Gold für deutschen Doppelvierer "Das war ein Hammerrennen"

Es ist bereits die zweite Goldmedaille für den deutschen Ruder-Verband: Der Doppelvierer der Männer jubelt über seinen Triumph, schon jetzt ist die DRV-Bilanz besser als vor vier Jahren in Peking. Bei den Siegern war die Freude groß - besonders für Lauritz Schoof war es eine Erlösung.

Siegreiche Ruderer Grohmann, Schoof, Wende und Schulze (v.l.n.r.): Jubel über Gold
AFP

Siegreiche Ruderer Grohmann, Schoof, Wende und Schulze (v.l.n.r.): Jubel über Gold


Hamburg - Als das siegreiche Team des deutschen Doppelvierers den Siegersteg betrat, war von der Erschöpfung des kraftraubenden Rennens nichts mehr zu sehen. Karl Schulze posierte wie ein Bodybuilder und brüllte seine Freude in die TV-Kameras. Gemeinsam mit seinen Teamkollegen Tim Grohmann, Lauritz Schoof und Phillipp Wende feierte er den Gewinn der Goldmedaille - beobachtet von der unterlegenen Konkurrenz.

Kroatien, immerhin Weltcupsieger, lag ganze 2,3 Sekunden hinter dem DRV-Boot. Bronzemedaillengewinner Australien, das im vergangenen Jahr noch den WM-Titel gefeiert hatte, fuhr 2,74 Sekunden nach den Deutschen über die Ziellinie. "Das war ein Hammerrennen", sagte Ruder-Cheftrainer Hartmut Buschbacher: "Die Jungs haben heute ihre physische Stärke auf den Punkt gebracht."

Nach der Zeremonie ließen sich vier Olympioniken von Familienangehörigen und Freunden feiern - und bedankten sich bei ihrem Trainer Marcus Schwarzrock, dem sie ihre Goldmedaillen um den Hals hängten und den sie auf ihre Schultern hoben. "Wir sind Olympiasieger. Mein Gott, was gibt es Schöneres. Nach dem letzten Jahr war das die Revanche", sagte Schulze und ein überraschter Buschbacher ergänzte: "Mit so einem Abstand habe ich nicht gerechnet."

"Jetzt bloß keine Gefühle zulassen"

Vor knapp einem Jahr hatte das Quartett in einem wichtigen Rennen noch gepatzt und den sichergeglaubten WM-Sieg aus der Hand gegeben. Das Boot hatte deutlich in Führung gelegen, doch Schoof, einen Moment lang unkonzentriert, blieb wenige Meter vor dem Ziel mit dem Ruderblatt im Wasser hängen. "Einen Krebs fangen" nennt man das. Australien nutzte den Fehler, zog vorbei - und gewann mit 21 Hundertstelsekunden Vorsprung.

Schoof hatte das Missgeschick mit einem Mentaltrainer verarbeitet. "Auf den letzten 300 Metern habe ich gedacht: Jetzt bloß keine Gefühle zulassen", sagte der 21-Jährige. Doch anders als im vergangenen September unterlief dem Deutschen kein Fehler mehr. "Wahnsinn, ich kann es immer noch nicht glauben", so Schoof.

Vom ersten Ruderschlag an übernahm der deutsche Doppelvierer die Regie. Bereits nach 500 Metern betrug die Führung eine halbe Bootslänge. Auf alle Attacken der Kroaten wussten die Deutschen die richtige Antwort. Der Widerstand der Konkurrenten schien schon weit vor dem Ziel gebrochen - und die DRV-Athleten ruderten konzentriert ins Ziel. "Heute hat alles gepasst. Als die Kroaten angegriffen haben, sind wir weggezogen. Das war der Knackpunkt", sagte Schlagmann Grohmann.

Der DRV ist nun nach dem Triumph des Männer-Doppelvierers, Gold für den Achter und Silber für den Frauen-Doppelvierer bereits vor dem letzten Finaltag erfolgreicher als noch in Peking. Vor vier Jahren gab es nach der dürftigen Bilanz mit jeweils einmal Silber und Bronze Kritik an dem über Jahrzehnte erfolgsverwöhnten Verband. "Gold im Achter und Vierer werden uns deutlichen Auftrieb geben", sagte Buschbacher nun.

Hackers sechster Platz trübt die Stimmung

Doch bei allem Jubel über den Sieg des Doppelvierers: Das Ergebnis von Marcel Hacker im Einer trübte die Freude. "Ich bin gekommen, um Gold zu gewinnen. Aber heute hat es nicht gereicht", sagte Marcel Hacker nach seinem enttäuschenden sechsten Platz. Zum Sieger Mahe Drysdale aus Neuseeland hatte er über zwölf Sekunden Rückstand. "Wie es mit mir weitergeht, werde ich nach Olympia entscheiden", so der 35-Jährige.

Buschbacher war ebenfalls enttäuscht: "Für den Aufwand, den wir betrieben haben, und für seine Klasse ist das zu wenig." So recht scheint der Cheftrainer nicht an eine Zukunft Hackers im DRV-Team zu glauben: "Wir müssen nun junge Leute in Kleinbooten aufbauen. Fraglich, ob Marcel dazu gehört."

bka/dpa



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