Olympia-Schlussfeier in London Großbritanniens goldene Spiele

Es wimmelte nur so vor britischen Flaggen, Bands und Supermodels: Mit einer gutgelaunten Open-Air-Party hat sich London von den Olympischen Spielen verabschiedet. Die Schlussfeier präsentierte das Land als Großmacht des Pop. Dank Olympia hat es einen neuen Nationalstolz gewonnen.

AFP

Die "beste After-Party der Welt" hatte Kim Gavin angekündigt. Und der künstlerische Leiter der Olympia-Schlussfeier in London gab sich alle Mühe. Er knüpfte da an, wo die verrückte Eröffnungsfeier von Danny Boyle aufgehört hatte.

Die dreistündige Veranstaltung am Sonntagabend war zwar weniger spektakulär als Boyles Meisterwerk. Alles war eine Nummer kleiner: Statt der Queen kam Prinz Harry, statt Paul McCartney gab es nur ein Video mit John Lennon, und statt Mr. Bean sorgte Eric Idle von der Satiretruppe Monty Python für die obligatorische Spaßeinlage.

Doch es war immer noch ein unterhaltsames Open-Air-Konzert. Großbritannien präsentierte sich als Großmacht der Popkultur. Bei dem Schnelldurchlauf der Stars und Melodien ertappte man sich gelegentlich bei dem Gedanken: Gibt es überhaupt eine weltberühmte Band, die nicht britisch ist?

Die Musikauswahl wirkte teilweise etwas gestrig, das lässt sich nicht vermeiden, wenn man 50 Jahre beste Hits vorführt. Der grauhaarige Queen-Gitarrist Brian May intonierte den Stadionkracher "We Will Rock You" auf der E-Gitarre, Madness spielte "Our House", und dann waren da noch Annie Lennox, George Michael, The Who, Muse, Jessie J, Pet Shop Boys, Take That und viele andere. Am lautesten wurde es im Stadion beim Auftritt der Spice Girls, die sich für diesen einen Abend noch ein letztes Mal zusammengefunden hatten. Sie fuhren auf Londoner Black Cabs in die Arena und sie trugen - natürlich - ultrakurze Glitzer-Minis.

Phantomschmerzen machen sich breit

Der Abend stand unter dem Shakespeare-Zitat: "Die Insel ist voll Lärm". Das Resultat war ähnlich bunt und chaotisch wie die Eröffnungsfeier. Es begann mit der "Rush Hour", einer Ode an die wuselige Weltstadt London mit ihren geschäftigen Menschen, hupenden Taxis und der rastlosen Zeitungsbranche. Die Percussionskünstler von Stomp trommelten vor einer Kulisse mit Big Ben und Tower Bridge. Dann plötzlich explodierte ein Auto, es entstiegen Batman und Robin. Dann auf einmal fuhr die Band Madness auf einem Sattelschlepper durch die Arena, umgeben von picknickenden Kindern. Es war der reine Wahnsinn.

Es wimmelte nur so vor britischen Flaggen, britischen Bands und britischen Supermodels (darunter Naomi Campbell und Kate Moss). Es gab Menschen mit lustigen Hüten (leuchtende Glühbirnen auf dem Helm!), und selbst die 10.800 Athleten wurden der großen Idee der Britishness untergeordnet: Als sie sich in der Stadionmitte aufstellten, bildeten sie die Form des Union Jacks. Nur bei den Autos waren offensichtlich Anleihen aus dem Ausland nötig - die meisten stammten jedenfalls aus Bayern.

Es war die Party einer Nation, die schon jetzt an Phantomschmerzen leidet. Je länger die Spiele dauerten, desto mehr wurden die Briten vom Wettkampffieber gepackt. Die heimischen Athleten holten die Rekordzahl von 29 Goldmedaillen, den dritten Platz im Medaillenspiegel hinter den Großmächten USA und China, und die Zuschauer hätten nichts dagegen, wenn es noch eine Weile weitergegangen wäre.

Die "goldenen Spiele", wie sie in den britischen Medien genannt werden, haben die Stimmung im Land spürbar verbessert. Man ist stolz auf den sportlichen Erfolg und die perfekte Organisation. Endlich habe das Land den "nationalen Minderwertigkeitskomplex" abgelegt, kommentierte die "Times": "Wir dachten, wir könnten nichts mehr gut machen. Jetzt wissen wir, dass das nicht stimmt." Man habe die Spiele "zum größten Erstaunen aller mit germanischer Effizienz" durchgeführt.

Eine Mehrheit der Briten sieht laut Umfragen inzwischen sogar die 9,3 Milliarden Pfund Steuergelder für Olympia als lohnende Investition. Konservative preisen das neu gefundene Nationalgefühl, das die schottische Separatistenbewegung reichlich alt aussehen lässt. Und die Linke feiert das Bild des multikulturellen Großbritanniens, das sich in Olympiasiegern wie dem einstigen Einwandererkind Mo Farah manifestiert.

"Die Spiele haben uns einen Spiegel vorgehalten", sagte Premierminister David Cameron. "Und uns gefällt, was wir sehen". Der Welt gefällt es auch.



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jazzrita 13.08.2012
1. langweilig
dachte ich mir doch: nichts als euphorische kommentare zu diesem abschlussspektakel. als wenn alle zuhörer (und athleten) diese unsägliche brit-pop mögen. und diese langweiligen selbstberäucherungen. wo sind die, die das scheisse fanden?
fatherted98 13.08.2012
2. Für die Menschen in London oder...
Zitat von sysopAFPEs wimmelte nur so vor britischen Flaggen, Bands und Supermodels: Mit einer gut gelaunten Open-Air-Party hat sich London sich den Olympischen Spielen verabschiedet. Die Schlussfeier präsentierte das Land als Großmacht des Pop. Dank Olympia hat es einen neuen Nationalstolz gewonnen. http://www.spiegel.de/sport/sonst/0,1518,849668,00.html
....England waren die Spiele für die Katz. Rund um das Stadion wurde die Infrastruktur zwar erneuert, aber die Touristen blieben aus weil die Bettenpreise in ungeahnte Höhen schnellten....sprich die Geschäfte und Restaurants waren leer, die Spiele meist nur etwas für gutbetuchte Promis (kein Wunder bei Eintrittskarten von bis zu 1000 Euro - war von einem Taxifahrer in St. Pancras zu hören). Ich hatte den Eindruck die Stadt war in einzelnen Teilen leerer als sonst... viele Londoner sind ja auch vor den Spielen in den Urlaub geflüchtet. Letztlich wohl nur ein Geschäft für die großen Player...die kleinen haben sich vom Kuchen kein Stück abschneiden können. Und der Normal-Bürger war eher genervt als begeistert...obwohl die Medienbilder natürlich eine andere Sprache sprechen. Ich bin jedenfalls in den Großraum London ausgewichen, weil die B+B Preise nicht mehr zu zahlen waren....blieben aber trotzdem viele Zimmer leer wie ich von meiner Wirtin hörte die mich zerknirscht anrief ob ich doch nicht bei ihr zum Normalpreis nächtige wolle. Was den sozialen Sprengstoff in England angeht....der hat sich nicht verändert...die enorme Polizei und Sicherheitspräsenz hat allerdings die Spiele sicher gemacht...man brauchte in diesen Tagen keine Angst haben nachts durch bestimmte Viertel zu gehen...da wird diese Woche wieder etwas anders werden.
M. Michaelis 13.08.2012
3.
Zuviel Musik, zuviel Mainstream, zuviel Videclipgehoppel, das Setting künstlerisch zweitklassig. Das war alles andere als große Klasse.
Hank Hill 13.08.2012
4. Well done Britain !
Es war eine gute Idee bei der Eroeffnungs- und Abschlussfeier die britische Musik in den Vordergrund zu stellen. Ich bin mit der Musik von den Beatles aufgewachsen und danach kamen noch einige Super Trends von der Insel. Egal ob Progressive Rock, New Wave, Punk oder spaeter Britpop, sie hatten (im Wechsel mit den USA) immer die Nase vorne. Wenn ich dagegen unser schwermuetiges Zeug von Groenemeyer oder von dem talentfreien Westernhagen damit vergleiche kommt mir das kalte Grausen. Wir bauen sicherlich gute Autos, musikalisch sind wir zu bieder, zu ernst, und wenn mal was locker rueber kommt ist es mit Sicherheit ein angloamerikanischer Rip Off.
Gebetsmühle 13.08.2012
5. kein grund für eine propagandaschlacht
Zitat von sysopAFPEs wimmelte nur so vor britischen Flaggen, Bands und Supermodels: Mit einer gut gelaunten Open-Air-Party hat sich London sich den Olympischen Spielen verabschiedet. Die Schlussfeier präsentierte das Land als Großmacht des Pop. Dank Olympia hat es einen neuen Nationalstolz gewonnen. http://www.spiegel.de/sport/sonst/0,1518,849668,00.html
es war nur eine weitere neuauflage von gigantistischen kommerz- und werbeveranstaltungen, in denen hochgedopte egomanen und selbstdarsteller für eine plakette ihren verstand verkauft haben, sofern sie einen hatten. was soll dadran heutzutage noch besonders sein? man kann es getrost abhaken. in 4 jahren gibts das gleiche wieder. egal wo.
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