Olympia 2008: Deutscher Springreiter wegen Dopingverdachts gesperrt

Schwere Vorwürfe gegen das deutsche Reiterteam: Christian Ahlmann wird der Olympischen Spiele verwiesen - weil nach Tests an seinem Wallach Cöster eine verbotene Substanz gefunden wurde.

Hamburg - Springreiter Christian Ahlmann ist von den olympischen Reiterspielen in Hongkong suspendiert worden. Bei seinem Wallach Cöster wurde bei einer Medikationskontrolle am 17. August die Substanz Capsaicin nachgewiesen. Capsaicin fördert die Durchblutung in schmerzenden, verhärteten Muskeln und lindert damit Muskelschmerzen und Muskelverspannungen.

Springreiter Ahlmann: Von den Olympischen Spielen ausgeschlossen
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Springreiter Ahlmann: Von den Olympischen Spielen ausgeschlossen

Das teilte das Legal Departement der Internationalen Reiterlichen Vereinigung (Fei) dem Generalsekretär der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN), Hanfried Haring, mit. Ahlmann wurde mit sofortiger Wirkung von den Olympischen Spielen ausgeschlossen und darf damit nicht am olympischen Finalspringen am Donnerstagabend teilnehmen.

Den 33-jährigen Doppel-Europameister von 2003 trifft damit eine neue Regel der Fei, der zufolge die Reiter schon nach einer positiven A-Probe vom Wettkampf auszuschließen sind. Am Freitag soll um 10 Uhr im Veterinärlabor von Hongkong die B-Probe geöffnet werden. "Die Beschleunigung des Verfahrens, das international unter besonderer Mitwirkung der Deutschen Reiterlichen Vereinigung ins Leben gerufen wurde, ist genau richtig", sagte Haring. "Wir werden seitens der FN alle Möglichkeiten ausschöpfen, um den Fall aufzuklären." Am Freitagvormittag soll es zu einer Anhörung der Fei mit Ahlmann und dem deutschen Delegationsleiter Reinhardt Wendt kommen.

Wie Björn Nolting, Tierarzt der deutschen Mannschaft mitteilte, handelte es sich bei der Substanz Capsaicin um ein Extrakt der Chilischote, das zur oberflächlichen Behandlung auf der Haut angewendet werden könne. "Es hat in erster Linie einen durchblutungsfördernden Effekt", sagte Nolting. Ahlmann belegte beim olympischen Turnier mit der Mannschaft im Springreiten einen enttäuschenden fünften Platz.

Wenige Stunden vor dem Finale wurde in Hongkong der Verdacht weiterer positiver Medikationsfälle laut, nachdem bekannt wurde, dass vier weitere Reiter auf der Startliste fehlen, die sich fürs Finale qualifiziert hatten. Dabei handelt es sich um den bis dahin führenden Norweger Tony Andre Hansen mit Camiro, den US-Amerikaner Will Simpson mit Carlsson vom Dach, den Iren Denis Lynch mit Lantinus und den Brasilianer Bernardo Alves mit Chupa Chup. Der Mexikaner Antonio Chedraui war zuvor bereits am Mittwoch aus dem Wettbewerb genommen worden, nachdem es bei seinem Pferd Don Porfiro Auffälligkeiten gab.

Bereits bei den Olympischen Spielen 2004 wurde beim Pferd Goldfever des deutschen Springreiters Ludger Beerbaum der Wirkstoff Betamethason entdeckt. Das Glucocorticoid war in einer Salbe, mit der ein Ekzem an Goldfevers Fesselbogen behandelt wurde. Im September 2005 wurde das Paar Beerbaum/Goldfever vom Internationalen Sportgerichtshof Cas endgültig disqualifiziert, die deutsche Mannschaft musste ihre Goldmedaillen zurückgeben.

jar/sid

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