New-Orleans-Saints-Quarterback Drew Brees Der unterschätzte Superstar

Zu klein, zu alt und dank seiner Spielintelligenz doch ein Weltstar. Nein, die Rede ist nicht von Philipp Lahm, sondern von Drew Brees. Der Saints-Quarterback kann jetzt zeigen, warum er besser ist als Tom Brady.

AP

Von Fabian Held


Am Sonntagabend kann sich Drew Brees das schmucke U.S. Bank Stadium schon einmal genau anschauen. Es ist Start und Ziel seiner Träume zugleich. In den Playoffs der NFL muss Brees mit seinen New Orleans Saints bei den Minnesota Vikings ran, denen der beeindruckende Neubau gehört. Das große Finale, der Super Bowl, wird ebenfalls dort gespielt.

Brees ist so ziemlich in jeder Kategorie der beste Passwerfer der Liga. Doch wenn Footballfans in Amerika und Deutschland über den GOAT (Greatest of all Time) diskutieren, fällt sein Name viel zu selten. Denn Brees' Karriere, die mit Superlativen gepflastert ist, hat einen großen Makel: Der 38-Jährige hat erst einen Super Bowl gewonnen.

Sein vielleicht größter Rivale um den Titel des absoluten Superstars ist Tom Brady. Der ist in den Augen vieler Beobachter spätestens seit der Aufholjagd im Super Bowl des vergangenen Jahres und dem fünften Sieger-Ring, der beste Football-Spieler der Geschichte. Doch ein genauerer Blick lohnt sich.

Zunächst einmal fällt auf: Mit 1,83 Metern ist Brees der kleinste Starting-Quarterback der Liga. Als Collegespieler hätte er heute kaum eine Chance in die NFL zu kommen - unter 1,95 geht da für gewöhnlich nichts. Dazu ist er kein besonderer Athlet, wie etwa Cam Newton. Brees' Stärken liegen woanders. "Er hat, neben einem Mörder-Arm, die Fähigkeit, eine Defence zu lesen, wie kaum ein anderer", sagt Jan Stecker, einst selbst Quarterback in der deutschen Football-Liga GFL und jetzt TV-Experte. "Er weiß schon, bevor der Spielzug losgeht, wo er hinwerfen will."

Drew Brees und Tom Brady im Vergleich, Karrierewerte

Drew Brees Tom Brady
NFL-Spiele 249 253
Passquote 66,9 Prozent 63,9 Prozent
Pass-Yards 70445 66159
Touchdown-Pässe 488 488
Interceptions 228 160
Passer-Rating 96,7 97,6
Super-Bowl-Siege 1 5

Quelle: NFL

70.455 Yards hat Brees in seiner Karriere geworfen - das sind, deutlich vor Brady, die drittmeisten der NFL-Geschichte. Sollte der 38-Jährige seinen auslaufenden Vertrag um noch ein Jahr verlängern, wonach es laut "ESPN" derzeit aussieht, würde er mit großer Wahrscheinlichkeit die Spitze übernehmen. Damit würde er die Legenden Peyton Manning und Brett Favre hinter sich lassen.

Die Präzision von Brees' Pässen ist bereits unerreicht. Er hat die historisch höchste Quote an Completions, angekommenen Bällen. "Brees kann Bälle so werfen, dass nur sein Mitspieler eine Chance hat ranzukommen", sagt Stecker. Normalerweise wird das Lederei auf Brusthöhe geworfen. Indem Brees die Bälle ein Stück zu hoch oder zu tief wirft, haben die Verteidiger kaum eine Möglichkeit, an den Ball zu kommen.

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Drew Brees: Der Philipp Lahm unter den Quarterbacks

Es gibt noch viele weitere Statistiken, die Brees glänzen lassen. Was allerdings das wahrhaft Beeindruckende an Brees ist: Er hat all das geschafft, obwohl er viele Jahre kaum gute Mitspieler hatte. Während Brady bei den New England Patriots mit Bill Belichick den vielleicht besten Football-Coach der Welt und dazu stets ein starkes Team um sich hat, wurde Brees oft alleingelassen.

Die Verteidigung der Saints gehört höchstens zum Mittelmaß, und das Laufspiel ist fast schon ikonisch schlecht. Das macht es für Brees besonders schwer, da das Spiel der Saints meist leicht ausrechenbar war. Und obwohl jeder wusste, was passieren würde, schaffte es Brees neun Jahre in Folge über 4000 Yards in einer Saison zu passen.

In dieser Saison ist allerdings alles ein bisschen anders. "Die Saints haben ein sehr ausbalanciertes Team", sagt Experte Stecker. Die beiden Running Backs Alvin Kamara und Mark Ingram stechen da etwas heraus: Zusammen haben sie über 3000 Yards für ihr Team erkämpft. Das hat vorher noch nie ein Duo auf ihrer Position geschafft.

Drew Brees und Tom Brady im Vergleich, aktuelle Saison

Drew Brees Tom Brady
Passquote 72 Prozent 66,3 Prozent
Pass-Yards 4334 4577
Touchdown-Pässe 23 32
Interceptions 8 8
Passer-Rating 103,9 102,8
Läufe 33 25
Lauf-Yards 12 28

Quelle: NFL

"Die Gegner müssen jetzt das Laufspiel verteidigen. Dafür brauchst du ein, zwei Leute zusätzlich", sagt Stecker: "Das ist dann die Chance für Brees". Klar: Wenn die Verteidigung an der Linie mehr Spieler braucht, um das Laufspiel zu unterbinden, fehlen diese Spieler, um Pässe zu unterbinden. Am Sonntag (22.25 Uhr, TV: ProSieben) kann Brees mit seiner Mannschaft den nächsten Schritt in Richtung Super Bowl gehen. Mit den Vikings wartet die beste Verteidigung der Liga auf die Saints.

Sollte es Brees mit seinen Saints tatsächlich in den Super Bowl schaffen, könnte er dort auf Brady treffen. Sonst kommt es nur selten zu einem direkten Aufeinandertreffen, da beide in unterschiedlichen Conferences spielen. Ein Sieg über Brady im Super Bowl und die GOAT-Diskussion würde neu entfacht. Es liegt alles an Brees' Arm.

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insgesamt 4 Beiträge
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Seite 1
no_reservations 14.01.2018
1. was
soll dieser direkter Vergleich von TB12 und Brees? Statistisch kann man sich da sicher Zahlen anschauen und vergleichen. K.O. Spiele und Titel sind aber doch eine gänzlich andere Sache. Nicht umsonst stellen US-Kollegen hier eher die Frage Brady oder Montana. Ohne Zweifel wird Brees in Canton seinen Platz finden. Einige Aussagen des Autors sind jedoch schlichtweg falsch. Brady gilt nicht ohne Grund als einer der besten oder der beste QB, weil sein Supporting Cast eben selten HOF Player enthalten hat. Moss, Gronk als ein paar Namen ausgenommen. NE zeichnet hingegen gerade aus, aus Noname Spielern stets Championship Teams zu formen. Etwas gründlichere Recherche das nächste Mal. Ja, Brees ist ebenfalls einer der besten QBs und wird in die HOF einziehen. Brady wird er trotzdem nicht übertreffen.
M. Vikings 14.01.2018
2. Ich teile die Einschätzung von no_reservations.
Des Weiteren denke ich nicht das ein Wild-Card Team das Finale erreicht, obwohl die Saints wohl das Stärkste sind. Das zusätzliche Spiel ist schon ein gehöriger Nachteil, wie Gestern bei den Falcons gesehen. Die wirkten einfach unkonzentriert und platt. Gegen die Vikings Defensive vor heimischen Publikum wird es für Brees, Kamara, Ingram & Co. sehr schwer. Ich hoffe die Vikings Offensive macht dann den einen Punkt mehr, der zum Sieg nötig ist. #BringItHome Skol Vikings
the_speaker 14.01.2018
3. alles klar
DB ist unbestritten ein extrem starker QB und verdient großen Respekt. Allerdings zeigt doch gerade der Vergleich der Karrierewerte, dass die Diskussion unnötig ist. Schaut man sich die wirklich relevanten Statistiken an (TD's, INT's, Rating und eben auch Super Bowl Siege, denn in jedem Sport geht es nun mal um Titel), ist Tom Brady eben doch deutlich vorne.
bigmitt 15.01.2018
4. Drew Brees....
...ist sicherlich einer der besten QBs allerzeiten. den GOAT Status kann imo nur Joe Montana inne halten. Dieser hat im Vergleich zu Brady keines seine Super Bowl Endspiele verloren. Die Diskussion ist ähnlich wie im Basketball. Lebron James oder Michael Jordan. Nun, Jordan hat eben nie eine Finalserie verloren.
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