Hamburg - Die deutschen Dressurreiterinnen sind erneut Team-Olympiasieger. Heike Kemmer auf ihrem Pferd Bonaparte, Nadine Capellmann mit Elvis und Isabell Werth mit Satchmo setzten sich in Hongkong gegen das niederländische Trio durch. Dänemark gewann die Bronzemedaille.
Die überragende Werth ritt die entscheidenden Prozentpunkte in der Wertung heraus, um im Dauer-Duell mit den Niederlanden erneut zu gewinnen und die längste Erfolgsserie der olympischen Geschichte zu verlängern. Es war der insgesamt zwölfte Olympiasieg einer deutschen Dressur-Mannschaft. In dieser Disziplin ist Deutschland seit dem zweiten Platz in München 1972 bei Olympia ungeschlagen. Insgesamt gab es seitdem acht Goldmedaillen. Einzige Ausnahme bilden die Boykottspiele 1980 in Moskau.
"Dieses Pferd lässt einen gut aussehen. Wir sind superfroh, dass wir es trotz aller Unkenrufe geschafft haben", sagte Werth: "Jetzt die fünfte Goldmedaille, das ist etwas Besonderes." Die 39-Jährige, die auch in der Einzelwertung vorne liegt, feierte mit dem Erfolg den fünften Olympiasieg ihrer Karriere. Zudem gewann sie bisher noch zwei Silbermedaillen.
Dass es in Hongkong zwischenzeitlich noch ein wenig knapp wurde, lag an Capellmann. Im Sattel von Elvis brachte sie als zweite Reiterin nach Kemmer zwar das deutsche Team in Führung, erreichte aber nur 70,083 Prozent und verpasste die Vorentscheidung. "Da waren ein paar doofe Flüchtigkeitsfehler dabei", klagte Bundestrainer Holger Schmezer und sagte mit einiger Ironie: "Für die Spannung ist das gut." Auch Capellmann war unzufrieden mit ihrem Ritt mit ihrem zwölfjährigen Hannoveraner-Wallach. "Das, was wir uns vorgenommen haben, hat nicht ganz geklappt", analysierte sie ihren Auftritt. Vor allem bei den Piaffen zeigte die Doppel-Weltmeisterin von 2002 mit Elvis Schwächen. "Am Anfang hat der Pfiff gefehlt", gab sie zu: "Bei mir hätte es besser laufen können, so zwei, drei Prozentpunkte besser."
Vor dem entscheidenden Ritt war sich Capellmann aber trotz der für sie enttäuschenden Prozentzahl sicher: "Isabell wird es schon richten." Und so kam es auch, zumal sich die Niederländerin Anky van Grunsven nach ihrer Vorstellung auf Salinero mit 74,750 Prozent zufriedengeben musste. "Die holen das Gold" prophezeite van Grunsven schon vor dem letzten Starter. Zu ihrer eigenen Darbietung sagte sie, dass "Salinero heute aufgeregt war. Es war nicht der lockerste Ritt von uns beiden." Unzufrieden war sie außerdem mit der Einzelnote eines ungarischen Wertungsrichters: "Das war echt zu wenig."
Durch die Ergebnisse während des laufenden Jahres und durch den Sieg bei der Europameisterschaft 2007 in Turin waren die Niederländer sehr selbstbewusst angereist. "Es ist schon ein bisschen enttäuschend", gab van Grunsven zu, die zuletzt zweimal Einzel-Gold in Sydney und Athen gewonnen hatte: "Wir haben definitiv mehr erwartet."
Bereits im Vielseitigkeitsreiten hatten die Deutschen Gold im Mannschafts- und Einzelwettbewerb gewonnen. Mit der siebten Goldmedaille rückt Deutschland auf Platz drei im Medaillenspiegel hinter China und den USA vor.
all/sid/dpa
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