch wie ein Übermensch spielt, wäre es einfach eine Verschwendung wenn Lebron in Cleveland bleiben würde. Der Mann ist immernoch im absoluten "Championship" Modus so wie er die Gurken truppe mit Übermenschlichen Leistungen über teilweise 7 Spiele bis ins Finale getragen hatte. Hätte er früher mehr Support gehabt hätte er deutlich mehr Ringe. Ich persönlich habe darauf gehofft, dass er mit Chris Paul zusammenfindet aber Houston war zu gut diese Season. Das bleiben von CP3 ist nachvollziehbar. Trotzdem, an GSW kommt keiner so schnell vorbei bis auf vllt Houston wenn sie diesmal mehr Glück haben. Lebron fehlen noch paar Puzzleteile im Team.
ThomasCrown 02.07.2018
4. Goat
MJ wird er nicht erreichen.
simsim22 02.07.2018
5. Hat der Autor Ahnung?
Bitte lieber Autor, informieren Sie sich doch einmal über die genaueren Beweggründe hinter dieser Entscheidung. Diese Entscheidung war nicht aus sportlicher Sicht, sondern vor allem aus familiärer Sicht getroffen. Er hat nie gesagt, dass er zu den Lakers geht weil er dort Titel holen möchte. Wenn er das gewollt hätte wäre er wohl nach Golden State gegangen, was mit ein paar Moves möglich gewesen wäre.
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