Sprintlegende Bolt Und jetzt?

Usain Bolt ist das "Double-Triple" gelungen, zweimal hintereinander gewann er drei Sprint-Goldmedaillen bei Olympischen Sommerspielen. Der 25-Jährige hat sich selbst Legendenstatus verliehen. Nun muss er entscheiden, ob und wie er weitermacht.

Aus London berichtet

REUTERS

Usain Bolt, selbsternannte Legende des olympischen Sports, hat auch seinen dritten und letzten Auftritt in London perfekt gemeistert. Mit seinen jamaikanischen Kollegen Nesta Carter, Michael Frater und Yohan Blake raste er in der Sprintstaffel zu Gold und neuem Weltrekord (36,84 Sekunden) vor den USA und Trinidad und Tobago. Damit schaffte Bolt als erster Leichtathlet überhaupt das "Double-Triple", den zweifachen Dreier: Er gewann wie 2008 in Peking die Sprintstrecken über 100 und 200 Meter und die Staffel.

"Der Staffelsieg", sagte Bolt, "ist mir der wichtigste. Das war das wunderbare Ende einer wunderbaren Woche." Wie schon bei seinen vorangegangenen Läufen ließ die Bolt-Show das Olympiastadion von London brodeln - aber Sieger der Herzen war am letzten Abend der Leichtathletik-Wettbewerbe ein anderer: Mohamed Farah, geboren in Somalia, aufgewachsen in London, gewann als sechster Läufer in der olympischen Geschichte das Langstrecken-Doppel über 10.000 und 5.000 Meter. Das beeindruckte nicht nur die 80.000 Zuschauer: Die Regie änderte die Reihenfolge der Siegerehrungen; die Sprinter, die als Letzte gelaufen waren, erhielten als Vorletzte die Medaillen. Die Abschlusszeremonie des Abends aber galt Farah.

Rogge kritisiert Bolt für seine Auftritte

Bolt hatte kein Problem damit. Er mag Farah, die beiden werden vom selben Management betreut. Also posierten sie anschließend gemeinsam auf dem Podium: Der 29-jährige Farah gab den "Lightning Bolt". Bolt, vier Jahre jünger, machte den so genannten "Mobot", eine Siegergeste, die in einer Fernsehshow für Farah kreiert worden war.

Zwei Posen, zwei Sieger, ein erreichtes Ziel. "Ich finde keine Worte für das, was hier passiert ist", sagte Farah - und pries Bolt: "Einen wie ihn werden wir vielleicht nie wieder sehen. Er ist eine Legende." Das sagt Bolt von sich selbst seit Tagen: "I am a legend."

Gegenwind bekam er dabei ausgerechnet von Jacques Rogge, dem Präsidenten des Internationalen Olympischen Komitees (IOC). Der behauptete, Bolt sei noch keine Legende, ihm fehlten einige Olympiateilnahmen. Rogge hatte Bolts Schauspielereien schon vor vier Jahren in Peking kritisiert. Darauf angesprochen wurde Bolt plötzlich ganz ernst, absolut untypisch für ihn. "Ich möchte mit einer Frage antworten", sagte er: "Was soll ich noch machen, um in Rogges Augen eine Legende zu werden? Ich bin zweimal Dreifach-Olympiasieger geworden, ich war Weltmeister, bin viele Weltrekorde gelaufen. Wenn Sie Rogge das nächste Mal treffen, dann fragen Sie ihn, was Usain noch machen soll."

Wie lange muss sich das "Biest" noch im Zaum halten?

An drei oder vier Olympischen Spielen müsse er teilnehmen, hatte Rogge gesagt. Ob Bolt 2016 in Rio de Janeiro noch einmal antritt, ist aber fraglich. Am 21. August 2016, am Tag der Schlussfeier in Rio, hat Bolt 30. Geburtstag. Zu alt? Darüber hat er in London einige Male gesprochen. Jetzt werde er feiern und genießen und sich den Fans auf den letzten Meetings der Saison, unter anderem in Brüssel und Zürich, als "lebende Legende" präsentieren. Erst danach wolle er sich über die Zukunft Gedanken machen.

Sein Trainingspartner Yohan Blake, der ihn bei den Olympia-Ausscheidungen in Kingston zweimal geschlagen hatte, ist vier Jahre jünger. Bolt hat Blake vor einiger Zeit gesagt: "Junge, du bist Klasse, aber du kommst zur falschen Zeit. Zwei Jahre bin ich hier noch der Chef." Zwei Jahre gehen schnell vorbei. Blake gewann - jeweils hinter Bolt - zweimal Silber, und mit Bolt Gold in der Staffel. Auch er zeigte gegenüber seinem Landsmann Respekt und erklärte wohl tausendmal, dass Bolt, ja was schon, "eine lebende Legende" sei. Blake hat sich selbst den Kampfnamen "The Beast", das Tier, gegeben. "Das Tier kann warten", sagte er: "Aber nicht zu lang."

Die nächste große Bolt-Show findet bei der Weltmeisterschaft 2013 in Moskau statt. Dann gewiss noch mit allen Hauptdarstellern: Blake, Bolt, Farah. 2016 in Rio aber könnte es sein, dass Blake allein auf die Bahn geht, dass Farah schon Marathon läuft und Usain Bolt seinen liebsten Beschäftigungen nachgeht: Faulenzen, Chillen und In-der-Hängematte-Liegen.

Oder doch das "Triple-Triple"? Dann müsste auch ein Rogge an die Legende glauben.

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insgesamt 33 Beiträge
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Björn Borg 12.08.2012
1. Zweifel
Vorsicht bei dem selbstverliehenen Kultstatus: Warten wir mit dem Kult bis 2016. Solange können die Dopingproben ausgewertet werden.
BlakesWort 12.08.2012
2.
Yohan Blake sollte auf jeden Fall dieses lächerliche "Beast"-Schauspiel lassen. Der Blitz von Bolt ist passend, aber Blake sieht bei seiner Hampelei aus wie Michael "Bully" Herbig als kriegsbemalte 'Indianertucke' in "Der Schuh des Manitu". 30 Jahre ist nicht zu alt für einen Sprinter. Eventuell zu alt für den schnellsten Sprinter der Welt, aber auch Blake muss sein Niveau halten.
regensommer 12.08.2012
3. keine sorgen
Über Rogge würde ich mir keine Sorgen machen. Er ist lediglich Chef einer Organisation, die in Sachen Intransparenz der FIFA in nichts nachsteht. Es ist schlicht egal was so ein Mann denkt, der hat einfach nicht die moralische Kompetenz über andere zu urteilen.
bfr123 12.08.2012
4. Ach die Funktionäre..
Zitat von sysopREUTERSUsain Bolt ist das "Double-Triple" gelungen, zweimal hintereinander gewann er drei Sprint-Goldmedaillen bei Olympischen Sommerspielen. Der 25-Jährige hat sich selbst Legenden-Status verliehen. Nun muss er entscheiden, ob und wie er weiter macht. http://www.spiegel.de/sport/sonst/0,1518,849590,00.html
Vielleicht sollte Herr Rogge mal versuchen 100m überhaupt zu Fuß zu laufen und nicht von einer Limousine gefahren zu werden, bevor er sich zu solchen Aussagen versteigt. Klar, Mr Bolt hat eine große Klappe - na und! Er hat sportlich einzigartiges geleistet und er ist der erste mit diesem Triple. Lasst ihn feiern, chillen, Millionen verdienen. Er hat es verdient! Bei den lieben Funktionären hingegen bin ich mir nicht so sicher was sie eigentlich verdient haben..
Tom Joad 12.08.2012
5. Legende?
Zur Legende kann man wohl kaum ernannt werden und sich erst recht nicht selbst ernennen. Darüber entscheidet die "Nachwelt". Und noch - ungefragt - meine Meinung zu Usain Bolt: Es ist herrlich, ihn laufen zu sehen. Großartig! Leider zerstört er diese schönen Sportmomente regelmäßig selbst durch seine albernen Show-Auftritte.
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