Deutsches Olympia-Team: Software-Fehler Schuld an Drama um Heidler-Wurf

Um ein Haar hätte ein Programmierungs-Fehler des Messcomputers Hammerwerferin Betty Heidler ihre olympische Medaille gekostet. Die Turmspringer Sascha Klein und Martin Wolfram sind ins Finale eingezogen. Und: Freistilringer Nick Matuhin ist nach zwei Niederlagen ausgeschieden.

Hammerwerferin Heidler (l.): Messprobleme wegen Software-Fehler Zur Großansicht
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Hammerwerferin Heidler (l.): Messprobleme wegen Software-Fehler

Hamburg - Das Drama um die deutsche Bronze-Hammerwerferin Betty Heidler ist laut Olympia-Organisatoren einem Zufall und einem Software-Fehler geschuldet: "Es ist passiert, was bisher vermutlich noch nie passiert ist", sagte der Sprecher des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), Mark Adams. Heidlers fünfter Versuch sei mit 77,13 Metern auf den Zentimeter exakt so weit gewesen, wie der vierte Versuch der späteren Siegerin Tatjana Lysenko aus Russland. Das elektronische Computer-Messsystem habe die Annahme von Heidlers Weite daher verweigert. Die Anlage ist so programmiert, dass sie bei zwei exakt gleichen Messergebnissen hintereinander automatisch einen Fehler der Kampfrichter zugrunde legt.

Bevor das Problem mit Heidlers Versuch geklärt war, hatte bereits die nächste Teilnehmerin geworfen. Ihre Weite von 72,34 Metern wurde zunächst fälschlicherweise für Heidler gewertet. "Von da an war alles durcheinander", sagte Heidler. Letztlich wurden die Würfe per Hand nachgemessen. Heidler bekam Bronze zugesprochen.

Haben die Turmspringer Sascha Klein und Martin Wolfram doch noch Chancen auf eine olympische Medaille? Als Achter des Halbfinales zog Klein mit 503,75 Punkten ins Finale im Londoner Aquatics Center (21.30 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) ein. Wolfram erhielt insgesamt 519,00 Punkte und landete mit persönlicher Bestleistung auf Rang fünf. Nach zwei Durchgängen hatte Wolfram sogar geführt. Wie Wolfram fiel auch Klein bei den letzten Sprüngen noch etwas zurück. Im Vorkampf hatte Klein als Dritter mit 525,05 Punkten überzeugt. Wolfram war dort als Vierter auf 496,80 Zähler gekommen. Bester in beiden Konkurrenzen war der chinesische Weltmeister Qiu Bo.

Freistilringer Nick Matuhin ist beim olympischen Turnier ohne Sieg ausgeschieden. In der Gewichtsklasse bis 120 Kilogramm unterlag Matuhin in der Trostrunde dem Iraner Komeil Ghaseni. Zuvor hatte er bereits seinen Auftaktkampf gegen den Usbeken Artur Tajmasow, Olympiasieger von 2004 und 2008, deutlich verloren. Da Tajmasow ins Finale einzog, bekam Matuhin eine zweite Chance.

Dessen Schicksal teilt Freistilringer Tim Schleicher: Auch er verlor seinen ersten Kampf in London. In der Klasse bis 60 Kilogramm unterlag er dem Aserbaidschaner Toghrul Asgarow 1:9. Weil Asgarow ebenfalls ins Finale einzog, durfte Schleicher in der Hoffnungsrunde noch einmal antreten. Doch der 23-Jährige verlor in der Trostrunde deutlich gegen Kenichi Yumoto aus Japan und schied aus.

psk/dpa/sid

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insgesamt 4 Beiträge
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1. Aua.
jObserver 11.08.2012
Wer hat da denn programmiert? "Automatisch einen Fehler zugrunde legt"?? In jedem halbwegs guten digitalen Adressbuch muss man Konflikte per Hand lösen. A oder B klicken...
2. iPad
Limus 11.08.2012
Das kommt davon, wenn man für so etwas ein iPad nimmt. Sieht man ja am 4:3 Format, trotz Silikon-Hülle. Was kann da anderes rauskommen... Da hat dann eben noch jemand in Cupertino seine Finger drin. ;-)
3. Das kann man kaum glauben ...
nitram2 11.08.2012
Wenn das stimmt sollte man den Namen der entwickelnden Softwarefirma "in olympischen Ehren"(Ironie) öffentlich machen. Jeder Programmdesigner bzw. Programmierer, ich war sehr lange auch so einer, macht zuweilen Unsinn den man sich im Nachhinein nicht erklären kann, aber: dann gibt es eine Programmverifikation zur Aufdeckung von Fehlern. Simulierte und absichtlich unsinnige Eingaben zählen zu den ersten Tests. Konnten das die Entwickler nicht machen, weil sie unter Druck standen? Selbstverständlich ist auch, dass der nächste Wurf erst erfolgt, wenn mit vorigen alles klar ist. Hat die Freigabe auch die Software automatisch erledigt? Dann kann man dem Kampfgericht nur Bewunderung zollen, denn die Situation war nicht mehr zu verstehen.
4. Was wäre wenn...
pefete 11.08.2012
wenn die technik Probleme macht, was immer mal passieren kann. In diesem Fall war es offensichtlich, dass es eine fehlmessung gab - zu ungunsten einer Deutschen Sportlerin. Wäre die fehlmessung minimal gewesen, hätte man es akzeptiert, da nicht beweisbar. Wie sieht es aber mit den anderen Messungen aus, mit den geschwingigkeiten, den weiten. Mit den neuen Weltrekorden zum Beispiel. Wie wird gegen gecheckt?
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