Deutsche Kanu-Medaillenflut: Wir sind Paddler

Aus London berichtet Peter Ahrens

Der Kanu-Verband ist der zuverlässigste deutsche Medaillenlieferant im olympischen Programm. Nach dem ersten Finaltag haben die deutschen Kanuten viermal Edelmetall gewonnen. Und das dürfte noch lange nicht alles gewesen sein.

Deutsche Kanuten: Medaillenregen in London Fotos
DPA

Wenn das Internationale Olympische Komitee es sich nachhaltig und ernsthaft mit dem deutschen Sport verderben wollte, würde es den Kanusport aus dem Olympia-Programm streichen. Kein Verband im DOSB ist ein so zuverlässiger Medaillenlieferant wie der Deutsche Kanu-Verband (DKV). Über 100 Medaillen hat der DKV schon in der olympischen Geschichte eingefahren, keine Nation paddelt erfolgreicher. Am Mittwoch sind wieder vier dazu gekommen. Von Gold bis Bronze war auf der Strecke in Eton Dorney alles dabei.

Wobei der Olympiasieg von Sebastian Brendel im Einer-Canadier alles überstrahlte. Als der 24-Jährige auf seiner Spezialstrecke, den 1000 Metern, den Schlussspurt anzog, konnte die Konkurrenz nicht mehr mithalten. Bereits früh, nach 200 Metern, habe er gemerkt, "dass heute was geht", sagte der neue Champion anschließend. Für ihn ist es der Höhepunkt einer Saison, die auf den Olympiasieg fast hinauslief. Als Weltcup-Bester war er zu den Spielen gereist. Nach vier Europameistertiteln war der Olympia-Triumph fällig.

Brendel trainiert in Potsdam. Und wenn man Deutschland als Zentrum des internationalen Kanusports bezeichnet, ist Potsdam so etwas wie die Welthauptstadt. Acht Athleten hat der Kanu-Club Potsdam nach London entsandt. Im Idealfall könnten alle mit Edelmetall dekoriert heimkehren.

Wagner-Augustin hat jetzt auch Silber in der Sammlung

Neben Brendel haben seine Vereinskolleginnen Katrin Wagner-Augustin und Franzsika Weber damit schon einen Anfang gemacht. Wagner-Augustin ist zwar nicht ganz so eine Kanu-Legende wie die berühmte Birgit Fischer - mit ihren 34 Jahren, ihren vier olympischen Goldmedaillen, mit ihren unzähligen EM- und WM-Titeln ist sie aber auch so etwas wie ein Denkmal in ihrem Sport.

Olympisches Silber fehlte ihr bislang in ihrer umfangreichen Sammlung. Bis zum Mittwoch. Da war sie gemeinsam mit Weber, Carolin Leonhardt und Tina Dietze im Kajak-Vierer auf den zweiten Platz im Sprint gefahren - die Ansprüche im DKV sind so hoch, dass dies sogar mit leichter Enttäuschung quittiert wurde. Schließlich hatte es bei den vergangenen vier Olympischen Spielen immer Gold für Deutschland auf dieser Strecke gegeben. "Silber ist das neue Gold", kommentierte Wagner-Augustin das Ergebnis. Und man mochte daraus einen Anflug von Frust heraushören, dass die Ungarinnen diesmal eine Spur stärker waren.

Selbst auf der Sorgenstrecke gab es eine Medaille

Frust - so etwas würde Max Hoff nicht im Entferntesten in den Sinn kommen. Der 29-Jährige hatte die Medaillenjagd am Morgen eröffnet und im Kajak-Einer die Bronzemedaille eingefahren. Erstmals seit den Spielen von Seoul 1988, als Andre Wohllebe damals noch für die DDR Dritter wurde, konnte der DKV Edelmetall auf dieser Distanz feiern. Der Männer-Einer ist lange Jahre so etwas wie die Sorgendisziplin des DKV gewesen. Aus seiner Sicht heißt das: Es gab keine olympische Medaillengarantie. Solche Sorgen würden andere Verbände gerne haben.

"Wir wollen in London neun Medaillen holen", hatte DKV-Präsident Thomas Konietzko vor den Spielen als Ziel ausgegeben und gleich mal angefügt, das sei eher Selbstbewusstsein als Überheblichkeit. Durch die Bronzemedaille im Zweier-Kajak der Peking-Olympiasieger Martin Holstein und Andreas Ihle, der vierten an diesem Mittwoch, ist die Hälfte dieser Zielstellung nach dem ersten Endlauftag schon so gut wie erfüllt.

Bei der Europameisterschaft wenige Wochen vor London hatte es viermal Gold auf den olympischen Strecken gegeben. So ungefähr hat sich der DKV auch die Ausbeute in Eton Dorney vorgestellt. Noch sind es zwei Finaltage, es sind 24 Medaillen zu verteilen. Es gibt noch so viele Gelegenheiten für die deutschen Kanuten.

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insgesamt 8 Beiträge
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1. Medaillenspiegel
Toronto 08.08.2012
warum zeigt der Rest der Welt Deutchland mit 32 Medaillen (7-15-10), der SPIEGEL aber lediglich 31 (7-15-9)?
2.
Toronto 08.08.2012
Zitat von Torontowarum zeigt der Rest der Welt Deutchland mit 32 Medaillen (7-15-10), der SPIEGEL aber lediglich 31 (7-15-9)?
vielleicht sollte man auch die Bronze-Medaille des Tischtennis-Herren-Teams mit in die Wertung einbeziehen?!
3. Vielleicht mangelt es ja
hdudeck 08.08.2012
Zitat von sysopDer Kanu-Verband ist der zuverlässigste deutsche Medaillenlieferant im olympischen Programm. Nach dem ersten Finaltag haben die deutschen Kanuten vier Mal Edelmetall gewonnen. Und das dürfte noch lange nicht alles gewesen sein. Von Gold bis Bronze war auf der Strecke in Eton Dorney alles dabei. Olympia 2012: Deutsche Kanuten im Medaillenrausch - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/sport/sonst/0,1518,848914,00.html)
am Wissen der Autoren, aber Bronze ist eine Liegierung und kein Edelmetall. Ein Magazin wie der Spiegel sollte mehr auf die Qualitaet der Berichte Wert legen, schliesslich erhebt der Spiegel (und der SPON) den Anspruch, Deutschland fuehrendes Nachrichtenmagazin zu sein. Mir kommt das Fuerchten, wie die Berichterstattung in den nachfolgenden Magzinen aussieht, wenn es schon im Spiegel nicht klappt.
4. knapp daneben ...
jot-we 08.08.2012
... ist auch vorbei: die beste Headline habt ihr leider verpasst. Von wegen, wir sind Paddler - nach dem historischen Grossboot-Sieg vor ein paar Tagen sind wir natürlich nur eins: WIR SIND ACHTER!
5. haha, wir sind achter
spon-facebook-10000017780 08.08.2012
nur weil sie endlich mal wieder bei olympia gewonnen haben. ist auch schön, hat mich gefreut. aber hier geht es um die gesamtbilanz, und da kommt auch kein ruderverband mit. und wenn wir schon bei verband sind, sind wir mittlerweile bei 1 Gold, 2 Silber und 3 Bronze angekommen, der slalom gehört nämlich auch zum dkv das sind 6 medallien bei derzeit 8 möglichen.!
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  • Mittwoch, 08.08.2012 – 14:23 Uhr
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