Gold und Bronze im Triathlon: Triumph der verrückten Brownlee-Boys

Aus London berichtet

Gold und Bronze, viel besser hätte der Tag für die Brownlee-Brüder Alistair und Jonathan nicht laufen können: Das Briten-Duo dominierte den olympischen Triathlon fast nach Belieben, nur eine Zeitstrafe für Jonathan verhinderte den Doppelsieg.

Triathlon: Doppeltes Medaillenglück der Brownlee-Brüder Fotos
DPA

London - Die Fahne musste sein. Alistair Brownlee holte sie sich kurz vor dem Ziel. Der britische TV-Sender BBC zeigte die Sekunden, als der 24 Jahre alte Triathlet gemächlichen Schrittes über die Ziellinie ging, in Zeitlupe: Gold im Triathlon der Männer für Großbritannien. Dazu sicherte sich Alistairs zwei Jahre jüngerer Bruder, Jonathan Brownlee, Bronze. Es gab selten einen Triathlon-Wettkampf der so bis ins Detail vorbereitet war und fast genau nach Plan ablief, wie der im Hyde Park in London. Es war eine Demonstration der Macht des Brownlee-Clans.

Dass es nicht zum Doppelsieg reichte, lag daran, dass Jonathan zwischen den 1,5 Kilometern Schwimmen im Serpentine Lake und den 40 Kilometern auf der Radstrecke ein Fehler unterlief. Er trat auf die Wechsellinie. Jonathan Brownlee musste zur Strafe während des Zehn-Kilometer-Laufs für 15 Sekunden in die Penalty Box. Sonst wäre es wohl zum Doppel-Sieg der Brüder gekommen. So aber konnte der Spanier Javier Gomez den Brownlees in die Parade fahren und Silber gewinnen.

"Es war schnell klar, die machen heute keine Gefangenen. Vor der Show, die die hier geboten haben, kann man nur den Hut ziehen", sagte Jan Frodeno, der Olympiasieger von Peking, der in London Sechster wurde. "Die haben ihre Klasse bewiesen, Respekt", sagte Maik Petzhold (31.).

Der Plan bestand aus der schlichten Taktik, ein Höllentempo durchzuziehen. Olympia bot einen der schnellsten Triathlons aller Zeiten und die Brownlees bestimmten seinen Ablauf. Wer aber sind dieser beiden Kerle mit dem jugendlichen Aussehen?

Die Brownlee-Brüder sind zwei Verrückte aus Leeds. Die Briten lieben sie. Verrückt und gut ist eine perfekte Kombination auf der Insel. Man sagt ihnen einzigartiges Talent nach. Ihren Siegeswillen hätten sie von ihrem Großvater Norman, sagen die beiden. Großvater Norman war im Zweiten Weltkrieg mit einem Handelsschiff der Marine gesunken und dann an Land geschwommen. Das ist der Nährboden für die Heldengeschichte, die Normans Enkel nun fortgeschrieben haben.

Die wilden Zeiten sind vorbei

Im Triathlon-Lager waren sie lange nicht besonders beliebt. "Die wilden Zeiten der beiden sind vorbei. Aber es gab sie. Sie haben andere im Feld wüst und wild beschimpft", erzählt Frodeno, der "Oberhitzkopf" Alistair Brownlee deshalb einmal zur Rede stellte. "Sie sind eben richtig harte Wettkämpfer und haben die letzten drei, vier Jahre dominiert", so Frodeno, der Alistair Brownlee in Peking auf den letzten Kilometern abhängte. Heute hatte er nach monatelanger Verletzungspause keine Kraft, der britischen Wucht etwas entgegenzusetzen.

Anders als Frodeno in Deutschland genießen die Brownlees im Königreich den Status von Stars. Nach Olympia wird es neue lukrative Werbeverträge geben. An der Strecke standen 250.000 Menschen wie bei einer Parade, ein Rekord für den Triathlonsport. Die BBC bejubelte die "Wall of Sound", die gewaltige Lärmkulisse, die Alistair Brownlee ins Ziel trug.

Nach ihrem Triumphzug planen die Brownlees vorübergehend aus dem Hotel ins olympische Dorf zu ziehen, um dort so zu sein wie alle anderen. "Es lief fast alles wie geplant", sagte Alistar Brownlee. "Bis auf die Strafe für Jonathan. Er trat auf die Linie vor dem Radkurs. Solche Strafen sind lächerlich und ruinieren den Triathlonsport".

Von dem hat Jonathan vorerst genug. "Ich gehe demnächst Skifahren, das hab ich schon lange nicht mehr gemacht", kündigte er an.

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