Aus der Hockey-Herren Verdient verloren

Das hat es seit zwölf Jahren nicht mehr gegeben: Die deutschen Hockey Herren haben das Endspiel der Olympischen Spiele verpasst. Nach der Niederlage gegen Argentinien zeigt sich das Team selbstkritisch.

Enttäuschte DHB-Spieler
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Enttäuschte DHB-Spieler

Aus Rio de Janeiro berichtet Michael Wilkening


Die 60 Minuten während des Halbfinals waren ernüchternd, die Augenblicke danach bitter. Während die deutschen Spieler vom Platz des Hockeystadions stapften, feierten die Argentinier gemeinsam mit den vielen Fans ihren Triumph, auf den sie gehofft, mit dessen Deutlichkeit sie aber nie gerechnet hatten. Und nicht rechnen konnten, denn die Auswahl des Deutschen Hockey-Bundes (DHB) war als Favorit in das Halbfinale gestartet. Es galt über Jahre hinweg als außergewöhnliche Stärke dieser Mannschaft, immer auf den Punkt voll da zu sein. Gegen Argentinien war sie das nicht.

"Die haben eigentlich so gespielt, wie sie das immer gegen uns machen", sagte Florian Fuchs nach dem Abpfiff. Der Stürmer war noch im Viertelfinale gegen Neuseeland mit seinem Treffer zum 3:2 der Held der letzten Sekunde. Gegen die Südamerikaner gelang ihm kein Tor.

Seine Analyse trifft es genau: Die Argentinier spielten gut, aber nicht überraschend. Die Deutschen waren einfach nicht gut genug, um zum dritten Mal hintereinander ins Finale einzuziehen. Das macht die Niederlage noch schmerzvoller.

DHB-Herren ohne Ideen im Angriff

Schon in der Vorrunde hatten die deutschen Herren mit späten Toren gegen Irland und Argentinien und mit der irren Aufholjagd gegen Neuseeland ein Problem kaschiert, das sich über das gesamte Turnier nicht beheben ließ: In der Defensive fehlte die Stabilität. Nur beim 2:1 zum Abschluss der Vorrunde gegen die Niederlande hatte funktioniert, was Trainer Valentin Altenburg mit "als Mannschaft insgesamt gut verteidigen" umschrieb.

Die Gegner der Deutschen mussten wenig und nichts Außergewöhnliches leisten, um Torchancen zu kreieren. Gegen die Argentinier war der Stockfehler von Mats Grambusch bezeichnend, dem kurz vor der Pause im eigenen Schusskreis ohne Bedrängnis die Kugel an den Fuß sprang. Zu diesem Zeitpunkt stand es schon 0:2 durch zwei Eckentore und auch die dritte Gelegenheit ließ sich Gonzalo Peillat, der als bester Eckenschütze der Welt gilt, nicht entgehen. Argentinien hatte bis dahin vier Mal aufs Tor geschossen und drei Treffer erzielt. Mit gnadenloser Effizienz zerstörten die Südamerikaner den deutschen Traum vom Gold-Hattrick.

Selbstkritische Töne der Deutschen

"Wir hatten heute erst ganz spät alle Jungs auf dem Platz", sagte Altenburg. Damit räumte der Bundestrainer keinen Fehler bei der Besetzung der elf zur Verfügung stehenden Positionen ein - er meinte die mentale Präsenz seiner Spieler. Erst in der Schlussphase des Halbfinals von Rio - und damit deutlich zu spät - wähnte er alle Akteure gedanklich angekommen in dem Duell gegen einen Kontrahenten, der auf den Punkt fokussiert war. "In der Medaillenrunde waren sie besser als wir, deshalb hat Argentinien heute verdient gewonnen", sagte der Coach.

Kapitän Moritz Fürste, der nach 2008 und 2012 zum Abschluss seiner beeindruckenden Karriere im Nationaltrikot zum dritten Mal olympisches Gold gewinnen wollte, war der Frust anzusehen: "Wir müssen uns an die eigene Nase packen. Wir haben es nicht geschafft, unsere hundertprozentige Leistung abzurufen." Auch Fürste präsentierte sich an diesem Tag nicht in bester Verfassung, denn keine seiner fünf Ecken landete im Tor. Gegen Neuseeland hatte er noch mit zwei verwandelten Versuchen die wundersame Wandlung eingeleitet.



insgesamt 14 Beiträge
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Seite 1
lvkwge 16.08.2016
1. Es wäre schön,
wenn im Artikel auch das Ergebnis vorgekommen wäre. Zur Information, denn ich habe jetzt keine Info, wie es ausging.
gibmichdiekirsche 17.08.2016
2.
Ob die Argentinier jetzt auch einen "Gaucho-Tanz" aufführen? Verdenken könnte ich es ihnen nicht.
comfortzone 17.08.2016
3. Keine Übermannschaft
Das deutsche Hockeyteam ist viel zu sehr hochgejubelt worden. Wir gehören nicht zur Weltspitze. Schon der Einzug ins Halbfinale gegen Neuseeland war äußerst glücklich.
wen-interessierts 17.08.2016
4. Erschreckend schwach
Aufbauspiel bis zur 50 Minute auf Verbandsliganiveau. Absolut verunsichert. Keine Reaktionen von der Außenlinie erkennbar. Schockstarre!
mozza2205 17.08.2016
5. Indien
wurde erst kurz vor Schluss bezwungen.
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