Superstar Usain Bolt Was für ein Theater

Usain Bolt will bei seinen dritten Olympischen Spielen zum dritten Mal drei Goldmedaillen gewinnen. Der Jamaikaner gibt den Superstar - wie man ihn kennt und liebt. Aber kann er sein Versprechen halten?

Von Michael Wilkening


Jonathan Edwards ist ein Großer der Olympischen Geschichte, bei den Spielen 2000 in Sydney war der Brite Triumphator im Dreisprung. So einer wie Edwards ist gerade groß genug, um den Größten der Olympischen Tage von Rio zu präsentieren.

Zumindest soll Usain Bolt wiederholen, was ihm 2008 in Peking und 2012 in London gelang: Mit drei Goldmedaillen sein Land, sich selbst, ein bisschen den Rest der Welt und natürlich den Sponsor froh machen.

"Wir sind hier im größten Theater in Südamerika", sagte Edwards zur Begrüßung. In der "Cidade das Artes" (Stadt der Künste), dem imposanten kulturellen Zentrum Brasiliens, gaben die jamaikanischen Sprinter unter Anleitung von Edwards ihre Ansichten vor den Leichtathletik-Wettbewerben von Rio preis. Der Ort war passend gewählt, denn der Weltöffentlichkeit wurde ein nicht minder großes Theater geboten.

Usain Bolt ist die 100 und 200 Meter so schnell gelaufen wie kein Mensch vor ihm. Zum weltumstrahlenden Superstar wurde der flinke Läufer aber auch durch die Show, mit der er seine Läufe einrahmt. Sie ist in der weltweiten Wahrnehmung wichtiger geworden als die Sekunden dazwischen, in denen er oft mühelos wirkend seine Kontrahenten distanziert. "Ich liebe es, zu unterhalten, das wollen die Menschen sehen", sagt Bolt in der "Cidade das Artes".

Tänzerin, Usain Bolt
DPA

Tänzerin, Usain Bolt

Es ist nicht klar, ob Bolt das auf der Tartanbahn in Rio wiederholen kann, doch die Werbetour mit dem Ausrüster läuft davon unbeeindruckt weiter. Reggae, Sonne, gute Laune - das Konzept wird durchgezogen. Garniert mit einem Dauerlächeln von Edwards. Auch Bolt selbst hat Spaß, so berichtete er vergnügt, dass er sich im olympischen Dorf nach zwei Tagen einen Fernseher gekauft habe. "Da war ja keiner auf dem Zimmer, ich brauchte einen." Bolt lachte lässig dabei.

Weniger lustig wurde es beim Bolt-Theater nur für einen kurzen Moment, als die Frage auftauchte, wie er denn den gegenwärtigen Zustand und die Aussichten seiner Sportart einschätzt. Schließlich liegt ein Schatten über der Sportart, seit die komplette russische Leichtathletik-Mannschaft wegen Dopingvorwürfen von den Spielen ausgeschlossen wurde. Die Enthüllungen in der Leichtathletik-Szene hatten gar die Frage aufgeworfen, ob dem gesamten russischen Olympiateam die Teilnahme an den Spielen von Rio verweigert werden sollte.

Bolt zerstreut die Bedenken, aber es gibt sie

Bolt rollte kurz mit den Augen, besann sich danach und lächelte den Ausschluss der Russen einfach weg: "Man muss auch mal ein Tief erleben, um Gipfel ersteigen zu können. Ich sehe die Leichtathletik vor einer großen Zukunft." Thomas Bach, Präsident des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), hätte das nicht besser formulieren können.

Bach wird vermutlich am kommenden Sonntag im Olympiastadion live dabei sein, wenn Bolt im Finale über 100 Meter nach der ersten Goldmedaille greift. Ein Automatismus, wie in den vielen Jahren zuvor, ist der Sieg des Superstars jedoch nicht. In der aktuellen Weltbestenliste liegt der 29-Jährige auf dem vierten Platz, Dominanz strahlte er in dieser Saison noch nicht aus.

"Ich hatte Probleme, aber ich habe gut trainiert, der Coach ist zufrieden", zerstreute er Bedenken an seinem dritten Triple. Ein dauerhaft gut gelaunter Jamaikaner kennt keinen Zweifel, das war die vorbereitete Botschaft. "Ich bin besser in Form als im vergangenen Jahr", schob der Sprinter nach. "No Problem." Die Welt hatte gehört, was sie hören sollte. Das Theater war aber noch nicht vorbei.

Als ein norwegischer TV-Journalist mit zitternden Knien das Mikrofon in die Hand nahm, anmerkte, er wolle keine Frage stellen, sondern unmittelbar danach ein eigens für Bolt getextetes Liebeslied rappte, wurde die Werbeveranstaltung zur Farce. Kurz darauf enterten mit wenig Stoff bedeckte Samba-Tänzerinnen die Bühne und wackelten gemeinsam mit dem Superstar von dannen. Der Vorhang fiel, das ganz große Theater war vorbei. Die Fortsetzung auf der Bahn folgt am Samstag beim Vorlauf über 100 Meter.



insgesamt 3 Beiträge
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spadoni 09.08.2016
1. Usain Bolt
ist der beste. Er wird auch diesmal 3 Goldedaillen holen!
zeisig 09.08.2016
2. Was soll das Geunke ?
Bolt gibt nicht den Superstar - er ist der Superstar. Und er zelebriert das so lange, bis er nicht mehr der Erste ist. Ganz einfach. Ich verstehe nicht, was es da zu spekulieren gibt. Die Frage, ob er es heuer noch einmal schafft, diese Frage wird er selbst beantworten, wenn es soweit ist. Und solange lebt der Kult. Ist doch logisch und normal, oder ?
eigene_meinung 10.08.2016
3.
Es kommt halt darauf an, wie gut die Doping-Kontrollen funktionieren.
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