Hamburg - Die bei den Olympischen Sommerspielen in London gedopte weißrussische Kugelstoßerin Nadeschda Ostaptschuk will gegen die Aberkennung ihrer Goldmedaille Einspruch einlegen. Die 31-Jährige glaubt, unschuldig und Opfer einer Verschwörung zu sein. Sie behauptet, dass der mittlerweile wegen Veruntreuung verhaftete frühere weißrussische Cheftrainer Anatolij Badujew hinter dem positivem Befund steckt.
Schon direkt nach dem Befund hatte sie angekündigt, Protest einlegen zu wollen. "Natürlich werden wir kämpfen. Die Frage ist nur, wofür und gegen wen", sagte die Athletin dem Sender Radio Free Europe/Radio Liberty. "Man hat mich vor Fakten gestellt, ohne mir Einzelheiten mitzuteilen", sagte Ostaptschuk. "Diese Nachricht hat uns natürlich schockiert, ich benötige derzeit Beruhigungsmittel."
Das Internationale Olympische Komitee (IOC) hatte Valerie Adams aus Neuseeland den Olympiasieg nachträglich zugesprochen, nachdem Ostaptschuk wegen zweier positiver Tests auf das anabole Steroid Methenolon disqualifiziert worden war.
Neue Olympiasiegerin wartet weiter auf ihre Goldmedaille
Nach der Entscheidung hatte das Team der neuen Olympiasiegerin aus Neuseeland aber bereits befürchtet, dass Adams noch einige Zeit auf ihre zweite Goldmedaille warten müsse. "Wir können nur hoffen, dass es schnell geht und noch vor Weihnachten sein wird. Aber wir wissen nicht, ob das in einem, drei, zehn oder zwölf Monaten der Fall sein wird", zitierte der "New Zealand Herald" Adams' Manager Nick Cowan.
Ostaptschuk hatte den Wettbewerb überlegen mit einer Weite von 21,36 Metern gewonnen, selbst ihr viertbester Stoß hätte noch zu Gold gereicht. Erst im Juli hatte die Europameisterin von 2010 die Kugel sogar auf 21,58 Meter gestoßen und die weltweit beste Leistung seit 1998 erzielt.
Die 31-Jährige war sowohl einen Tag vor als auch unmittelbar nach dem Wettkampf getestet worden. In beiden Proben wurde nach IOC-Angaben die verbotene Substanz gefunden. Sie hatte damit für den zehnten Dopingfall bei den Spielen in London gesorgt.
Es war das erste Mal, dass eine Medaillengewinnerin von 2012 betroffen war. Eine Olympia-Premiere ist Ostaptschuk indes nicht: Erst vor wenigen Tagen entschied das IOC, dass dem Radprofi Tyler Hamilton, Zeitfahr-Sieger bei den Spielen in Athen 2004, sein Triumph aberkannt wird. Insgesamt verloren mehr als 20 Athleten wegen Dopingvergehen ihre Medaillen. Den wohl prominentesten Fall hatte der kanadische Leichtathlet Ben Johnson geliefert: Der Sprinter war zwei Tage nach seinem Weltrekord-Triumph von Seoul 1988 über 100 Meter des Dopings überführt worden.
Auch deutsche Athleten waren bereits davon betroffen: Die deutsche Springreiter-Equipe musste ihr Gold von 2004 zurückgeben, nachdem das Pferd von Ludger Beerbaum positiv getestet wurde. Auch Ringer Alexander Leipold, der in Sydney 2000 triumphierte, verlor seine Medaille.
leh/sid
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