Olympia 2008 China schickt bestellte Beifallklatscher auf Tribünen

Sie tragen alle Gelb und jubeln frenetisch: Damit bei Olympia trotz halbleerer Zuschauerränge Stimmung aufkommt, schickt China jetzt Claqueure auf die Tribünen. Die Freiwilligen applaudieren für alle Seiten - und müssen weichen, wenn doch jemand mit bezahltem Ticket kommt.


Peking - Bei manchen Wettkämpfen dominiert auf der Zuschauertribüne eine auffällige Farbe: Gelb. Reihenweise sitzen gelbgewandete Menschen auf den Rängen und jubeln frenetisch. Sie tun das nicht aus Enthusiasmus: Im Kampf gegen leere Plätze bei den Olympischen Spielen in Peking setzen die Organisatoren bestellte Claqueure ein.

Fähnchen schwingen für die Atmosphäre: Claqueure bei den Softball-Wettbewerben
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Fähnchen schwingen für die Atmosphäre: Claqueure bei den Softball-Wettbewerben

Bei den in gelbe Hemden gekleideten Gruppen von Zuschauern handle es sich um Olympia-Freiwillige, sagte Bocog-Generalsekretär Wang Wei am Dienstag. "Sie sollen beiden Seiten applaudieren, um eine gute Stimmung zu schaffen." Wenn doch noch jemand kommt, der eine bezahlte Karte hat, dann kann der Helfer wieder gehen.

Im Hockey-Stadion werden leere Zuschauerplätze mittlerweile mit Arbeitern besetzt, die T-Shirts mit der Aufschrift "Cheering from Beijing Workers" tragen.

Gleichzeitig sind Schwarzmarkthändler vor dem Olympia-Gelände aufgetaucht, die zu stark überteuerten Preisen Karten anbieten, wie Wang einräumte. Gegen die werde das Olympia-Komitee vorgehen.

Trotz restlos ausverkaufter Karten bleiben viele Ränge bei den Wettkämpfen leer. "Wir sind besorgt, dass die Stadien nicht gefüllt sind", sagte Wang. Manche Sitze seien für die Funktionäre reserviert. "In den Vorkämpfen bleiben manche Leute fern, das ist verständlich." Auffällig war der Einsatz der Claqueure unter anderem beim Frauen- Radrennen am Sonntag, als lange Reihen identisch gekleideter Zuschauer jubelten.

Um mehr freiwillige Zuschauer auf das Olympia-Gelände zu locken, wollen die Organisatoren die Zugangsbeschränkungen leicht lockern. An freien Zugang ist nicht gedacht. Ausländische Peking- Touristen sollen aber über Reisebüros Zutrittskarten erwerben können, Chinesen über örtliche Organisationen. "Es waren bisher nicht genug Leute auf dem Olympia-Gelände", sagte Wang. "Wir werden mehr Leute ermuntern, auf das Gelände zu kommen."

ler/dpa



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