Jubeln nach NFL-Vorschrift Gesetzliche Feiertage

Die NFL hat ihre Regeln gelockert, wie Touchdowns gefeiert werden dürfen. Und die Spieler nutzen ihre neuen Freiheiten: Bockspringen, Sackhüpfen und andere Kuriositäten stehen seither auf der Tagesordnung.

AFP

Einiges ist in der aktuellen Spielzeit der National Football League (NFL) gleichgeblieben: Wenn es brenzlig wird, rettet Quarterback-Star Tom Brady seine New England Patriots. Und den Cleveland Browns fällt es immer noch schwer, Spiele zu gewinnen. Einiges ist aber auch neu: Angeführt von ihren jungen Quarterbacks überraschen die Philadelphia Eagles und die L.A. Rams bislang die Liga. Und: Die Fans werden neuerdings mit einfallsreichen Jubeleinlagen unterhalten.

Gleich mehrere Teams sind besonders kreativ geworden, ein paar Beispiele: Bereits in der Saisonvorbereitung sprangen Spieler der Detroit Lions imaginär Seil. Am zweiten Spieltag lud Steelers-Wide-Receiver Martavis Bryant seine Teamkollegen in der Endzone zu einer Würfel-Partie ein. Die innovativsten Einlagen kamen bisher wohl von den Minnesota Vikings: Erst amüsierten sie die Zuschauer mit der US-Variante von "Der Plumpsack geht 'rum", ehe sie fünf Spieltage später ein Gruppenbockspringen aufführten. Konkurrenz bekamen sie dabei vor allem aus Kansas City, präsentierten die Chiefs Anfang November doch eine stattliche Sackhüpf-Pantomime.

Möglich macht den kreativen Wettstreit eine Regeländerung, die zu Saisonbeginn in Kraft getreten ist. Seit 1984 reguliert die Liga die Art, wie Footballer das Erreichen der gegnerischen Endzone zelebrieren dürfen. Damals hatten Spieler aus Washington mit einer einstudierten Jubel-Choreografie für Aufsehen gesorgt.

Doch nicht allen Gegnern gefiel das: Zwei Akteure der Dallas Cowboys störte das kollektive "High Five"-Ritual der Redskins. Daraufhin griffen Liga-Funktionäre ein und stuften derlei Feierlichkeiten als "ausschweifenden Jubel" ein. Wer fortan mit seinen Feiergesten den Rivalen verhöhnte oder beleidigte, das Spiel überdurchschnittlich lange verzögerte oder eingeübte Jubel-Gesten (in der Gruppe oder alleine) aufführte, wurde mit Geldstrafen und Spielsperren sanktioniert.

Was 1984 seinen Anfang genommen hatte, wurde 2006 nochmals gründlich spezifiziert: Die Verantwortlichen präzisierten die zuvor eher vagen Regelpassagen, einzelne Gesten wurden auf den Index gesetzt. Spieler durften keine Hilfsmittel (wie Handtücher, das Field-Goal-Gestänge oder den Ball) in ihre Triumphtänze mit einbeziehen, auch sich auf den Boden zu legen wurde unter Strafe gestellt. Wer dagegen verstieß, musste den nachfolgenden Kick-Off 15 Yards weiter hinten als üblich ausführen.

In Folge der Regulierung feierten zahlreiche Spieler Touchdowns tatsächlich mit gebremsten Emotionen. Allzu oft wurden die Regelkataloge der NFL aber missachtet. Die Konsequenz: Sanktionen stiegen in den vergangenen Jahren um ein Vielfaches. Seit 2012 verzehnfachten sich die Schiedsrichterstrafen für "unsportliches Verhalten" nach Touchdowns beinahe, stiegen von drei auf 29 im Jahr 2016. Die ausgesprochenen Strafgelder summierten sich am Ende der Vorsaison auf rund 330.300 US-Dollar, 2015 waren es noch rund 66.500 Dollar gewesen.

Für ihre rigiden Vorschriften erntete die Liga viel Kopfschütteln. Umso größer fiel dann die Vorfreude aus, als die NFL vor Beginn dieser Spielzeit entschärfte Feier-Regeln verabschiedete. Die Spieler und das Publikum danken es.

Fotostrecke

13  Bilder
Kreativer NFL-Jubel: Feier frei!


insgesamt 3 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
M. Vikings 19.11.2017
1. Schön das mit anzusehen.
Für die angesprochenen Teams gibt es auch allen Grund zu jubeln. Man muss die Feste feiern wie sie fallen. Die Eagles und die Rams mit ihren im zweiten Jahr spielenden jungen Quaterbacks, die in ihrer ersten Saison nicht gut gespielt haben. Die Vikings mit ihrem von den Rams aus purer Not geholten Quaterback, der letztes Jahr bei den Rams nicht gut gespielt hat. Alle Drei liefern dieses Jahr wirklich erstaunliche Leistungen ab. Diese drei Teams hatte vor der Saison fast niemand auf dem Zettel. Im Moment belegen sie im Power Ranking Platz 1, 3 und 6. Um 19.oo MEZ kommt es nun zum direkten Aufeinandertreffen der beiden Quaterbacks, die letztes Jahr noch Mannschaftskameraden bei den Rams waren. Jared Goff gegen Case Keenum. Los Angeles Rams at Minnesota Vikings. Bei dem Spiel ist alles möglich, und ich werde jetzt versuchen meine Aufregung mit den häuslichen Spielvorbereitungen zu verdrängen. Skol Vikings.
blueberryhh 19.11.2017
2. Das ist ja extrem albern
In der Fussball BL sind diese Jubel - Posen oft schon an der Grenze zum Lächerlichen - teilweise auch schon `drüber. Aber was da abgeht, schlägt an Peinlichkeit und Albernheit alles bei weitem!
bigmitt 19.11.2017
3. Der Artikel lässt...
...aussen vor das die Spieler auch eine Vorbildfunktion für Millionen von High School und College Spielern haben. Respektlosigkeiten wie einst von Terrell Owens ( der sich auf den Lone Star hat fallen lassen) gehörten zu Recht nicht geduldet. Die Liga ist sich sicher bewusst das Sie einen Balance Akt vollführt....die Zuschauer sollen / wollen unterhalten werden, es soll sportlich fair zu gehen und die Spieler sollen als Vorbilder herhalten. Bisher klappt es doch...und wenn einer wirklich zu weit geht dann soll die ( ausreichend hohe) Geldstrafe an einen guten Zweck gehen.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.