24-Stunden-Rennen: Unfälle überschatten Sieg von Kristensen

Aus Le Mans berichtet

Aston Martin von Frédéric Makowiecki (vorne): In die Leitplanken Zur Großansicht
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Aston Martin von Frédéric Makowiecki (vorne): In die Leitplanken

In Le Mans geriet der Sieg von Audi und dem Dänen Tom Kristensen zur Nebensache. Nach dem Tod von Kristensens Landsmann Allan Simonsen und einem weiteren schweren Unfall ist jetzt eine Sicherheitsdebatte entbrannt.

Bei Le-Mans-Sieger Tom Kristensen kam keine Freude auf. Zwar ist der dänische Audi-Fahrer mit neun Siegen der Rekordchampion bei dem Langstreckenrennen, doch überschattet wurde der Erfolg am Sonntag von dem tragischen Todesfall seines Landsmannes Allan Simonsen im Aston Martin. Kaum 19 Stunden waren vergangen, da erlebte die Mannschaft des Aston Martin Racing-Teams am Sonntagmorgen den nächsten Schock: Frédéric Makowiecki verlor nach der ersten Schikane auf der Hunaudières-Geraden die Kontrolle über seinen Vantage und krachte frontal in die Leitplanken. Die Motorhaube des Wagens schleuderte bei dem Aufprall meterhoch in die Luft, mit völlig zerstörter Front blieb das Fahrzeug mitten auf der Strecke liegen.

Kaum war der demolierte Aston Martin zum Stehen gekommen, tauchte Makowiecki aus dem Cockpit auf. Er sprintete wenige Meter bis zur Streckenabsperrung und sprang über die hüfthohe Planke. Dort blieb er sitzen, den Rücken an den Metallzaun gelehnt. Nach ersten Meldungen ist er unverletzt.

In der Box von Aston Martin sah man einen Mechaniker mit breiten Schultern, er blickte auf den Bildschirm, auf dem der Unfall übertragen wurde. Der Hüne hatte Tränen in den Augen. Es war kurz vor 10 Uhr morgens in Le Mans, die meisten der am Rennen Beteiligten hatten seit Stunden nicht geschlafen. Im Fahrerlager und in der Boxengasse herrschte Erschöpfung. Außerdem trauerte das Team um Allan Simonsen.

"Jetzt haben wir gerade ein Rennen zu gewinnen"

Über den Unfallhergang und die Todesursache gab es noch keine neuen Erkenntnisse. Der 34-Jährige hatte am Samstag kurz nach dem Start in der Tertre-Rouge-Kurve die Kontrolle über seinen Aston Martin verloren, war an einer Stelle, wo kein Reifenstapel als Puffer aufgebaut war, in die Leitplanken gekracht und im Streckenkrankenhaus seinen Verletzungen erlegen. Laut Medienberichten war er kurz nach dem Unfall noch bei Bewusstsein und ansprechbar gewesen.

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24 Stunden von Le Mans: Rennfahrer Allan Simonsen tödlich verunglückt
Viele Fahrer wollten sich aus Respekt vor dem veranstaltenden Automobile Club de l'Ouest (ACO) nicht zu dem Thema äußern. Der Club teilte mit, dass das Unglück von den französischen Behörden untersucht werde. Laut ACO ist dies bei einem Unfall mit Todesfolge ein normaler Vorgang.

Das Team von Aston Martin kündigte an, am Nachmittag Statements von Funktionären und Fahrern zum tragischen Tod von Simonsen herauszugeben. "Jetzt haben wir gerade ein Rennen zu gewinnen", sagte die Presseprecherin SPIEGEL ONLINE - bevor kurz darauf Frédéric Makowiecki in die Leitplanke raste.

Der Unglückswagen basiert auf einem Serienmodell

An der Strecke hat der tödliche Unfall von Simonsen eine Sicherheitsdebatte entfacht. "Man wird sich Gedanken machen müssen. Die Rennstrecke führt im 45-Grad-Winkel auf die Landstraße. Gerade an dieser Stelle sollte man mit Reifenstapeln die Leitplanken zusätzlich absichern", sagte der dreimalige Le-Mans-Sieger Marco Werner, der derzeit als Audi-Botschafter in Frankreich ist. Dagegen nahm der fünfmalige Le-Mans-Gewinner Frank Biela die Verantwortlichen in Schutz: "Ich glaube nicht, dass man irgendjemandem einen Vorwurf machen kann. An dieser Stelle fliegt man normalerweise nicht von der Strecke."

Der Audi-Pilot Benoît Tréluyer, in Le Mans mit einem R18 E-Tron am Start, bezeichnete die Tertre-Rouge-Kurve als Herausforderung für die Fahrer: "Man fährt sowohl über die inneren als auch die äußeren Curbs und muss dabei aufpassen, nicht auf den Grünstreifen zu geraten." Die Kurve ist seiner Ansicht nach schwer zu fahren - "aber eigentlich sicher, denn die Auslaufzone ist weit genug". Der tödliche Unfall von Simonsen war deshalb für alle eine böse Überraschung, sagte Tréluyer SPIEGEL ONLINE.

"Die Stimmung im Fahrerlager war nach dem Unfall schlimm", schilderte er seine Eindrücke, "viele von uns haben fast schon vergessen, dass so etwas passieren kann." Denn bei den Rennwagen herrschen nach Meinung Tréluyers mittlerweile sehr hohe Sicherheitsstandards - zumindest was die LMP1-Klasse betrifft, in der er unterwegs ist. Die Prototypen sind die schnellsten Autos in Le Mans. Allan Simonsen verunglückte dagegen in einem Aston Martin Vantage der GT-Klasse: Diese Boliden basieren auf Serienfahrzeugen. "Vielleicht muss hier noch weiter an der Sicherheit gearbeitet werden", sagt Tréluyer.

Trotzdem gilt seiner Ansicht nach: "Unfälle wie gestern in der Tertre Rouge sind in der Vergangenheit passiert, und sie werden auch zukünftig passieren - aber solche Folgen sind die Ausnahme."

Mit Material von dpa und Reuters

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insgesamt 70 Beiträge
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1.
glitscher 23.06.2013
Zitat von sysopJetzt ist eine Sicherheitsdebatte entbrannt. [/url]
Schwachfug. Ich schaue das Rennen von Start weg, mit Außnahme von 6h während der Nacht bisher ohne Pause. Und wirklich KEINER hat bisher von Sicherheitslücken oder gar einer Sicherheitsdebatte gesprochen! Jeder dieser Profis ist sich der Gefahren bewusst. Absolut falsch und reißerisch, diese Überschrift...
2. Le Mans
metbaer 23.06.2013
Le Mans war schon immer eins der Rennen, das besonders gefährlich ist: Sehr hohe Geschwindigkeiten bei extremer Belastung der Fahrer, ein sehr großes Feld mit großen Geschwindigkeits- und auch Erfahrungsunterschieden (GT Am), dazu eine spektakuläre Strecke - Le Mans wird immer gefährlich sein. Klammert man aber mal den tödlichen Unfall aus, war dieses Jahr kein Unfall dabei, der sich besonders von dem abgehoben hätte, was man sonst so in Le Mans zu sehen bekommt. Es ist halt der Tanz auf der Rasierklinge im Motorsport: Geschwindigkeit vs Sicherheit. Auch wenn es jetzt aufgrund des Unfalls eine Debatte und Konsequenzen geben wird (berechtigterweise) - auch in Zukunft wird es schwere Unfälle und evtl. auch Todesopfer geben. Natürlich ist es richtig, geltende Sicherheitsstandards zu überarbeiten und/oder zu verbessern - auch in diesem Bereich profitiert der private Autofahrer von dem, was zunächst für die Strecken entwickelt wird - aber ausschließen können wir solche Unglücke nicht. Vermutlich ist die Gefahr einfach vielen Zuschauern nicht mehr so präsent, weil die 'Königsklasse' (glücklicherweise) jetzt seit fast 20 Jahren von einem Todesfall verschont wurde, aber der Sport bleibt weiter sehr gefährlich. Abseits vom Thema will ich eben ein Lob für die sehr gelungene Übertragung von Eurosport aussprechen! Danke, Jungs!! So macht es Spaß, Rennsport zu gucken - Kompetenz, Humor, Leidenschaft! Kein Vergleich zu den Formel 1-Übertragungen von RTL.
3. Das Risiko im Motorsport ist
whaleryda 23.06.2013
durchaus kalkulierbar, aber bestimmte Wagen haben bei Les Mans einfach nichts zu suchen. Mit einem aufgemotzten Straßensportwagen oder Tourenwagen mit den richtigen Rennsportmaschinen mitzufahren ist ein hartes Los. Es will ja keiner Letzter werden.
4. Die Physik überwindet niemand
cafe_kehse 23.06.2013
Ich bin auch ein Freund schneller Autos und besitze auch ein solches. Allerdings würde ich niemals die Grenzen der theoretischen Leistungsfähigkeit ausreizen. Man braucht sich nur mal die Videos in YouTube zur Nordschleife des Nürburgrings anzusehen, auf dem zwar Laien, aber doch Fahrgeübte ihre Autos zu Schrott fahren und z. T. schwer verunglücken. Wie die Geier warten die Zuschauer auf Unfälle und stellen die Videos ins Netz. Man sieht aber ganz deutlich, wie die Physik das Auto beherrscht und nicht umgekehrt. Ab einer bestimmten Geschwindigkeit ist das Auto nicht mehr beherrschbar, von keinem.
5. Bitte?
KnoKo 23.06.2013
Zitat von sysopIn Le Mans hat sich der nächste schwere Crash ereignet: Nach dem tödlichen Unfall des Dänen Allan Simonsen prallte wieder ein Aston Martin in die Leitplanken. Der Fahrer blieb offenbar unverletzt. Jetzt ist eine Sicherheitsdebatte entbrannt.
Eine Sicherheitsdebatte ist entbrannt? Wo denn? Also bis jetzt habe ich davon nichts mitbekommen. Der Artikel ist lediglich reißerischer Boulevard-Journalismus mit dem Ziel möglichst vieler Klicks.
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