Badminton-Skandal: IOC verlangt Ermittlungen gegen Trainer

Der Badminton-Skandal bei den Spielen in London weitet sich aus. Das Internationale Olympische Komitee hat die Verbände Chinas, Südkoreas und Indonesiens aufgefordert, die Rolle ihrer Trainer bei den manipulierten Partien zu untersuchen. Der Weltverband will alle Gruppenspiele überprüfen.

Badminton-Spielerinnen Yu und Wang (hinten): Gruppenspiele werden überprüft Zur Großansicht
AFP

Badminton-Spielerinnen Yu und Wang (hinten): Gruppenspiele werden überprüft

Hamburg - Im Badminton-Skandal bei den Olympischen Spielen in London wird nun auch über die Rolle der Trainer diskutiert. Das Internationale Olympische Komitee (IOC) hat die Delegationen von China, Südkorea und Indonesien aufgefordert, das Umfeld der acht suspendierten Spielerinnen zu untersuchen.

"Wir haben die Nationalen Olympischen Komitees gebeten, sich damit zu befassen, damit nicht nur die Sportler bestraft werden", sagte IOC-Sprecher Mark Adams. Am Mittwoch hatte der Badminton-Weltverband BWF acht Spielerinnen vom olympischen Turnier ausgeschlossen, weil sie versucht hatten, ihr letztes Gruppenspiel aus taktischen Gründen absichtlich zu verlieren.

Nach dem Ausschluss will der Badminton-Weltverband nun sämtliche Gruppenspiele auf mögliche weitere Manipulationen untersuchen. "Wir werden uns alle Videos beschaffen. Momentan haben wir nicht genügend Zeit, aber nach dem Turnier werden wir alles prüfen", sagte der Vizepräsident des Internationalen Badminton-Verbandes (BWF), Paisan Rangsikitpho. Die Ergebnisse der Untersuchung würden rückwirkend zwar keinen Einfluss mehr auf das Olympia-Turnier haben, könnten dem Weltverband aber wichtige Erkenntnisse über die umstrittene Gruppenphase liefern.

Chinesischer Coach zeigt Reue

Die stand bei den Olympischen Spielen erstmals auf dem Programm. Zuvor hatte es bei allen Großereignissen nur K.-o.-Spiele gegeben. "Ich denke, die überwiegende Mehrheit der Spiele war okay. Aber es muss sich einiges ändern, um noch mehr Fairness zu garantieren", sagte Rangsikitpho.

Die indonesische Badminton-Vereinigung hat den BWF aufgefordert, das Turnierformat zu überdenken. "Indonesien hat immer den olympischen Geist und die olympischen Werte hochgehalten. Aber wir fordern vom BWF eine Überprüfung des Formats", sagte der Sport- und Jugendminister Andi Mallarangeng auf der Homepage des nationalen Verbandes.

Auch der chinesische Verband hat auf die Vorkommnisse reagiert. Wie die chinesische Nachrichtenagentur Xinhua berichtet, wurden die Athletinnen Yu Yang und Wang Xiaoli von ihrem Verband dazu aufgefordert, öffentlich Reue zu zeigen.

Der chinesische Coach hat dies bereits getan und sich für das Verhalten seiner Athletinnen entschuldigt. "Die chinesischen Spielerinnen haben versagt, den Kampfgeist des Nationalteams zu zeigen. Ich trage dafür die Schuld", sagte Li Yongbo der chinesischen Nachrichtenagentur Xinhua. "Als Cheftrainer muss ich mich bei den Fans und den Chinesen entschuldigen", so Li weiter.

Chinas disqualifizierte Spielerin Yu Yang kündigte an, nach dem Skandal ihre Karriere zu beenden. "Das ist mein letzter Wettbewerb. Good bye, Badminton-Weltverband, Good bye, mein geliebtes Badminton", sagte sie. "Wir haben nur die Regeln benutzt, um ein Match abzutreten." Man habe herzlos ihre Träume zerschmettert. "Das ist unverzeihlich."

Li Yongbo sagte hingegen: "Egal ob es die Regeln hergeben oder nicht: Das ist keine Entschuldigung. Der Punkt ist: Wir haben uns nicht wie professionelle Athletinnen verhalten und das Spiel nicht ernst genommen."

jar/sid/dpa

Diesen Artikel...
  • Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
  • Auf anderen Social Networks teilen

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 27 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Es wäre schön
nesmo 02.08.2012
Zitat von sysopDas Internationale Olympische Komitee hat die Badminton-Verbände Chinas, Südkoreas und Indonesiens aufgefordert, die Rolle ihrer Trainer bei den manipulierten Partien in London zu untersuchen. Zudem will der Weltverband alle Gruppenspiele überprüfen. Olympia 2012: IOC fordert Untersuchung zum Badminton-Skandal - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/sport/sonst/0,1518,847860,00.html)
wenn der Artikel genauer dargestellt hätte, welchen Vorteil denn nun sich die Teams verschafft haben, indem sie vorsätzlich schlecht spielten bzw. welchen Nachteil sie hatten, wenn sie sich angestrengt hätten. Sonst kann man das "ganze Ausmaß des Fehlverhaltens" nicht nachvollziehen und einschätzen. Und dann bitte noch erklären, warum es Regeln gibt, dass der Gewinn eines Spieles offenbar nur Nachteilig sein konnte und warum es dann verboten ist, einen nachteiligen Weg zum Ziel des Sieges zu vermeiden.
2. IOC ist schuld
schamot 02.08.2012
Zitat von sysopDas Internationale Olympische Komitee hat die Badminton-Verbände Chinas, Südkoreas und Indonesiens aufgefordert, die Rolle ihrer Trainer bei den manipulierten Partien in London zu untersuchen. Zudem will der Weltverband alle Gruppenspiele überprüfen. Olympia 2012: IOC fordert Untersuchung zum Badminton-Skandal - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/sport/sonst/0,1518,847860,00.html)
und selbt verantwortlich. trainer hat nur taktiert wie in jedem sport es erlaubt ist nach regeln. und die regeln waren nun mal spieltechnisch um es so zu nennen mist!
3. Regeln?
Drunken Masta 02.08.2012
Also soweit ich das bis jetzt mitbekommen habe, existiert keinerlei Regel die absichtliches Schlechtspielen verbietet. Diese Disqualifikationen sind zutiefst fragwürdig, da man als Sportler doch im Vorfeld wissen sollte was geht und was nicht. Im Fußball beispielsweise treten Mannschaften auch mit einer "B-Mannschaft" ohne Leistungsträger an um diese zu schonen, wenn Gruppephasen bereits vor dem letzten Spiel überstanden sind. Das verschafft auch Vorteile gegenüber Gegnern, die noch alles tun musste um weiter zu kommen und ist oft unattraktiv. Außerdem teilweise bitter für Teams in der gleichen Gruppe, die evtl vom Ergebnis abhängig sind. Ich versteh die Aufregung hier nicht. Klar, mit halbherzig geführten Spielen kann man nicht soviel Einschaltquoten generieren.
4.
_gimli_ 02.08.2012
Die ganze Diskussion ist doch völlig albern. Im Basketball sind taktische Fouls kurz vor Spielende, um nach Freiwurf schnell in Ballbesitz zu kommen (und zu hoffen, dass der Gegner daneben wirft) genau so an der Tagesordnung wie taktische Spielerwechsel im Fussball, zum Zeit schinden. Alles per Definition Unsportlichkeit. Spieler ziehen alle Register, um zu gewinnen. Das verhindert man durch Regeländerungen, nicht durch Sanktionen. Was jetzt geschehen wird ist nicht, dass die Trainer im Badminton dieses Mittel nicht mehr einsetzen, sondern "unauffälliges Verlieren" trainieren lassen.
5. Links im Text..
toi_ 02.08.2012
Zitat von nesmowenn der Artikel genauer dargestellt hätte, welchen Vorteil denn nun sich die Teams verschafft haben, indem sie vorsätzlich schlecht spielten bzw. welchen Nachteil sie hatten, wenn sie sich angestrengt hätten.
Es sind nicht umsonst diverse Passagen rot eingefärbt - diese "Teile" nennen sich Links und verweisen i.d.R. auf Quellen oder Artikel mit Hintergrund-Informationen. @Topic: Als Profis hätten die Spielerinnen auch so verlieren können, dass es nicht absolut offensichtlich gewesen wäre. Das wäre auch im Sinne der Zuschauer gewesen. So hätte niemand direkten Verdacht geschöpft und selbst wenn hätte es nicht bewiesen werden können. Dazu wären die Spiele um eine kleine positive Sensation reicher gewesen. Aber dafür sind die Spielerinnen wahrscheinlich wieder zu stolz, von wegen "wenn wir schon verlieren, dann soll auch jeder sehen, dass es Absicht war"...
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Sport
Twitter | RSS
alles zum Thema Olympische Sommerspiele 2012
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



  • Drucken Senden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren | 27 Kommentare
DPA

Medaillenspiegel

Platz Land Ges.
zum kompletten Medaillenspiegel

London 2012: Die Twitter-Reporter
Fotostrecke
Skandal beim Badminton: Mit Absicht verlieren