Niederlage vor Gericht Millionenstrafe für Armstrong wird wahrscheinlicher

Es geht um rund 100 Millionen Euro: Lance Armstrong wollte eine Klage der Regierung auf Rückzahlung von Sponsorengeldern verhindern, ein US-Bundesgericht wies seinen Antrag jedoch ab. Nun könnte es teuer werden für den Dopingsünder.

Dopingsünder Armstrong: Nächste Niederlage vor Gericht
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Dopingsünder Armstrong: Nächste Niederlage vor Gericht


Hamburg - Lance Armstrongs Karriere war oberflächlich betrachtet ein modernes Sportmärchen. Es ging von Gipfel zu Gipfel, von Sieg zu Sieg. Irgendwann ging es nur noch bergab - und von Niederlage zu Niederlage. Der jüngste Schlag gegen den früheren Radsportler kam nun von einem US-Bundesgericht. Dieses wies den Einspruch der Armstrong-Anwälte ab. Damit kann der Schadensersatzprozess stattfinden.

Laut US-Richter Robert Wilkins sei die Anklageschrift, die die Regierung und der frühere Teamkollege Floyd Landis vorgebracht haben, "voll von Vorwürfen, dass Armstrong vom Doping wusste und dass er Falschaussagen tätigte, um das Doping und die damit einhergehende Schuld zu vertuschen, die sich daraus ergeben hätte, wenn die Regierung davon gewusst hätte."

Das US-Justizministerium verklagt den texanischen Dopingsünder auf die Rückzahlung von Sponsorengeldern in Millionenhöhe. In der Anklageschrift der Behörden, in der auch der frühere US-Postal-Teamchef Johan Bruyneel eingebunden ist, heißt es: Armstrong, 42, habe sich "unrechtmäßig bereichert". Der Fahrer habe die Bedingungen des Sponsors durch systematisches Doping verletzt.

"Der Strafantrag ist opportunistisch und unaufrichtig", hatte Armstrong-Anwalt Elliott Peters gekontert. "US Postal profitierte enorm vom Sponsoring. Das belegen die eigenen US-Postal-Studien schlüssig." Diese hätten gezeigt, dass das Unternehmen von 2001 bis 2004 mindestens 139 Millionen Dollar (knapp 107 Millionen Euro) durch die weltweite Präsenz des Markennamens eingenommen habe. Nach dem Urteil am Donnerstag (US-Zeit) gab es zunächst keinen Kommentar der Armstrong-Verteidigung.

Mögliche Schadenssumme von knapp 100 Millionen Euro

Das staatliche Unternehmen US Postal zahlte als Hauptsponsor von 1998 bis 2004 rund 40 Millionen Dollar für die Namensrechte am Armstrong-Team. Davon seien rund 17 Millionen an den Kapitän geflossen, der in dieser Zeit sechs seiner insgesamt sieben Tour-de-France-Erfolge einfuhr. Im Januar 2013 hatte Armstrong nach jahrelangem Leugnen Doping gestanden.

Wird Armstrong schuldig gesprochen, kann das Gericht die Schadenssumme verdreifachen. Derzeit wird Armstrongs Vermögen auf 45 bis 85 Millionen Euro taxiert. Zuletzt soll er nach übereinstimmenden Medienberichten sein luxuriöses Anwesen im texanischen Austin verkauft haben. Der Verkehrswert der Villa im spanischen Stil mit einer Grundfläche von knapp 6900 Quadratmetern habe 7,6 Millionen Euro betragen.

Anfang 2013 hatte der ehemalige Armstrong-Teamkollege Landis, der 2006 des Dopings überführt wurde, seinen Exkapitän verklagt. Der 37-Jährige wirft Armstrong Betrug an Steuerzahlern und der Regierung vor. Das US-Justizministerium schloss sich der Klage an. Wohl auch deshalb, weil die Behörde gute Erfolgsaussichten sieht.

Doch nicht nur die Regierung prüft Regressforderungen an Armstrong. Sponsoren und ehemalige Partner wollen Armstrong ebenfalls zur Kasse bitten. Auch ein Prozess wegen Meineides steht weiter im Raum.

Zudem fordert der US-amerikanische Versicherungsgesellschaft SCA Promotions knapp 9,2 Millionen Euro von Armstrong. Das Unternehmen aus Dallas hatte sich geweigert, 5,8 Millionen Euro für den Gewinn seines sechsten Sieges bei der Frankreich-Rundfahrt 2004 an Armstrong zu überweisen. Es kam zum Prozess, in dem Armstrong schwor, keine leistungssteigernden Mittel eingenommen zu haben. Das Gericht glaubte damals dem Exprofi. SCA musste letztendlich 7,5 Millionen Dollar (rund 5,5 Millionen Euro) zahlen.

In diesem Verfahren hatte Armstrong Anfang Juni unter Eid ausgesagt und mutmaßlich Hintermänner genannt. Auch hier war er zunächst gegen die Klage vorgegangen. Auch hier erfolglos.

fpf/rtr/dpa



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