Kritik nach Schwimm-Debakel bei Olympia: "Talente im Keim erstickt"

Wie geht es nach dem Olympia-Debakel der deutschen Schwimmer weiter? Die DSV-Verantwortlichen werden für ihren Trainingsaufbau und ihre Talentförderung kritisiert. Konsequenzen sind bislang aber noch nicht abzusehen.

Enttäuschte Schwimmer: Bei Olympia hinter Erwartungen zurückgebliebenZur Großansicht
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Enttäuschte Schwimmer: Bei Olympia hinter Erwartungen zurückgeblieben

Hamburg - Die deutschen Schwimmer erleben bei den Olympischen Sommerspielen in London ein Debakel. Britta Steffen, Doppel-Olympiasiegerin von Peking, strich sich nach ihrem Halbfinal-Ausscheiden über 100 Meter Freistil selbst aus der "Weltspitze", Paul Biedermann beendete seine Wettkämpfe "etwas ratlos". Schon vor vier Jahren konnte das Schwimmteam die Erwartungen zwar nicht erfüllen - doch die Siege von Steffen und die Weltrekorde von Paul Biedermann ein Jahr später bei der WM ließen einige Zeit über die sportlichen Mängel des DSV-Kaders hinwegsehen.

Diesmal aber enttäuschten auch die großen Namen. Bislang kam kaum einer der 27 deutschen Schwimmer in London an seine persönlichen Bestzeiten herankam. Dabei hatte man Großes vor, in der Zielvereinbarung des Verbands mit dem Bundesinnenministerium wurden sechs Medaillen angegeben. Zweimal Gold, zweimal Silber, zweimal Bronze sollten her - doch nur Biedermann, Helge Meeuw, Markus Deibler und zwei Staffeln schafften es überhaupt in die Finalläufe. Eine Medaille sprang bislang aber nicht heraus.

Warnecke: Probleme im Trainingsaufbau

"Es wäre schön, wenn sportliche Leistungen nicht nur an Medaillen fixiert werden, sondern auch Finalleistungen anerkannt werden", sagte Leistungssportdirektor Lutz Buschkow. Doch als sportlich Verantwortlicher muss er sich Kritik stellen, unter anderem vom ehemaligen Weltmeister Mark Warnecke. "Unabhängig davon, was Britta Steffen über die 50 Meter noch leistet, haben wir es geschafft, unsere Talente systematisch im Keim zu ersticken - das ist auch eine Kunst", schrieb der Olympia-Dritte von Atlanta in einer Kolumne beim Nachrichtenportal Sport1: "Bei uns werden Fördergelder verballert." Er unterstützt damit die Aussagen der Degenfechterin Imke Duplitzer, die ebenfalls vor Beginn der Olympischen Spiele die Arbeit der deutschen Sportfunktionäre bemängelt hatte.

Nach Ansicht Warneckes liegen die größten Probleme des DSV im Trainingsaufbau: "Seit Peking 2008 wird ein großer wissenschaftlicher Aufwand betrieben, aber der Ertrag bleibt aus." Buschkow, der seit vier Jahren den Leistungssport koordiniert, mache einen schlechten Job. "Ob man ihn oder irgendeine Marionette einsetzt, ist vollkommen egal", schrieb Warnecke.

Buschkow sagte, er selbst müsse die Ergebnisse von London erst verkraften: "Am Ende bin ich bereit, ein Fazit zu ziehen. Das bedarf einer intensiven Analyse." Er wird sich genau überlegen müssen, mit wem er die ausgeschriebene Stelle des neuen Bundestrainers besetzt - und ob er selbst weitermachen möchte.

Vesper verspricht gründliche Aufarbeitung

Unterstützung darf Buschkow dabei von DOSB-Generaldirektor Michael Vesper erwarten - der kündigte seinerseits eine gründliche Aufarbeitung der Schwimm-Ergebnisse an. "Wir müssen jetzt erst mal die letzten Wettkämpfe abwarten. Danach wird man analysieren und Konsequenzen ziehen", sagte Vesper.

Warnecke will indes noch nicht alle Hoffnungen begraben: Man müsse "jetzt den Mut haben, ganz neu anzufangen. Das würde vier bis acht Jahre dauern, aber es ist die einzige Möglichkeit", schrieb er. "Ein Phelps ist aber nicht aus der Wissenschaft geboren. Er hat sein Ding gemacht, dann wurde er analysiert, und es wurde versucht, ihn zu kopieren. Man hängt also seit Jahren oder Jahrzehnten hinterher, anstatt auf Innovationen zu setzen."

psk/sid

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insgesamt 26 Beiträge
JerryFletcher 02.08.2012
...waren bei diesem Debakel ja die Interviews unmittelbar nach den Rennen. Was da für ein Müll erzählt wurde (allen voran Britta "Ich freue mich, dass die anderen schnell sind" Steffens) ist mehr als peinlich. Von [...]
...waren bei diesem Debakel ja die Interviews unmittelbar nach den Rennen. Was da für ein Müll erzählt wurde (allen voran Britta "Ich freue mich, dass die anderen schnell sind" Steffens) ist mehr als peinlich. Von Selbstkritik keine Spur. Ich sehe bei den Schwimmern keinen Siegeswillen.
unbreakable79 02.08.2012
Aus dieser beispiellosen Pleite müssen ernsthafte Konsequenzen gezogen werden. Es kann nicht sein, dass deutsche Schwimmer so weit hinter ihren Vorleistungen zurückbleiben und in Londoner Schwimmbecken regelrecht absaufen. Die [...]
Aus dieser beispiellosen Pleite müssen ernsthafte Konsequenzen gezogen werden. Es kann nicht sein, dass deutsche Schwimmer so weit hinter ihren Vorleistungen zurückbleiben und in Londoner Schwimmbecken regelrecht absaufen. Die Interviews danach gleichen einer Farce. Es ist unwürdig mit welcher Einstellung viele Schwimmer zur Olympia kommen und dort sich als Touristen die Zeit vertreiben. Eine Schande!
jeze 02.08.2012
Sie sollten aber bedenken, dass die Leute aus dem becken gezerrt werden und weniger Zeit zum überlegen ihrer Sätze haben, als sie für das Verfassen ihres Beitrags.
Zitat von JerryFletcher...waren bei diesem Debakel ja die Interviews unmittelbar nach den Rennen. Was da für ein Müll erzählt wurde (allen voran Britta "Ich freue mich, dass die anderen schnell sind" Steffens) ist mehr als peinlich. Von Selbstkritik keine Spur. Ich sehe bei den Schwimmern keinen Siegeswillen.
Sie sollten aber bedenken, dass die Leute aus dem becken gezerrt werden und weniger Zeit zum überlegen ihrer Sätze haben, als sie für das Verfassen ihres Beitrags.
Die Aussprüche, dass man jetzt mal den Trainer fragen will, woran es gelegen hat, kann nur als Ironie gewertet werden. Ein Sportler, der den Trainer fragen muss, was da falsch gelaufen ist, braucht nur eins..... einen neuen [...]
Zitat von JerryFletcher...waren bei diesem Debakel ja die Interviews unmittelbar nach den Rennen. Was da für ein Müll erzählt wurde (allen voran Britta "Ich freue mich, dass die anderen schnell sind" Steffens) ist mehr als peinlich. Von Selbstkritik keine Spur. Ich sehe bei den Schwimmern keinen Siegeswillen.
Die Aussprüche, dass man jetzt mal den Trainer fragen will, woran es gelegen hat, kann nur als Ironie gewertet werden. Ein Sportler, der den Trainer fragen muss, was da falsch gelaufen ist, braucht nur eins..... einen neuen Trainer. MfG. Rainer
greentiger 02.08.2012
Diese Aussage zeigte meiner Meinung nach nur, dass den Athleten schon schnell klar war, was da alles schief gelaufen ist. Heute ist ja jemand mit persönlicher Bestleitung weiter gekommen, der sich nicht an der allgemeinen [...]
Zitat von JerryFletcher...waren bei diesem Debakel ja die Interviews unmittelbar nach den Rennen. Was da für ein Müll erzählt wurde (allen voran Britta "Ich freue mich, dass die anderen schnell sind" Steffens) ist mehr als peinlich. Von Selbstkritik keine Spur. Ich sehe bei den Schwimmern keinen Siegeswillen.
Diese Aussage zeigte meiner Meinung nach nur, dass den Athleten schon schnell klar war, was da alles schief gelaufen ist. Heute ist ja jemand mit persönlicher Bestleitung weiter gekommen, der sich nicht an der allgemeinen Vorbereitung beteiligt hat und jetzt erst angereist ist. Siegeswillen zum jetzigen Zeitpunkt bringt überhaupt nichts mehr. Schon nach der am Anfang gleich daneben gegangenen Staffel sagte sie ja, dass das zusammen it den Trainern analysiert werden muss - und sie zeigte sich dabei als einzige der Damen nicht völlig irritiert. Die Schwimmer, die schon öfter Erfolge zu verzeichnen hatten, werden schnell begriffen haben und wissen, dass es an der Vorbereitung lag.
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  • Donnerstag, 02.08.2012 – 16:19 Uhr
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DSV-Medaillen bei Olympia seit 1992
Jahr Gold Silber Bronze
2012 0 1 0
2008 2 0 1
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2000 0 0 3
1996 0 5 7
1992 1 3 7

London 2012: Die Twitter-Reporter





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