NFL-Star Aaron Rodgers Dieser Mann ist 134 Millionen Dollar wert

In 13 Jahren bei den Green Bay Packers hat Aaron Rodgers nur einen Super Bowl gewonnen. Es gibt erfolgreichere Quarterbacks. Trotzdem ist Rodgers der bestbezahlte Footballer der Welt - zu Recht.

Aaron Rodgers
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Aaron Rodgers

Von Eike Hagen Hoppmann


Nur noch diese eine Chance. Januar 2016, Phoenix im US-Bundesstaat Arizona. Playoff-Viertelfinale in der NFL zwischen den Arizona Cardinals und den Green Bay Packers. Die Cardinals führten 20 zu 13, fünf Sekunden waren noch auf der Uhr. Die Packers brauchten einen Touchdown, um sich in die Verlängerung zu retten, waren aber erst an der 40-Yard-Linie des Gegners. Die Zeit reichte nur für einen letzten verzweifelten Wurf, eine sogenannte "Hail Mary" - ein Pass wie ein Stoßgebet, bei dem man die Unterstützung der heiligen Jungfrau Maria braucht, damit er ankommt.

Es war einer dieser Momente, die wie gemacht sind für Aaron Rodgers. Die Cardinals stürmten mit sieben Verteidigern auf den Quarterback der Packers zu. Rodgers hatte nur wenige Sekunden, um den Ball loszuwerden. Schon während der Ausholbewegung fiel er nach hinten, ein Verteidiger hatte ihn schon fast gepackt. Und trotzdem gelang es Rodgers, den Football über 50 Meter genau zu seinem Mitspieler in die Endzone zu werfen.

Es war einer der besten Würfe der NFL-Geschichte.

Zu dieser Episode gehört allerdings auch, dass die Packers das Spiel in der Verlängerung noch verloren. Rodgers stand da aber gar nicht mehr auf dem Feld. Die Cardinals entschieden das Spiel, bevor Green Bay in Ballbesitz kam. Auch das passt zur Karriere des Spielmachers, der ebenso bittere Niederlagen erlebte wie spektakuläre Siege. In der Nacht von Sonntag auf Montag (2.20 Uhr MESZ, TV: DAZN) starten die Packers mit dem NFL-Klassiker gegen die Chicago Bears in die neue Saison. Wie in jedem Jahr gelten sie als Anwärter auf die Playoffs - vor allem dank Rodgers.

NFL-Saisonvorschau im Video:

REUTERS/ USA Today Sports

Die spektakulärsten Rodgers-Momente

Der Spielmacher bringt in den entscheidenden Situationen die schwierigsten Bälle so selbstverständlich zum Mitspieler, wie es andere Quarterbacks nicht mal im Training können. Allein in den vergangenen drei Jahren gab es mehrere dieser besonderen Rodgers-Momente:

· Ein paar Monate vor dem Spiel gegen die Cardinals warf Rodgers beim "Motown Miracle" gegen die Detroit Lions im letzten Spielzug der Partie eine "Hail Mary" über 75 Meter zum Sieg.

· 2017 gelang Rodgers im Playoff-Spiel gegen die Dallas Cowboys mit drei Sekunden auf der Uhr ein spektakulärer Pass zu Jared Cook, der die Packers in Field-Goal Reichweite brachte - Green Bay gewann das Spiel.

· In der vergangenen Saison initiierte Rodgers im regulären Saisonspiel bei den Cowboys mit 72 Sekunden auf der Uhr einen letzten Drive von der eigenen 25-Yard-Linie bis zum entscheidenden Touchdown.

· Im Playoff-Spiel gegen die New York Giants 2017 brachte Rodgers zum Ende der ersten Hälfte ebenfalls einen "Hail-Mary"-Pass zum Mitspieler.

Manchmal wirken die Leistungen von Rodgers wie Magie. Diese herausragende Qualität hat sich der 34-Jährige nun bezahlen lassen. Ende August unterschrieb er einen neuen Vierjahresvertrag bei den Packers, der ihm jährlich 33,5 Millionen Dollar einbringen soll. Insgesamt also 134 Millionen Dollar. Damit ist Rodgers der bestbezahlte Spieler der NFL-Geschichte. "Ich freue mich, mit der Gewissheit in das 14. Jahr zu starten, das meine Zukunft hier in Green Bay sein wird", schrieb er in einem Post auf Instagram.

Demütigung zu Karrierebeginn

Dabei begann seine Profikarriere mit einem Rückschlag. Beim NFL-Draft 2005 galt Rodgers als einer der besten Quarterbacks des Jahrgangs und wurde als potenzieller Nummer-eins-Pick gehandelt. Aber Rodgers wurde nicht an erster Stelle ausgewählt. Nicht an zweiter, nicht an dritter, nicht an zehnter, nicht an zwanzigster Stelle. Erst an Position 24 sicherten sich die Packers die Rechte an ihm. Es war eine Demütigung. Bis heute ist unklar, warum Rodgers erst so spät gewählt wurde.

Heute ist Rodgers der beste Spieler der NFL. Viele Teams bereuen es, ihn 2005 ignoriert zu haben. Trotzdem gelten andere Quarterbacks als Anwärter auf den Titel des "GOAT" ("Greatest of All Time" - "der Größte aller Zeiten"). Das liegt vor allem daran, dass Rodgers in seiner Karriere erst einen Super Bowl gewonnen hat - 2011 gegen die Pittsburgh Steelers. Das ist ein Nachteil im Vergleich zu Tom Brady (fünf Meisterschaften), Joe Montana (vier) oder Peyton Manning (zwei).

Super Bowl Champion und MVP: Aaron Rodgers 2011
REUTERS

Super Bowl Champion und MVP: Aaron Rodgers 2011

Dass Rodgers nicht mehr Titel gewonnen hat, liegt aber nicht an ihm. Das Team um ihn herum war zuletzt wenig meisterlich. Als er sich in der vergangenen Saison das Schlüsselbein brach, verloren die Packers in seiner Abwesenheit vier von sieben Spielen. Mit Rodgers auf dem Feld hatten sie zuvor vier von fünf Partien gewonnen. Wie es sich für einen Weltklasse-Quarterback gehört, führt er das Team. Und es gelingt ihm, durchschnittliche Spieler wie Stars aussehen zu lassen.

Die Zeit wird langsam knapp

Als Brady 2016 wegen manipulierter Bälle für vier Spiele gesperrt wurde, gewannen die Patriots davon trotzdem drei. Der potenzielle "GOAT" ist also ersetzbar, weil er in der stärksten Mannschaft spielt. So ist zu erklären, dass Brady in den vergangenen Jahren einen Titel nach dem anderen sammelte, während Rodgers und die Packers in den Playoffs mehrfach auf dramatische Weise ausschieden. Seit sieben Jahren stand Green Bay nicht mehr im Super Bowl.

Rodgers ist jetzt 34. Sein Fenster schließt sich langsam. Um ihm eine weitere Meisterschaft zu ermöglichen, verpflichteten die Packers in der Offseason unter anderem den erfahrenen Tight End Jimmy Graham als weiteren Passempfänger für Rodgers. Mit einem gesunden Rodgers dürfte die Green-Bay-Offensive wieder zu den besten der Liga gehören. Aber die Defensive bereitet Sorgen. Insbesondere die Linebacker-Positionen sind dünn besetzt. Bei den Defensive Backs gibt es mit Ha Ha Clinton-Dix nur einen Spieler mit herausragender Qualität.

"Ich möchte meine Karriere in Green Bay beenden", hat Rodgers oft gesagt. Wenn er seinen zweiten Titel holen will, muss er es wohl allein richten.



insgesamt 13 Beiträge
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prince62 09.09.2018
1. Bleibt nur noch wenig für andere und vor allem sehr gute Spieler übrig
Was es wirklich bedeutet, daß die Packers Herrn Rodgers die ganzen Millionen geben ist nur das, daß man sich als mittelmäßiges NFL-Team auch in den nächsten Jahren durch die Saison quälenwird und das oberste ZIel die Play-Off Teilnahme sein wird, mehr ist nicht mehr drin, weil wg. Salary-Cup, also Gehaltsobergrenze keine bzw. nur wenige überdurchschnittliche Spieler verpflichtet werden können, schon letztes Jahr hat man ja in der eigenen Division gegen die Vikings den kürzeren gezogen, die mit einer fast namenlosen Mannschaft bis ins NFCFFinale gekommen sind.
schattengott 09.09.2018
2. Experte
Das sehe ich mal ganz anders - der ganze Artikel liest sich wie von einem großen AR Fanboy geschrieben. Der Autor macht es sich doch arg einfach, die ausbleibenden Titel zu erklären. Das die Pats in den letzten Jahren immer die stärkste Mannschaft gehabt haben sollen, wäre mir neu. Brady tut allerdings das, was der Autor von Rodgers behauptet: er lässt auch schwächere Spieler sehr gut aussehen. Und bei den 3 Spielen ohne ihn nach Deflategate sollte man auch erwähnen, dass mit Garopolo ein Ersatz da war, der bei den allermeisten Teams Starter wäre (aber dennoch nicht an Brady vorbei kam). Die 49ers haben überhaupt erst mit Montana angefangen, Titel zu gewinnen - von wegen "er war halt in der besten Mannschaft". Wenn Montana sich nicht so schwer verletzt hätte, wären es vermutlich auch noch mehr Titel gewonnen. Rodgers hingegen hat nur einen Titel, weil es für mehr eben nicht reicht. Diese Saison übrigens auch nicht...
M. Vikings 09.09.2018
3. Die Packers sind schwer einzuschätzen.
Da sie letzte Saison 9 Spiele auf Rogers verzichten mussten. Aber den Superbowl werden sie nicht erreichen, da lege ich mich mal fest. Die Konkurrenz in der NFC ist mit den Philadelphia Eagles, New Orleans Saints, Los Angeles Rams und den Minnesota Vikings wohl zu stark. Die einzelnen Mannschaftsteile dieser Teams halte ich für ausgewogener und insgesamt stärker.
Der Pragmatist 09.09.2018
4. Heuchelei
Wenn ein Football Spieler, der oftmals ein halber Analphabet ist und nicht vernünftig sprechen kann und dafuer ueber $100 million bekommt, wird er in den Himmel gelobt. Wenn ein Firmenchefs, der tausenden ein Gehalt zahlt und seinen Aktionären gute Dividenden genehmigt und dafuer die Haelfte an Gehalt eines Football Spielers bekommt, wird er von denselben Medien als Ausbeuter beschimpft. Irgendetwas stimmt mit Düsen Bild nicht.
johannes.steinel 09.09.2018
5. Die Extension war in der Tat grenzwertig.
Einerseits fehlt der Cap Space bei der weiterhin erforderlichen Verstärkung der Defense (Tom Brady kassiert 17 Mio weniger als Aaron Rodgers - er nimmt schon seit Jahren Rücksicht auf andere Positionen im Team). Andererseits hätten die Green Bay Packers ihm - wenn er denn insistiert hätte - auch 50 Millionen gezahlt. Einen Aaron Rodgers kann man nicht NICHT extenden. Alles in allem wohl fair und vom Preis-Leistungs-Verhältnis her ist der Vertrag wohl besser als die von Matthew Stafford, Matt Ryan, Kirk Cousins, Joe Flacco, und, ja, wohl auch besser als der von Jimmy G., obwohl ich mir nichts mehr wünsche als ein Revival der 49ers mit ihrem neuen Franchise QB.
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