NFL-Team Jacksonville Jaguars Wer braucht schon einen Quarterback?

Er gilt als wichtigster Spieler im American Football: der Quarterback. Wie man auch ohne guten Spielmacher erfolgreich sein kann, zeigen derzeit die Jacksonville Jaguars in der NFL.

AP

Es ist nicht ganz klar, ob Doug Marrone einen Witz gemacht hat oder nicht. Der Cheftrainer der Jacksonville Jaguars sagte vor der Saison, seine Wunschvorstellung von einem Footballspiel sei es, die Partie durch das Laufspiel zu gewinnen - sein Quarterback solle "null Passversuche" unternehmen.

Dabei gehört Pässewerfen zu den Hauptaufgaben eines jeden Quarterbacks, auch in der amerikanischen Profi-Football-Liga NFL. Die Position des Spielmachers gilt als die wichtigste im American Football. Neben sicheren Pässen muss ein Quarterback die gegnerische Verteidigung lesen können, Spielzüge anpassen und innerhalb von Sekundenbruchteilen entscheiden, was zu tun ist, wenn es nicht nach Plan läuft.

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NFL-Playoffs: Läuft bei den Jaguars

Marrones Quarterback bei den Jacksonville Jaguars ist Blake Bortles. Er ist bei den Fans für seine Fehlpässe bekannt, die in den Armen des Gegners landen ("Interception"). Darauf spielte auch die Aussage von Marrone an. Doch obwohl die Quarterback-Position die Schwachstelle der Jaguars ist, hat es das Team das erste Mal seit 2007 wieder in die Playoffs geschafft und kämpft nun um den Einzug in den Super Bowl.

"Wir laufen ziemlich viel"

Jacksonville schafft es, die Schwächen auf der Quarterback-Position zu kaschieren, indem die Jaguars - gegen den Trend in der NFL - in der Offensive hauptsächlich auf Laufspielzüge setzen. So erzielen sie pro Spiel im Schnitt mehr als 140 Yards - Ligaspitze. "Wir laufen ziemlich viel, das ist kein Geheimnis", so Bortles. "Wir machen das, weil wir dabei einfach am effektivsten sind."

Effektiv sind die Jaguars auch in der Verteidigung: Kein NFL-Team lässt weniger Raumgewinn durch Pässe zu als Jacksonville (knapp 170 Yards pro Spiel). 21 Mal in 16 Spielen fingen die Verteidiger gegnerische Pässe ab und brachten ihr Team so in Ballbesitz. Dazu kommen noch sieben Touchdowns, die die Verteidigung erzielt hat - ebenfalls Ligaspitze.

Defense wins Championships

"Es kommt auf unsere Defense an", sagt Jaguars-Verteidiger Jalen Ramsey. "Mit einer guten Verteidigung gewinnt man Meisterschaften, das ist unser Motto. Wir wollen jede Woche die Last des Teams schultern und uns zum Sieg führen." Eine Aufgabe, die sonst eigentlich Quarterbacks zugeschrieben wird.

Für Spielmacher Bortles ist es die vierte NFL-Saison, er lief bisher immer für die Jaguars auf. In der vergangenen Saison warf er 23 Touchdowns und 16 Interceptions, in dieser Spielzeit sind es 21 beziehungsweise 13. Bortles hat im Vergleich zum Vorjahr den Ball jedoch fast 100 Mal weniger geworfen, bei gleichbleibender Erfolgsquote von 60 Prozent.

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NFL: Diese Teams wollen in den Super Bowl

"Ein paar Wochen lang war Bortles recht gut in Form", sagt Willie McGinest. Der frühere NFL-Profi bei den New England Patriots und den Cleveland Browns ist inzwischen als Experte tätig. "In den vergangenen zwei Wochen hat er sich aber wieder verschlechtert." Bortles treffe auf dem Feld oft die falsche Entscheidung. "Die reguläre Saison ist vorbei, jetzt sind Playoffs. Wenn dein Quarterback nicht liefert, bist du raus", so McGinest.

Vorbild Denver Broncos

Wer einen guten Spielmacher hat, hat Chancen auf die Meisterschaft. Auch deswegen gelten als Favoriten auf den Super-Bowl-Einzug zum Beispiel Tom Brady und seine New England Patriots oder Case Keenum und die Minnesota Vikings. Die Jaguars haben ein Verlierer-Image. In den vergangenen neun Jahren fuhr die Mannschaft aus Florida acht Mal mehr Niederlagen als Siege ein.

Doch die Jaguars haben Außenseiterchancen - auch, weil das Team an den Super-Bowl-Sieger der Saison 2015/2016 erinnert, die Denver Broncos. Der Klub hatte mit Peyton Manning einen namhaften Quarterback, der auf sein Karriereende zuging und Probleme mit seinem Wurf hatte. Trotzdem schafften es die Broncos bis in den Super Bowl.

Manning warf im Endspiel eine Interception, brachte nur die Hälfte seiner Pässe an und erzielte keinen einzigen Touchdown-Pass. Denver gewann das Spiel am Ende trotzdem - auch dank ihrer starken Verteidigung, die nur zehn Punkte zuließ und selbst einen Touchdown erzielte.



insgesamt 6 Beiträge
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Fishpool 07.01.2018
1. Das reicht nicht...
Bisher ganz ordentlich gelaufen bei den Jaguars. Glaube aber nicht, dass das Bestand hat oder für die Playoffs reicht. Um weiterzukommen muss jede Säule stimmen. Gegen die wieder erstarkten 49ers hatten die Jaguars in Woche 16 nie eine Chance. Die sind auch das beste Beispiel mit Jimmy Garoppolo, wie stark ein Top Quarterback die ganze Mannschaft mitnehmen kann. Und in Woche 17 gegen die Titans verloren. Also eher im negativen Momentum aktuell.
DJ Doena 07.01.2018
2.
"Mit einer guten Verteidigung gewinnt man Meisterschaften, das ist unser Motto" Das galt auch für den German Bowl vor ein paar Monaten. Auch wenn American Football in Deutschland bei weitem nicht auf NFL-Niveau ist, so ist es doch unterhaltsam. Und ohne ihre Defense hätten die Schwäbisch Hall Unicorns niemals nicht gegen die Braunschweig Lions durchgehalten. https://video.eurosport.de/american-football/sensation-perfekt-schwabisch-hall-unicorns-gewinnen-german-bowl_vid1007636/video.shtml
niederrheiner84 07.01.2018
3. Case Keenum?
Treffender Artikel zu den Jaguars. Keenum und die Vikings als Beispiel für die Wichtigkeit des Quarterbacks anzuführen, ist aber eher unpassend. Er hat eine sehr ordentliche Saison gespielt, keine Frage, ist aber noch kein etablierter Top-QB, da wären Pittsburgh mit Roethlisberger oder New Orleans mit Brees geeigneter gewesen. Minnesota lebt, wie die Jaguars, vor allem von seiner bärenstarken Defense. Bis man Keenum in die Kategorie der Elite-QB mit Brady, Big Ben oder Drew Brees zählt, muss er diese Leistungen erstmal über einen längeren Zeitraum bestätigen.
M. Vikings 07.01.2018
4. Für die Buffalo Bills könnte es reichen.
Es ist ja nun nicht so, dass auf dem Weg nur verteidigungsschwache Teams lauern. Und solche Verteidigungen überwindet man nicht, wenn man nur auf das Laufspiel setzt und aus mangelnden Fähigkeiten das Passspiel vernachlässigen muss. Darauf können sich Top-Teams ziemlich gut einstellen. Den Vergleich mit den Broncos halte ich auch für sehr gewagt. Und was Experten im Sport Wert sind haben wir gestern Abend/Nacht gesehen. In großer Mehrzahl haben sie beide Spiele falsch getippt. Ich allerdings auch, aber ich verdiene mein Geld damit nicht und trete auch nicht vor einem Millionenpublikum auf. Meine Einschätzung ist, wenn es heute Abend gegen die Buffalo Bills reicht, ist dann in Pittsburgh der Weg für die Jacks beendet.
bigmitt 07.01.2018
5. Ein jeder Coach...
...in der NFL würde am liebsten nur den Ball laufen anstatt zu werfen. Das hat mit der Risikomininierung zu tun (weniger Ballverluste) und mit Ballbesitz . Die Strategie kann aufgehen , als Beispiel sind die Ravens zu nennen bei denen gleich 2 Titel mit eher durchschnittlichen Quarterbacks ( Trent Dilfer, Joe Flacco) gewonnen wurden. Beide hatten den Gameplan Fehler zu vermeiden, das Spiel managen und die Defense sowie Special Teams das Spiel gewinnen zu lassen.
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