Tennis-Preisgelder Djokovic hält nichts von Gleichberechtigung

Wenn es um Preisgelder im Tennis geht, heißt es immer noch: Advantage Männer. Der Weltranglistenerste Novak Djokovic findet das in Ordnung, schließlich habe das Damentennis auch weniger Fans.

Novak Djokovic
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Gleichberechtigung im Tennis ist laut Novak Djokovic eine "sehr delikate Angelegenheit". Der "Guardian" zitierte den Serben kurz nach seinem Triumph beim Turnier in Indian Wells. Demnach verdienten die weiblichen Tennisprofis "Respekt und Bewunderung, für das, was sie tun", aber die Männer würden immer noch mehr Zuschauer anziehen - und sollten deshalb auch mehr verdienen.

Djokovic legte damit in einer Diskussion nach, die der Turnierdirektor von Indian Wells, Raymond Moore, mit seinen Statements ausgelöst hatte. "Wenn ich eine Spielerin wäre, würde ich jeden Abend auf die Knie gehen und Gott dafür danken, dass Roger Federer und Rafael Nadal geboren wurden. Denn die haben diesen Sport getragen", hatte Moore in einem Zeitungsinterview gesagt. Die internationale Vereinigung der Tennisspielerinnen, WTA, befände sich laut Moore lediglich "im Schlepptau der Männer" und würde keine eigenen Entscheidungen treffen.

Djokovic hatte Moore zunächst noch zur Fairness ermahnt, schwenkte dann aber um. In die aktuelle Debatte wolle er sich eigentlich nicht einmischen, so der 28-jährige Djokovic, er habe schließlich "wahnsinnigen Respekt" vor den weiblichen Spielerinnen, er sei von Frauen umgeben und sei "sehr froh, mit einer verheiratet zu sein". Frauen, so ließ der Experte Djokovic noch wissen, müssten eine Menge durchmachen, "was uns erspart bleibt. Hormone und so".

Er wisse, dass die WTA in den vergangenen Jahren vor allem um die Anpassung der Preisgelder für Männer und Frauen gekämpft habe. "Davor ziehe ich meinen Hut, das tue ich wirklich", sagte Djokovic: "Andererseits sollte unsere Vereinigung, die ATP, dafür kämpfen, dass wir mehr bekommen, weil die Statistiken zeigen, dass wir viel mehr Zuschauer haben. Die Frauen sollen dafür kämpfen, was sie für angemessen halten, und wir sollten dafür kämpfen, was wir für angemessen halten."

Serena Williams, die im Damenfinale in Indian Wells gegen die Weißrussin Victoria Azarenka verloren hatte, hatte zu Moores Äußerungen gesagt: "Wir Frauen sind einen langen Weg gegangen und sollten niemals vor irgendjemandem auf die Knie fallen. Wenn ich Ihnen sagen sollte, wie oft ich täglich von Leuten angesprochen werde, die mir erzählen, dass sie nur Tennis gucken, wenn meine Schwester Venus oder ich spielen - ich könnte Ihnen nicht einmal die genaue Zahl nennen."

Serena Williams hat in ihrer Karriere 69 Einzeltitel gewonnen, davon 21 bei den Grand-Slam-Turnieren. Hinzu kommen 22 Turniersiege im Doppel. Djokovic hat 62 Einzeltitel gewonnen, davon elf bei den Grand-Slam-Turnieren. Hinzu kommt ein Turniersieg im Doppel. Serena Williams hat in ihrer Karriere an Preisgeldern laut der WTA-Homepage 75.862.106 Dollar gewonnen, Djokovic kommt auf 97.171.248 Dollar.

luk



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insgesamt 50 Beiträge
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Seite 1
doke969 21.03.2016
1. Falscher Titel
Der Titel ist falsch. Der Djoker hat absolut nichts gegen Gleichberechtigung sondern gegen Kommunismus.
utib 21.03.2016
2. Gleichberechtigung ja, wenn
die Damen auch wie die Herren 5 Sätze spielen müssen, sonst nicht.
Atheist_Crusader 21.03.2016
3.
Da hat er nicht ganz Unrecht - immerhin ist Profisport in erster Linie mal Unterhaltung. Und wenn etwas weniger beliebt ist, dann macht es auch weniger Geld. Aber: Wenn man NUR mit diesem Gedanken da herangeht, dann sind die Chancen gering, dass sich das ändern wird. Wenn man etwas anständig promoted und nicht in der zweiten Reihe vergammeln lässt - "Weil will ja eh keiner" - dann kann es auch ein größeres Publikum anziehen. Dass die internationale Vereinigung der Tennisspielerinnen da keine eigenen Entscheidungen treffen will, finde ich an der Stelle weit weniger problematisch als die Tatsache, dass man es überhaupt als nötig ansah, diese Vereinigungen nach Geschlechtern zu trennen.
makromizer 21.03.2016
4.
Man könnte ja statt nach Männern und Frauen auch einfach nach Zuschauern bezahlen, halte ich für sinnvoller, als es am Geschlecht festzumachen. Wenn Frauen weniger bekommen, weil sie Frauen sind, ist das schon ziemlich problematisch. Aber wenn sie weniger bekommen, weil sie weniger Umsatz generieren, sehe ich dabei kein Problem.
wi_hartmann@t-online.de 21.03.2016
5. Tennis
Die Vermarktung von Tennis bestätigt die Ansicht vonDjokovic. Nachdem die Sisters aus den USA die Fernsehzuschauerin Massen von den Bildschirmen vertrieb, blieb nur nochdas Herrentennis übrig. Die Nachfrage bestimmt den Preis.
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