Gold im Rudern Ganz oben auf der Achter-Bahn

Der Deutschland-Achter hat seine Ausnahmestellung bei der olympischen Ruderregatta eindrucksvoll bestätigt. Seit dem Debakel von Peking hat das deutsche Vorzeigeboot nicht mehr verloren. Es ist ein Triumph vor allem für Trainer Ralf Holtmeyer und seine harten Methoden.

DPA

Aus London berichtet


Wenn Steven Redgrave etwas sagt, dann hat das im Rudersport ungefähr den Stellenwert des Evangeliums. Der Brite ist eine Legende in seinem Sport, so etwas wie Franz Beckenbauer und Pelé in einer Person, er hat bei fünf Olympischen Spielen Gold geholt, er ist von der Queen zum Ritter geschlagen worden, er durfte das olympische Feuer bei der Eröffnungsfeier ins Stadion tragen. Nach der Triumph-Fahrt des deutschen Achter-Boots holte Redgrave einmal tief Atem und sagte dann: "Ich sage es nicht gern, aber die Deutschen haben diesen Olympiasieg wirklich verdient."

Vor vier Jahren noch war das Vorzeigeboot des Deutschen Ruder-Verbands bei den Spielen in Peking quasi auseinandergebrochen. Der Achter wurde Achter, er hatte sich nicht einmal für den Endlauf qualifiziert. Eine Blamage. Eine solche Niederlage ist furchtbarer als bei jeder anderen Bootsklasse. Der Achter ist mehr als irgendein Ruderboot. Er genießt geradezu Kultstatus, seit Trainer-Legende Karl Adam ihn zum Olympia-Gold von Mexiko 1968 geführt hatte. Das Boot wird seit jener Zeit ehrfürchtig "Deutschland-Achter" genannt. Der Deutschland-Achter war in Peking auf dem Tiefpunkt.

Seitdem hat das Boot kein einziges wichtiges Rennen mehr verloren. Es gab keinen größeren Goldfavoriten auf der Strecke von Eton Dorney. Es musste der Olympiasieg sein, alle haben das erwartet. Das Team von Erfolgstrainer Ralf Holtmeyer stand unter Druck. Und hat diesem Druck bravourös Stand gehalten.

So nah am Verlieren war das deutsche Boot lange nicht

"Es war ein hartes Rennen, aber jetzt hat sich die ganze Arbeit der vergangenen Jahre ausgezahlt", sagte Maximilian Reinelt, einer aus dem Gold-Oktett. Im Unterschied zu vier seiner Kollegen hat Reinelt das Debakel von Peking damals nicht miterlebt. Reinelt hat das Gefühl, mit dem Achter zu verlieren, noch nicht kennengelernt.

So nah dran wie diesmal waren sie allerdings lange nicht. Das britische Boot, aufgepeitscht und getragen von der begeistert mitgehenden Menge, lag bis 500 Meter vor dem Ziel gleichauf mit den Deutschen, erst am Ende fielen sie ihrem hohen Tempo zum Opfer und wurden letztlich hinter Kanada Dritte.

"Es war schon enorm, wie die Engländer vorgelegt haben. Aber wir hatten so etwas erwartet", sagte Lukas Müller, auch er einer der Neuen im Holtmeyer-Boot. "Die Engländer haben ordentlich Druck gemacht. So ein olympisches Rennen ist eben doch ein bisschen etwas anderes", war Schlagmann Kristof Wilke, einer der Erfahrensten im Team, anschließend doch ein bisschen beeindruckt.

"Zwischendurch dachte ich: Scheiße, die machen es heute", sagte Müller. Die Deutschen mussten alles geben, um dies noch einmal zu verhindern. Die Acht waren nach dem Zieleinlauf zu erschöpft zum Lächeln, Florian Mennigen war dermaßen fertig, dass er so eben noch aus dem Boot aussteigen konnte. Danach auf den Beinen zu stehen, ging nicht mehr. Mennigen wurde schwarz vor Augen. Erst bei der Siegerehrung ging es wieder.

Komplimente für den Steuermann

Müller, Gardemaß von 2,08 Metern, wusste auch, wem er im ersten Moment zu danken hatte. "Martin hat, als die Engländer angriffen, genau die richtigen Kommandos gegeben." Martin Sauer, exakt 39 Zentimeter kleiner als Müller, war an diesem Mittag in Eton Dorney der Größte. Der Steuermann aus Berlin erkannte frühzeitig die Gefahr, die von den Engländern drohte. Entsprechend ließ er das Tempo erhöhen, bis die Briten nicht mehr mithalten konnten.

Es war ein Erfolg des Steuermanns, es war noch mehr ein Erfolg des Trainers. Ralf Holtmeyer kennt das Gefühl, Olympiasieger zu sein. Er hat das Boot schon 1988 in Seoul zu Gold gebracht. Nach dem Debakel von Peking hatte der Ruderverband ihn zurückgeholt, nachdem er zwischendurch die Frauen trainiert hatte. Holtmeyer ist kein einfacher Typ, aber hat den Achter auf Erfolg getrimmt, seine Trainingsmethoden sind hart, er nimmt wenig Rücksicht auf individuelle Befindlichkeiten, der SPIEGEL hat im Zusammenhang mit seinen Methoden von "Darwinismus" gesprochen. Holtmeyer hat mal gesagt: "Harmonie und Erfolg vertragen sich nicht."

Er hat sich für den Erfolg entschieden.



insgesamt 15 Beiträge
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Ayelet Haschachar 01.08.2012
1. Glückwunsch!!
(mehr gibt es nicht zu sagen, oder?)
Jurx 01.08.2012
2. Deutschland-Achter / Ratzeburger Achter
Entgegen dem Text im Artikel "seit Trainer-Legende Karl Adam ihn zum Olympiagold von Mexiko 1968 geführt hatte" hat der Spiegel sogar schon zwei Jahre früher vom "Deutschland-Achter" geschrieben: http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-46407677.html Ich selbst kann mich aus meiner Jugend allerdings nur an den Begriff "Ratzeburger Achter" erinnern.
HeinrichMatten 01.08.2012
3. Erster Achter
Ihr habt uns reine Freude beschert, das ist uns Dank und Hochachtung wert. Wie beim Gesang im Mehrstimmenchor bringt nur ein Ganzes solches hervor. -am 1.8.-
flanke 01.08.2012
4. ...
Zitat von sysopDPADer Deutschland-Achter hat seine Ausnahmestellung bei der olympischen Ruderregatta eindrucksvoll bestätigt. Seit dem Debakel von Peking hat das deutsche Vorzeigeboot nicht mehr verloren. Es ist ein Triumph vor allem für Trainer Ralf Holtmeyer und seine harten Methoden. http://www.spiegel.de/sport/sonst/0,1518,847694,00.html
Diesen Satz sollte sich der DFB mehrmals durchlesen. Denn daran kann man erkennen, warum wir im Fussball nichts mehr reißen...
Karl-Heinz Knuffelpuff 01.08.2012
5. Zweifel sind angebracht !
Zitat von sysopDPADer Deutschland-Achter hat seine Ausnahmestellung bei der olympischen Ruderregatta eindrucksvoll bestätigt. Seit dem Debakel von Peking hat das deutsche Vorzeigeboot nicht mehr verloren. Es ist ein Triumph vor allem für Trainer Ralf Holtmeyer und seine harten Methoden. http://www.spiegel.de/sport/sonst/0,1518,847694,00.html
Also ich hab hier gaaaaaaaanz große Zweifel ob denn auch wirklich alles mit rechten Dingen zugegangen ist. Ohne dem fabelhaften Triumphzug der deutschen 8-er von mehr als 30 Rennen in Folge schmälern zu wollen, scheint mir diese Geschichte doch zu schön um wahr zu sein. Neiiiiiin sie stinkt wiedermal sogar zum Himmel !!! Bestimmt waren die doch alle gedopt bis zum geht nicht mehr, denn sonst sind solche Leistungen doch nicht zu erklären !! Ach und ja, darf ich diese Zweifel überhaupt laut äußern oder ist das deutsche Auge Schwarz-Rot-Gold Blind ;) !! *Hust* Sarkasmus *Hust*
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