Siebenkampf-Drama Jury-Irrtum - Schwarzkopf gewinnt doch Silber

Welch ein Chaos in London! Die Disqualifikation von Lilli Schwarzkopf wurde aufgehoben. Damit hat die Siebenkämpferin doch Silber gewonnen. Grund der peinlichen Posse: Die Jury hatte die Deutsche mit einer anderen Läuferin verwechselt.

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Hamburg - Es war eine peinliche Posse bei den Olympischen Sommerspielen: Ein Fehler der Jury hat Lilli Schwarzkopf dramatische Minuten beschert. Die Siebenkämpferin wurde nach dem abschließenden 800-Meter-Kampf zunächst disqualifiziert. Die Kampfrichter glaubten, sie wäre in einer Kurve auf eine falsche Bahn gelaufen.

Doch sie hatten Schwarzkopf mit der neben ihr laufende Russin Kristina Sawizkaja verwechselt. Nach einer kurzen Intervention wurden die Bilder erneut begutachtet - und Schwarzkopfs Disqualifikation rückgängig gemacht. So gewann die 28-Jährige doch noch Silber im Siebenkampf, wie die Offiziellen nun bestätigten.

"Die Briten haben eine neue Art von Humor", sagte Schwarzkopf und betonte: "Ich bin drin in der Wertung." Durch ihre Silbermedaille rutschte die Ukrainer Lyudmyla Yosypenko auf Rang vier ab. Deshalb legte der ukrainische Verband gegen das Ergebnis des Siebenkampfes Protest ein. Nach Meinung der ukrainischen Delegation hat Lilli Schwarzkopf die Bahn verlassen. Dieser wurde aber abgelehnt.

Gold ging an die Britin Jessica Ennis (6955 Punkte), Bronze holte Tatjana Tschernowa aus Russland (6628). "Ein Traum wird wahr. Das waren zwei unvergessliche und brillante Tage", sagte die 26-jährige Ennis, nachdem sie ihre Gold-Mission erfolgreich erfüllt hatte.

"Ich muss mir die Seele aus dem Leib rennen"

Doch auch Schwarzkopf hatte Grund zur Freude: "Das war der Siebenkampf meines Lebens", sagte sie. Es ist die erste olympische Medaille einer deutschen Mehrkämpferin seit 1992: Damals hatte Sabine Braun in Barcelona Bronze gewonnen.

Die WM-Dritte Jennifer Oeser, die in der Vorbereitung auf London von hartnäckigen Achillessehnenproblemen geplagt worden war, musste im abschließenden 800-Meter-Lauf ihrem Körper Tribut verletzt aufgeben. Mit Tränen in den Augen verließ sie die Bahn. "Es ist überhaupt ein Wunder, dass ich hier starten konnte", sagte sie. Julia Mächtig sammelte lediglich 5338 Zähler und belegte Rang 31.

Schwarzkopf hatte nach einem starken Wettkampf am Ende alles gegeben. "Das ist die Chance meines Lebens. Ich muss mir die Seele aus dem Leib rennen", hatte sie vor der letzten Disziplin angekündigt - und sie hielt Wort. Schwarzkopf verausgabte sich auf den zwei Stadionrunden völlig und krönte ihre beeindruckende, weil sehr ausgeglichene Vorstellung von London.

leh/sid



insgesamt 13 Beiträge
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Seite 1
spon_2114428 04.08.2012
1. Na also
Das haben wir aber schon vor einer halben Stunde gewusst.
wolffm 04.08.2012
2. Welch ein Chaos beim Spiegel
Erst mal das offizielle Ergebnis abwarten.
Claude Clistier 04.08.2012
3. .
Nicht dass doch noch mehr Linienberührungen gefunden werden und eine aserbaidschanische Boxerin Zweite wird. Wäre bei den Kampfrichterleistungen bisher kein Wunder...
havanna-girl 04.08.2012
4. Drogen?
Diese Spiele sind eine einzige Blamage für die Briten. Nehmen dort alle Schiedsrichter Drogen oder sind sie nur betrunken?
m.u. 04.08.2012
5. optional
Hallöchen liebe SpOn-Redaktion! Silber ist leider noch überhaupt nicht sicher, da die ukrainischen Offiziellen ebenfalls Protest eingelegt haben, mit der Begründung, dass Schwarzkopf wohl doch eine Linie touchiert haben soll... Haben die ukrainischen Offiziellen Erfolg damit, bekommt die ukrainische Athletin Bronze, andernfalls verbleibt Sie auf dem 4. Platz. Desweiteren findet aufgrund dieses unsäglichen Chaos KEINE Siegerehrung am heutigen Abend statt..
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