Weltrekordler Rudisha "Einer der größten Olympiasiege der Geschichte"

Mit einem beeindruckenden Start-Ziel-Sieg hat David Rudisha bei den Olympischen Spielen die Goldmedaille über 800 Meter gewonnen. Ganz nebenbei lief er Weltrekord. Mit dieser Leistung stellt der Kenianer selbst Usain Bolt in den Schatten.

Olympiasieger Rudisha: "Ich habe auf diesen Moment so lange gewartet"
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Olympiasieger Rudisha: "Ich habe auf diesen Moment so lange gewartet"


Hamburg - David Rudisha ist etwas gelungen, was nicht einmal Usain Bolt in London schaffte: Ein Weltrekord. Im Finale am Donnerstagabend lief der Kenianer als erster Sportler die 800 Meter unter 1:41 Minuten. Nach seinem überlegenen Start-Ziel-Sieg leuchtete auf der Anzeigetafel im Olympiastadion die neue Weltrekordzeit auf: 1:40,91 Minuten.

"Ich habe auf diesen Moment so lange gewartet. Hier mit Weltrekord Gold zu gewinnen, ist einfach unglaublich", sagte Rudisha. Der Mittelstreckenläufer ist der bislang einzige Leichtathlet, der bei den Wettkämpfen in London eine neue Weltbestzeit aufstellte.

Der 23-Jährige übernahm sofort nach dem Start die Kontrolle über das Feld und diktierte das Tempo von der Spitze. Nach rund 500 Metern zog er noch einmal an und brachte schnell drei, vier Meter zwischen sich und die verzweifelt kämpfende Konkurrenz. Dabei ging fast unter, dass auch die hinter Rudisha platzierten Athleten hervorragende Zeiten liefen. Der erst 18 Jahre alte Junioren-Weltmeister Nijel Amos gewann in 1:41,73 Minuten Silber und damit die erste Olympiamedaille für Botswana. Bronze ging in 1:42,53 Minuten an den US-Amerikaner Duane Solomon.

"Ich hatte nie einen Zweifel an meinem Sieg"

Lord Sebastian Coe, früher Weltrekordhalter über 800 Meter und Chef des Olympia-Organisationskomitees LOCOG, war einer der ersten, die Rudisha adelten. "Sein Lauf wird als einer der größten Olympiasiege in die Geschichte eingehen", sagte Coe, "ich fühle mich geehrt, Zeuge dieser Leistung gewesen zu sein."

Auch Steve Ovett, die andere britische Legende der Mittelstrecke, verneigte sich vor Rudisha. Der Weltmeister von 2011 wäre nur zu schlagen gewesen, "wenn ein Meteorit ihn getroffen hätte", sagte der 800-Meter-Olympiasieger der Spiele 1980 in Moskau.

Rudisha stammt aus einer Leichtathletik-Familie. Sein Vater Daniel gewann 1968 bei den Olympischen Spielen in Mexiko-Stadt Silber mit der 4x400-Meter-Staffel. "Ohne ihn wäre ich nicht hier. Er war meine große Inspiration", sagte der frisch gekürte Olympiasieger. 44 Jahre später hat ihn sein Sohn übertrumpft. Rudisha selbst äußerte sich nach seinem Triumphlauf fast so selbstbewusst wie sonst nur Usain Bolt: "Ich hatte nie einen Zweifel an meinem Sieg."

syd/sid



insgesamt 5 Beiträge
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Seite 1
l.augenstein 10.08.2012
1. Großartig
Zitat von sysopGetty ImagesMit einem beeindruckenden Start-Ziel-Sieg hat David Rudisha bei den Olympischen Spielen die Goldmedaille über 800 Meter gewonnen. Ganz nebenbei lief er Weltrekord. Mit dieser Leistung stellt der Kenianer selbst Usain Bolt in den Schatten. http://www.spiegel.de/sport/sonst/0,1518,849350,00.html
In der Tat, eine exzellente Leistung. Kompliment!
johnberkeley 10.08.2012
2. Wahnsinnsrennen
Meiner Meinung nach auch wesentlich interessanter anzusehen als die 100m Show.
Werner655 10.08.2012
3. Beeindruckend...
Zitat von l.augensteinIn der Tat, eine exzellente Leistung. Kompliment!
Eine beeindruckende Vorstellung fürwahr. Im Gegensatz zu einigen anderen Kenia-Läufern, die zum Beispiel beim 1500-Meter Finale eingebrochen sind, als wären sie "exotische" Vertreter aus Österreich oder Luxemburg, hat Rudisha seine Extraklasse unterstrichen. Auffallend für mich ist, dass die aktuelle ARD-Berichterstattung über vermeintlich flächendeckendes und systematisches Doping in Kenia medial kaum beachtet wird. Auch nicht hier auf SpOn. Bekanntlich hat ein Spitzenathlet Kenias quasi als Kronzeuge ausgepackt, war zwischenzeitlich aus Angst vor Repressalien untergetaucht und hat nun seine schwer belastenden Aussagen wiederholt. Mich erinnert das an die gleichgeschaltete mediale Ausschlachtung des "Sommermärchens" aus 2006. Das friedliche Fußballfest, als was es damals wider besseren Wissens vermarktet wurde, wurde begleitet von wüsten Schlägereien und Ausschreitungen, die aber erst im Nachhinein zugegeben wurden.
l.augenstein 10.08.2012
4. Interessenlage
Zitat von Werner655Eine beeindruckende Vorstellung fürwahr. Im Gegensatz zu einigen anderen Kenia-Läufern, die zum Beispiel beim 1500-Meter Finale eingebrochen sind, als wären sie "exotische" Vertreter aus Österreich oder Luxemburg, hat Rudisha seine Extraklasse unterstrichen. Auffallend für mich ist, dass die aktuelle ARD-Berichterstattung über vermeintlich flächendeckendes und systematisches Doping in Kenia medial kaum beachtet wird. Auch nicht hier auf SpOn. Bekanntlich hat ein Spitzenathlet Kenias quasi als Kronzeuge ausgepackt, war zwischenzeitlich aus Angst vor Repressalien untergetaucht und hat nun seine schwer belastenden Aussagen wiederholt. Mich erinnert das an die gleichgeschaltete mediale Ausschlachtung des "Sommermärchens" aus 2006. Das friedliche Fußballfest, als was es damals wider besseren Wissens vermarktet wurde, wurde begleitet von wüsten Schlägereien und Ausschreitungen, die aber erst im Nachhinein zugegeben wurden.
Da haben Sie recht. Ich habe das Interview neulich auch gesehen, auch das Interview mit dem österreichischen Sportler, der von einem Rucksack voll Dopingmittel und -instrumenten bei einem marokkanischen Läufer berichtet hat. Das alles wird mal so schnell im Vorbeigehen berichtet und dann schnell in die Schamecke gestellt. Passiert das bei Radprofis, füllt das tage- und wochenlang die Berichterstattungen. Es kommt ganz offensichtlich immer auf die jeweilige Interessenlage von ÖR und Medien an.
dequincey 10.08.2012
5. Großartige Leistungen
„David Rudisha ist etwas gelungen, was nicht einmal Usain Bolt in London schaffte: Ein Weltrekord.“ Rein sportlich, beides großartige Leistungen. Wie auch die Siege von Lance Armstong, Carl Lewis, Marion Jones, Florence Griffith-Joyner, Marita Koch, Jürgen Schult, Uwe Hohn, Jarmila Kratochvilova und, und, und... Bolt hätte vermutlich eine bessere Zeit laufen können, wenn er nicht auf den letzten Metern, den Sieg sicher vor Augen, die Fahrt raus genommen hätte. Er ist geschäftstüchtig genug, sich einen eventuellen neuen Weltrekord für die kommenden, hoch bezahlten Laufveranstaltungen aufzuheben. Alleine die Ankündigung eines Versuches wird seine Gage hochtreiben. Für Rudisha wird eine neue Bestzeit, oder eine ähnlich schnelle Zeit sicher schwerer als für Bolt. Was das Doping betrifft, ob die beiden da so weit auseinander sind? Schön wäre es, aber wohlmöglich unterscheiden sie sich nur in der Wahl der Mittel und Verfahren. Sicher gibt es auch weiter großartigen dopingfreien Sport, aber gewiss nicht dort, wo das große Geld zu holen ist.
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