Rio de Janeiro Favela-Verbot für australisches Olympia-Team

450 Australier werden bei den Olympischen Spielen in Rio auf Medaillenjagd gehen. Die Favelas der Stadt sollen sie jedoch meiden - zu gefährlich, meint ihr Chef de Mission. Rios Bürgermeister ist empört.

Favela in Rio de Janeiro: "Unseren Sicherheitsexperten gefolgt"
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Favela in Rio de Janeiro: "Unseren Sicherheitsexperten gefolgt"


Australische Sportler dürfen während der Olympischen Spiele in Rio de Janeiro auf Anweisung des nationalen Olympischen Komitees (AOC) keine der städtischen Armenviertel, genannt Favelas, besuchen. Wie die frühere Fünfkämpferin Kitty Chiller, Chef de Mission beim AOC, mitteilte, ist den 450 australischen Teilnehmern der Sommerspiele der Gang in die verarmten Stadtteile der brasilianischen Metropole aus Sicherheitsgründen untersagt.

Rios Bürgermeister Eduardo Paes wertete das Verbot als "aggressive Geste gegenüber Brasilien", woraufhin Chiller die Entscheidung in einem weiteren Statement verteidigte. "Rio hat enorme Fortschritte gemacht, und wir sind voller Vorfreude auf die Spiele im August", heißt es darin: "Dennoch sind wir mit dem Verbot der Empfehlung unseres Sicherheitsexperten gefolgt, da angesichts unserer großen Athletenzahl weder wir noch die Polizei die Sicherheit gewährleisten könnten."

Die Kontroverse ist bereits der zweite Konflikt zwischen dem australischen Verband und den Offiziellen des Gastgeberlandes im Vorfeld der Spiele. Bereits im April 2014 war es zu Spannungen gekommen, nachdem AOC-Präsident und IOC-Vize John Coates die Vorbereitungen Rio de Janeiros als die schlechtesten, die er jemals gesehen habe, kritisiert und "große Besorgnis" angesichts des langsamen Fortschritts der Bauarbeiten geäußerst hatte.

bka/sid

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insgesamt 5 Beiträge
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qlcasa 25.02.2016
1. Er ist empört!
Ich habe ein Jahr in Brasilien gelebt. Ich kenne das Land sehr gut, spreche fließend portugiesisch und mag die Brasilianer sehr. Die Wahrheit ist aber, das die Sicherheitslage miserabel ist und es durchaus gefährlich ist sich alleine in eine Favela zu wagen. Im Gegensatz dazu, ist man in einer Favela einigermaßen sicher wenn man von einem ansässigen eingeladen und begleitet wird. Ich halte deshalb die Aufregung des Bürgermeisters für heiße Luft und für den internen Gebrauch bestimmt. Ich würde es mal so sagen, wer auf ein gesteigertes Sicherheitsgefühl wert legt, der lebt nicht in Brasilien.
perello 25.02.2016
2. Nichts ist härter als die Wahrheit
Natürlich hat Rio ein Favela-Problem. Schlicht deswegen, weil es diese Favelas gibt. Man kann doch nicht so tun, als ob diese Bezirke nicht existierten. Und man kann auch nicht so tun, als ob dort nur arme Menschen wohnten, die nun zu Unrecht dskriminiert würden. Die Favelas sind Result diverser Fehlentwicklungen in Stadt und Land. Die kann man nicht einfach per Image-Kampagne wegretuschieren. Vor ein paar Jahren ging dort nichtmal die Polizei rein. Das hat sich zwar mittlerweile geändert, aber grundlegende Reformen haben kaum stattgefunden. In die Favelas spaziert man auch nicht so ohne weiteres. Es gibt natürlich tolle Events dort, z.B. die Sambaschulen während der Karnevalvorbereitung, aber gleichwohl gilt Vorsicht. Wobei man in Rio auch nicht in Panik verfallen sollte. Ich persönlich würde dort jederzeit hinfahren. Gerade die Stadteile von Leme bis Leblon sind einfach unvergleichlich. Nicht zu vergessen Praia Vermelha und noch ein paar andere Ecken...
thejackson5 25.02.2016
3. Die Seifenblase des Herrn Paes
Ich lebe seit 16 Jahren in Brasilien und habe noch nie eine Favela betreten. Die meisten Brasilianer, die ich kenne, handhaben das genauso. Und aus gutem Grund - es ist einfach zu gefährlich. Alle olympischen Delegationen tun gut daran sich an den Anweisungen der australischen Delegation zu orientieren. Ich bin gespannt auf die Stellungnahme des Bürgermeister von Rio, sollte ein Sportler oder Funktionär Opfer eines gewaltsamen Übergriffs werden. Und die Chancen, dass dies passiert, stehen nicht schlecht. Dazu muss man nicht unbedingt eine Favela betreten.
Der Pragmatist 25.02.2016
4. Guter Rat
Der Buergermeister Von Rio doll doch einmal selbst ohne seinen ueblichen Polizeischutz durch die Favelas spazieren. Dann koennte auch nich eine Wette abgeschlossen werden, ob er dann wieder lebend herauskommen wird. Diese Wahrscheinlichkeit wird sehr gering sein
Der Pragmatist 25.02.2016
5. Guter Rat
Der Buergermeister Von Rio doll doch einmal selbst ohne seinen ueblichen Polizeischutz durch die Favelas spazieren. Dann koennte auch nich eine Wette abgeschlossen werden, ob er dann wieder lebend herauskommen wird. Diese Wahrscheinlichkeit wird sehr gering sein
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