Deutsche Beachvolleyballer im Finale: "Wir werden das nicht kampflos hergeben"

Julius Brink und Jonas Reckermann haben in London das Finale erreicht - und können ein starkes Turnier mit der Goldmedaille krönen. Dabei musste das Duo noch vor kurzem um die Teilnahme an den Olympischen Sommerspielen zittern.

Beachvolleyballer Reckermann (l.) und Brink: Träumen von dem großen Coup Zur Großansicht
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Beachvolleyballer Reckermann (l.) und Brink: Träumen von dem großen Coup

Hamburg - Lange Zeit war es unklar, ob Julius Brink und Jonas Reckermann es überhaupt nach London zu den Olympischen Sommerspielen schaffen würden. Die Saisonvorbereitung verlief für die beiden früheren Weltmeister holprig. Im Frühjahr zog sich Reckermann beim Trainingslager in Kalifornien eine Schulterverletzung zu, die zunächst keinen Start auf der Welttour zuließ. Immer wieder musste das deutsche Duo sein Comeback verschieben.

Nur ein paar Monate später steht Reckermann mit seinem Partner Brink nun als erstes deutsches Team der Geschichte im olympischen Finale des Beachvolleyball-Turniers. "Dieser Erfolg ist ein unglaubliches Ding", sagte Brink. Im Halbfinale bezwangen die Deutschen Reinder Nummerdor und Richard Schuil aus den Niederlanden nach einer starken Vorstellung 2:0 (21:14, 21:16). Brink und Reckermann marschieren bislang souverän durch das olympische Turnier. Erst einen Satz mussten die Deutschen gegen das chinesische Duo Xu und Wu abgeben.

Eindrucksvoller als Reckermann kann man sich in der Weltspitze kaum zurückmelden. Anfang Juni wurde er mit Brink bei seinem ersten Turnier nach langer Verletzungspause Europameister und nun winkt sogar die olympische Goldmedaille. "Zurückzukommen aus dem Niemandsland und wettbewerbsfähig zu sein, das war ein großartiges Gefühl", sagte Reckermann.

Nach dem verwandelten Matchball gegen das niederländische Duo Reinder Nummerdor und Richard Schuil sanken beide überglücklich in den Sand und genossen vor 15.000 begeisternden Zuschauern den größten Moment ihrer Karriere. "Es ist einfach ein großartiges Gefühl und war ein sensationeller Sieg. Davon haben wir in den letzten Jahren geträumt", sagte Brink.

Die Stärke der beiden besten deutschen Beachvolleyballer ist, dass sie erst zusammen richtig gut funktionieren und sich auf dem Platz ergänzen. Während der zwei Meter große Reckermann meist durch mächtige Schmetterschläge für die Punkte sorgt, kümmert sich Brink um die Defensivarbeit. So auch beim Matchball im Halbfinale, als der 30-Jährige einen kurzen Ball der Niederländer mit einem Hechtsprung in den nassen Sand noch holen konnte. "Ich glaube, wir haben ein sehr gutes Gefühl für einander auf dem Feld", sagt Reckermann.

Reckermann strahlt Ruhe aus

So verschieden ihre sportlichen Stärken, so unterschiedlich sind sie auch in ihrer Körpersprache. "Ich bin sicher ein Typ, der über das Emotionale kommt und auch mal lauter werden kann", sagt Brink. Reckermann sei ein sehr strukturierter Typ. "Jonas hat Weitblick", sagt Brink über seinen Partner, der sich auf dem Platz nur selten aus der Ruhe bringen lässt.

Seit 2009 spielen Brink und Reckermann zusammen. Gleich im ersten Jahr wurden sie im norwegischen Stavanger Weltmeister, als erstes europäisches Duo der Geschichte. Seitdem leben sie mit der Erwartung, immer ganz vorne dabei sein zu müssen. Bei den Olympischen Sommerspielen in London haben sie die Erwartungen mit Silber bereits übertroffen. Zwölf Jahre nach Bronze für Jörg Ahmann und Axel Hager in Sydney ist es für den Deutschen Volleyball-Verband erst die zweite Beachvolleyball-Medaille überhaupt.

Im Finale treffen Brink und Reckermann am Donnerstag (22 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) auf die Weltmeister und großen Favoriten Emanuel Rego und Alison Cerutti. Die Brasilianer gewannen in der Vorschlussrunde 2:0 (21-15, 22-20) gegen die Letten Martins Plavins und Janis Smedins.

"Wir wollen Gold! Eine Niederlage im Finale würde mich sehr ärgern. Wir werden das nicht kampflos hergeben", sagte Reckermann. Zwei Jahre haben Brink und Reckermann nach eigenen Angaben gegen die Brasilianer nicht mehr gewonnen. Ein olympisches Finale wäre ein guter Zeitpunkt, um den Trend zu beenden.

rei/dpa

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