Hamburg - Die Olympia-Zweite Lu Ying hat nach dem Gewinn der Silbermedaille über 100 Meter Schmetterling in London das chinesische Trainingssystem kritisiert. "In China heißt es nur lernen, lernen und trainieren, trainieren und dann ausruhen", sagte die 23-Jährige.
Lu hatte am Sonntag in 56,87 Sekunden den zweiten Platz belegt und musste sich nur der US-Amerikanerin Dana Vollmer geschlagen geben. Nun findet sie harte Worte für die Trainingsarbeit in ihrer Heimat. "Ich glaube, unsere Denkweise hat viele Grenzen."
2008 war Lu zum Training nach Australien gegangen - und hatte ganz andere Erfahrungen gemacht. "Dort bin ich zum Grillen mit Teamkollegen eingeladen worden - sowas würde in China nie passieren", sagte die WM-Dritte von Shanghai weiter. In anderen Ländern hätten Athleten neben dem Training auch Spaß, während die Trainer in China darauf bestünden, dass ihre Sportler sich in der Freizeit erholen müssten.
Die chinesischen Schwimmerinnen sorgen damit bei den Spielen weiter für Aufregung. Vor allem die Fabelzeit von Olympiasiegerin Ye Shiwen über 400 Meter Lagen am Samstag hatte die Sportwelt erstaunt. Ye war auf den letzten 50 Metern sogar schneller als US-Star Ryan Lochte geschwommen und hatte mit 4:28,43 Minuten einen neuen Weltrekord aufgestellt. Dopingvorwürfe wies Ye Shiwen indes zurück. "Es gibt kein Problem mit Doping. Das chinesische Team hat eine strikte Politik, deshalb gibt es kein Problem damit."
Mit ihrem straffen Trainingssystem, das schon Kinder unter Profibedingungen drillt, hatte es China 2008 bei den Heim-Spielen in Peking erstmals an die Spitze des Medaillenspiegels geschafft. Auch in London sammelten die Chinesen an den ersten Tagen fleißig Edelmetall und führen die Nationenwertung bereits wieder an.
chp/sid
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