Hamburg - China wehrt sich gegen Kritik an seinen Olympia-Medaillen. Es sei unfair, mit dem Finger auf chinesische Schwimmer zu zeigen, sobald sie Medaillen bei internationalen Wettkämpfen gewinnen, sagte Jiang Zhixue, Leiter der nationalen Anti-Doping-Behörde, der Nachrichtenagentur Xinhua.
Bei den Olympischen Spielen in London hatte Sun Yang als erster chinesischer Schwimmer eine Goldmedaille über 400 Meter Freistil gewonnen. Am selben Tag siegte die erst 16-jährige Ye Shiwen in neuer Weltrekordzeit über 400 Meter Lagen. Besonders ihre Leistung weckte Argwohn: Ye verbesserte nicht nur ihre eigene Bestleistung binnen eines Jahres um sieben Sekunden. Auf den letzten 50 Metern war sie sogar 17 Hundertstel schneller als Olympiasieger Ryan Lochte in seinem Rennen über dieselbe Strecke.
Laut Anti-Doping-Chef Jiang ist diese Leistung, die er selbst als "Durchbruch" feiert, das Ergebnis "wissenschaftlichen Trainings und harter Arbeit". Viele Leute seien chinesischen Sportlern gegenüber voreingenommen, kritisierte er und verbat sich Kritik aus den USA: "Wir haben Michael Phelps nie in Frage gestellt, als er in Peking acht Goldmedaillen gewann." Der US-Schwimmer, der 2008 bei all seinen Starts triumphierte, schwächelt in London. Bislang steht nur eine Silbermedaille in der Staffel für ihn zu Buche, über 400 Meter Lagen landete er nur auf Platz vier.
Jiang verwies darauf, dass chinesische Sportler seit ihrer Ankunft in London insgesamt 100 Dopingproben abgegeben hätten. "Andere wurden außerdem von den internationalen Sportverbänden und der britischen Anti-Doping-Agentur getestet. Bis jetzt gab es keinen einzigen positiven Fall."
China verweist auf 15.000 Dopingtests pro Jahr
Jiangs Vize Zhao Jian sagte im britischen "Guardian", sein Land nehme den Kampf gegen Doping ernst. "Als wir 1990 anfingen, führten wir nur 65 Tests durch. Heute sind es 15.000 pro Jahr. So weit ich weiß, nehmen die USA und Australien nur 7000 bis 8000 Dopingproben pro Jahr." Alle chinesischen Sportler müssten Anti-Doping-Kurse belegen, eine Prüfung bestehen und einen Eid ablegen, so Jiang.
In der Vergangenheit wurden jedoch häufig chinesische Schwimmer des Dopings überführt:
Chen Zhanghao, Chefarzt der chinesischen Olympiamannschaft bei den Olympischen Spielen zwischen 1984 und 1992, räumte kürzlich in einem Interview mit dem "Sydney Morning Herald" systematisches Doping unter seiner Verantwortung ein. "Die USA, die Sowjetunion und Frankreich haben damals alle Steroide und Wachstumshormone eingesetzt. Also haben wir das auch getan." Das Dopingprogramm habe also nur existiert, um mit den Konkurrenten Schritt zu halten. "Wie kann man also China verdammen, nicht aber die USA oder die Sowjetunion?"
syd
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