Ruta Meilutyte: Eine ganz normale Wunderschwimmerin
Die 15-Jährige Ruta Meilutyte aus Litauen hat mit ihrem Olympiasieg über 100 Meter Brust die Welt überrascht. Ihre Leistungssteigerung erregt Verdacht, aber selbst die Konkurrenz hält sie "einfach nur für gut und schnell". Jetzt will die Schwimmerin über 50 Meter Freistil nachlegen.
Als Teenager hat sie schon die Weltspitze im Schwimmen erreicht und die Konkurrenz düpiert. Sie hat olympisches Edelmetall errungen. Sie hat Rekorde gebrochen. Kann das mit rechten Dingen zugehen? Der Name der Schwimmerin: Franziska van Almsick. Das war vor 20 Jahren.
Von Doping hat damals in Deutschland niemand gesprochen, das Land befand sich nach van Almsicks Auftritten bei den Sommerspielen in Barcelona, sie war dort erst 14 Jahre alt, im Franzi-Rausch.
Bei der 15-jährigen Litauerin Ruta Meilutyte waren die Gerüchte dagegen gleich in der Welt, nachdem sie ihren Olympiasieg über 100 Meter Brust gefeiert hatte und auf dem Weg dahin im Halbfinale mal eben den Europarekord pulverisierte. Zwei Schwimmerinnen, zwei Riesentalente, zwei verschieden angelegte Maße.
Die Leistungssteigerung der Litauerin ist in der Tat erstaunlich. Innerhalb von vier Monaten schraubte sie ihre Bestleistung um zwei Sekunden nach unten. Aber selbst der routinierte US-Coach John Leonard, der sonst mit Doping-Spekulationen in Richtung der Konkurrenz schnell bei der Hand ist, sagt über Meilutyte: "Sie ist einfach nur sehr gut und sehr schnell." Da hat Leonard eine eindeutig andere Meinung als gegenüber der zweiten Wunderschwimmerin dieser Spiele, Ye Shiwen aus China. Den Chinesen hatte der US-Trainer mehr oder weniger unverblümt Leistungsmanipulation unterstellt.
Seit drei Jahren auf dem Elite-College
Die Geschichte von Ruta Meilutyte ist auch die Geschichte von Jon Rudd. Rudd ist ein Urgestein im englischen Schwimmsport, als Coach hat er zahlreiche junge Schwimmer trainiert, es waren ein paar viel versprechende Talente darunter, ganz nach oben hat es aber keiner seiner Schützlinge geschafft. Bis Jon Rudd beim Plymouth College anheuerte.
Das College im südenglischen Devon hat sich vor einigen Jahren das ehrgeizige Ziel gesetzt, Champions hervorzubringen. Und zwar in Sportarten, für die Großbritannien nicht unbedingt berühmt ist: Schwimmen, Fechten, Moderner Fünfkampf. Aus der ganzen Welt wurden junge und jüngste Talente nach Plymouth gelotst. Die Elite-Ausbildung lässt sich die Schule gut bezahlen. 24.000 Pfund Schulgeld pro Jahr kostet laut einem Bericht des "Guardian" der Besuch.
Viel Geld, das auch der Vater von Ruta Meilutyte aufgebracht hat. Im Alter von zwölf Jahren kam das Mädchen aus dem litauischen Kaunas und wird seitdem auf Erfolg getrimmt. So wie auch ihr Schulkamerad Tom Daley, der Vierte im olympischen Wasserspringen-Wettbewerb. Daley und Meilutyte sind derzeit die Vorzeigeschüler des Plymouth College.
"Noch so viel Zeit, Party zu machen"
Sie sind die Nachfolger von Cassandra Patten, die 2008 in Peking als erste Absolventin des Colleges olympisches Edelmetall holte: Bronze im Zehn-Kilometer-Langstreckenschwimmen. Und die Nächste wartet schon: Jamila Lunkuse aus Uganda nahm in London an den 50 Meter Freistil teil. Sie ist gerade 15 Jahre alt geworden.
Rudd hat dem "Guardian" eine kleine Geschichte über Meilutyte erzählt. Er habe sie gefragt, wie sie es denn so finde, all das zu verpassen, was andere Teenager erleben: der erste Freund, der erste Rausch. Sie hat ihm geantwortet: "Ach, ich habe doch noch so viel Zeit, Party zu machen, wenn das hier alles vorbei ist." Da sei ihm als Trainer klar geworden, dass aus Meilutyte eine große Schwimmerin werden könne.
Neun litauische Rekorde hat Ruta Meilutyte mittlerweile gebrochen. Am Freitag geht sie wie ihre Schulkollegin aus Uganda über die 50 Meter Freistil an den Start, am Morgen sind die Vorläufe angesetzt, das Finale steigt am Samstag. Dann spätestens sollen die nächsten Bestmarken fallen. Über 100 Meter Freistil ist sie im Vorlauf am Mittwoch allerdings ausgeschieden. Man mag es kaum glauben, aber möglicherweise ist sie tatsächlich nur ein ganz normales Mädchen.
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Medaillenspiegel
Ges.
| Olympiasieger im Zeitfahren seit 1996 | |||
| Jahr | Gold | Silber | Bronze |
| 2012 | B. Wiggins | T. Martin | C. Froome |
| 2008 | F. Cancellara | G.E. Larsson | L. Leipheimer |
| 2004 | T. Hamilton | W. Jekimow | B. Julich |
| 2000 | W. Jekimow | J. Ullrich | L. Armstrong |
| 1996 | M. Indurain | A. Olano | C. Boardman |
| Die erfolgreichsten Sportler bei Olympischen Sommerspielen | ||||
| Name | Disziplin | Gold | Silber | Bronze |
| Michael Phelps | Schwimmen | 18 | 2 | 2 |
| Larissa Latynina | Turnen | 9 | 5 | 4 |
| Paavo Nurmi | Leichtathletik | 9 | 3 | 0 |
| Mark Spitz | Schwimmen | 9 | 1 | 1 |
| Carl Lewis | Leichtathletik | 9 | 1 | 0 |
| Birgit Fischer | Kanu | 8 | 4 | 0 |
| Sawao Kato | Turnen | 8 | 3 | 1 |
| Jenny Thompson | Schwimmen | 8 | 3 | 1 |
| Matt Biondi | Schwimmen | 8 | 2 | 1 |
| Ray C. Ewry | Leichtathletik | 8 | 0 | 0 |
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