Hundert Meter Schmetterling Phelps lässt sich freudig von Fan entthronen

Im wohl letzten Einzelrennen seiner Karriere muss sich Michael Phelps einem zehn Jahre Jüngeren geschlagen geben. Zu seiner eigenen Überraschung stört das den US-Schwimmstar gar nicht. Denn Joseph Schooling begegnete Phelps vor vielen Jahren als Fan.

Phelps (l.) und Schooling im Jahr 2008 und bei den Olympischen Spielen
REUTERS

Phelps (l.) und Schooling im Jahr 2008 und bei den Olympischen Spielen


Michael Phelps schlug seinem Bezwinger lachend auf die Schulter und ging mit Silber um den Hals auf die Ehrenrunde. Dass er gerade seine 23. Goldmedaille an den ersten Olympiasieger aus Singapur verloren hatte, schien den Schwimm-Superstar gar nicht zu stören. "Ich dachte, ich wäre richtig, richtig sauer, wenn ich verliere", sagte der 31-Jährige, "aber ich bin stolz auf ihn." Joseph Schooling, zehn Jahre jünger als sein Idol, konnte sein Glück gar nicht fassen.

Der 21-Jährige aus dem asiatischen Stadtstaat, mit britischem Großvater und Schulausbildung in den USA, hatte dem Rekord-Olympiasieger gerade die erste Niederlage im Schwimmstadion von Rio de Janeiro zugefügt. In 50,39 Sekunden deklassierte der Außenseiter Phelps im Finale über 100 m Schmetterling und verwehrte ihm einen weiteren Eintrag in die Geschichtsbücher des Schwimmens: Der US-Amerikaner konnte das Kunststück nicht wiederholen, das ihm tags zuvor mit dem vierten Olympiasieg in Folge über 200 m Lagen gelungen war - weil ihn einer seiner größten Fans geschlagen hatte.

Michael Phelps (l.) und Joseph Schooling nach dem Rennen
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Michael Phelps (l.) und Joseph Schooling nach dem Rennen

"Wie für die meisten Kinder war Michael auch mein Vorbild", sagte Schooling, der im vergangenen Jahr als WM-Dritter erstmals international auf sich aufmerksam gemacht hatte: "Er ist der Größte, er ist das perfekte Idol." Als Dreizehnjähriger hatte Schooling Phelps erstmals getroffen. Der US-Star, damals erst mit vier Goldmedaillen dekoriert, machte mit seinem Team Station in Singapur, um sich auf Olympia in Peking vorzubereiten - ausgerechnet in dem Schwimmklub, in dem Schooling trainierte.

"Ich stand da mit offenem Mund"

"Alle haben geschrien: 'Da ist Michael Phelps' und wollten ein Foto mit ihm machen", erzählte Schooling, der sich natürlich auch mit seinem Idol ablichten ließ: "Ich stand da mit offenem Mund." Das Foto mit dem großen Schwimmstar und dem kleinen Fan verbreitete sich schon wenige Minuten nach dem Finale von Rio rasend schnell im Internet.

Phelps sagte, er erinnere sich noch genau an das erste Treffen. "Er ist mit mir im Golfwagen gefahren. Ich wollte unbedingt die Affen sehen, die uns die Müsliriegel geklaut haben", sagte er lachend. Der US-Star flog weiter nach Peking und begründete in China mit seinen acht Goldmedaillen seinen Ruhm, Schooling trainierte weiter, wechselte in die USA und "wollte sein wie er".

Acht Jahre später steht der kleine Junge von damals ganz oben auf dem Podest, und Phelps - zeitgleich Zweiter mit seinen langjährigen Konkurrenten Chald le Clos (Südafrika) und Laszlo Cseh (Ungarn) - freut sich mit ihm. "Ich wollte den Schwimmsport verändern", sagt er: "Ich wollte Kinder zum Träumen bringen, das ist der einzige Grund, warum ich hier bin. Hier ist ein Kind, das diesen Traum verwirklicht hat."

dab/sid



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