Triumph der deutschen Kanuten Goldrausch auf dem Dorney Lake

Doppel-Gold in 60 Minuten: Die deutschen Kanuten haben ihrer Erfolgsgeschichte bei den Sommerspielen ein weiteres Kapitel hinzugefügt. Erst siegten die Olympia-Debütanten Peter Kretschmer und Kurt Kuschela mit einem furiosen Zielsprint, dann paddelten Franziska Weber und Tina Dietze zu Gold.

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Hamburg - Der Zielsprint war furios: Auf den letzten hundert Metern holten Peter Kretschmer und Kurt Kuschela noch einmal alles aus sich heraus. Mit Erfolg. Das deutsche Duo schoss regelrecht durchs Wasser, vorbei an den führenden Aserbaidschanern, hin zum Sieg. "Das war wie in Trance. Als ich rübergeschaut habe, merkte ich, dass sie nichts mehr draufhaben, und wir haben Vollgas gegeben", sagte Kuschela nach dem Rennen. Auch Weißrussland und Russland konnten sich noch an Sergej Bezuglij und Maxim Prokopenko vorbeischieben und Silber und Bronze gewinnen.

Nur knapp eine Stunde nach der Gold-Fahrt von Kretschmer und Kuschela im Zweier-Canadier, krönten Franziska Weber und Tina Dietze mit ihrem Olympiasieg im Zweier-Kajak den zweiten Tag der deutschen Kanuten auf dem Dorney Lake.

"Es ist so unfassbar, so was wie heute haben wir noch nie gemacht, ich weiß gar nicht woher das kam", sagte Weber. Über die 500-Meter-Distanz ließen sie ihren Kontrahentinnen keine Chance. Die Deutschen dominierten das Rennen von Beginn an. Katalin Kovács und Natasa Douchev-Janics aus Ungarn und die Polinnen Karolina Naja und Beata Mikolajczyk konnten nur hinterherschauen und mussten sich am Ende mit Silber und Bronze begnügen.

Deutlich mehr mussten die Männer um ihren Sieg kämpfen: Lange sah es für den 20-jährigen Kretschmer und den drei Jahre älteren Kuschela bei ihrem Olympia-Debüt nach Silber aus, erst auf den letzten Metern schoben sie sich ganz an die Spitze. Eine Taktik, die das deutsche Duo von langer Hand geplant hatte: "Früher haben wir den Fehler gemacht, sehr offensiv zu starten, was uns am Ende das Genick gebrochen hat", hatte Kuschela bereits vor dem olympischen Wettkampf auf der offiziellen Homepage seines Clubs OSC Potsdam gesagt. "Jetzt fahren wir mit langem Schlag los und lassen die anderen ruhig erst mal ein bisschen ziehen. Nach fünf Schlägen haben wir dann unseren Streckenschlag drin und versuchen uns nach vorn zu arbeiten."

"Nur so aus Spaß in den Zweier eingestiegen"

Das deutsche Duo fährt erst seit zwei Jahren gemeinsam im Canadier. "Im Januar 2010 sind wir im Trainingslager in Florida das erste Mal nur so aus Spaß in den Zweier eingestiegen", so Kretschmer. Beide waren zuvor im Einer-Canadier aktiv. Bei der internen Qualifikation des Deutschen Kanu-Verbandes (DKV) ließen sie dann im Zweier überraschend die Weltmeister Tomasz Wylenzek und Stefan Holtz hinter sich und sicherten sich so den Startplatz für London.

Insgesamt hat der DKV mit den Siegen im Zweier-Canadier und im Zweier-Kajak vom Donnerstag nun schon sechs Medaillen bei den Sommerspielen gewonnen. Bereits am Mittwoch hatte Sebastian Brendel im Einer-Canadier triumphiert. Zudem gab es im Kajak-Vierer der Frauen Silber zu bejubeln. Max Hoff im Kajak-Einer und Martin Holstein und Andreas Ihle im Zweier gewannen Bronze.

Dass die Medaillenträume des deutschen Kajak-Vierers am Donnerstag zerplatzten, ging in dem deutschen Gold-Trubel fast unter.

mib



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Dieweltdrehtsich 09.08.2012
1. Beeindruckend !
Schon sehr sonderbar, die deutschen Kanuten lässt nichts beirren. Immer ein Erfolgsgarant bei olympischen Spielen. Was machen die besser, als unsere anderen Abteilungen ?
kimba2010 09.08.2012
2.
Zitat von sysopREUTERSDoppel-Gold in 60 Minuten: Die deutschen Kanuten haben ihrer Erfolgsgeschichte bei den Sommerspielen ein weiteres Kapitel hinzugefügt. Erst siegten die Olympia-Debütanten Peter Kretschmer und Kurt Kuschela mit einem furiosen Zielsprint, dann paddelten Franziska Weber und Tina Dietze zu Gold. http://www.spiegel.de/sport/sonst/0,1518,849074,00.html
Man dürftef gar nicht an den Mediallenspiegel denken, wenn wir unsere Kanuten nicht hätten. Fast die einzigen die diesmal Normalform, d.h. Medaillenform erreicht haben. Schwimmer, Fechter, Schützen, Gewichtheber, Reiter, alle haben sie versagt, aber die Kanuten nicht. Danke!
tomdooley 09.08.2012
3.
Zitat von kimba2010Man dürftef gar nicht an den Mediallenspiegel denken, wenn wir unsere Kanuten nicht hätten. Fast die einzigen die diesmal Normalform, d.h. Medaillenform erreicht haben. Schwimmer, Fechter, Schützen, Gewichtheber, Reiter, alle haben sie versagt, aber die Kanuten nicht. Danke!
Wieso immer gleich versagt? Ist so pauschal schliesslich falsch. Fechter und Reiter haben Medaillen geholt, die Reiter sogar 2 mal Gold. Die Kanuten sind aber in der Tat bärenstark!
_mirror_ 09.08.2012
4.
Zitat von DieweltdrehtsichSchon sehr sonderbar, die deutschen Kanuten lässt nichts beirren. Immer ein Erfolgsgarant bei olympischen Spielen. Was machen die besser, als unsere anderen Abteilungen ?
Die sind wohl angetreten um zu gewinnen, und nicht um persönliche Bestleistungen zu erreichen. Könnte schon einen Unterschied machen...
tomdooley 09.08.2012
5.
Zitat von _mirror_Die sind wohl angetreten um zu gewinnen, und nicht um persönliche Bestleistungen zu erreichen. Könnte schon einen Unterschied machen...
Sie wollen also Gesa Felicitas Krause für ihren 8. Platz im Finale über 3000 m Hindernis den Vorwurf machen, das sie trotz PB nicht gewonnen hat?
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