Neu bei Olympia Mehr Show, mehr Mixed, mehr Verwirrung

Eine Snowboard-Flugshow und mehr Mixed-Wettbewerbe: Bei den Winterspielen in Pyeongchang gibt es einige Neuerungen - Kritik inklusive.

Snowboarderin Jamie Anderson im Big-Air
AP

Snowboarderin Jamie Anderson im Big-Air


Bei den Olympischen Winterspielen in Pyeongchang wird es vier neue Disziplinen geben: Die Snowboarder kämpfen erstmals im Big-Air-Wettbewerb um eine Goldmedaille, im Eisschnelllauf gibt es nun einen Massenstart und im alpinen Skisport sowie beim Curling feiern gemischte Teams aus Frauen und Männern ihre Premiere. Was zeichnet die neuen Wettbewerbe aus? Und wie zufrieden sind Offizielle und Athleten damit?

Viel Mut erfordert die Flugshow im Big-Air, bei dem die Snowboarder über eine Schanze fahren und Sprünge, Schrauben und Salti zeigen. In die Wertung der Jury werden Stil, Schwierigkeit, Höhe und die Landung einbezogen. "Es ist Gladiatoren-Snowboardfahren", sagte Silvia Mittermüller, Deutschlands beste Freestyle-Snowboarderin: "Es fühlt sich verdammt gut an, wenn es vorbei ist und man den Kampf überlebt."

Bereits einen Tag vor der Eröffnungsfeier haben die Mixed-Wettkämpfe im Curling begonnen. Erstmals treten gemischte Teams an. Eine deutsche Mannschaft ist nicht am Start.

Becca und Matt Hamilton in Pyeongchang
Getty Images

Becca und Matt Hamilton in Pyeongchang

Neben Curling feiert in Pyeongchang auch der Mixed-Wettbewerb im alpinen Skisport olympische Premiere. Wolfgang Meier, Alpindirektor des Deutschen Skiverbands, sieht es als "gute Entscheidung". Er kritisierte aber auch, dass zu viele Trendsportarten zu olympischen Sportarten gemacht würden. Dadurch werde das Programm verwässert: "Wenn man sich das Programm anschaut, verliert sich der Olympiasieger in der Masse der Olympiasieger. Die Wertigkeit wird immer weniger."

Die olympischen Innovationen stoßen auf unterschiedliche Resonanz. "Mir macht das Spaß, aber die Regeln versteht kein Mensch", sagte Claudia Pechstein, die bei ihrer siebten Olympia-Teilnahme im Eisschnelllauf-Massenstart Neuland betritt. Bis zu 28 Läufer müssen 16 Runden im Oval absolvieren. Alle vier Runden kommt es zu einem Sprint, der Punkte gibt. Weitere Punktevergaben und die Zeit entscheiden am Schluss über die Platzierung.

DOSB sieht neue olympische Disziplinen zwiespältig

Pechstein findet den Modus unverständlich: "Wie soll man es erklären, dass am Ende jemand auf Platz vier landet, der als Letzter oder Vorletzter ins Ziel kommt - nur weil er ein paar Punkte in den Sprintwertungen geholt hat."

Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) sieht die Aufstockung auf nun 102 olympische Disziplinen und die Modernisierung ebenfalls zwiespältig. "Es gab ja schon in Sotschi neue Disziplinen, an denen wir uns auch haben messen lassen", sagte DOSB-Präsident Alfons Hörmann: "Und wir hatten mit Gold im Skispringen durch Carina Vogt sowie im Snowboard mit Silber und Bronze schöne Medaillengewinne."

Allerdings seien viele dieser Disziplinen in Deutschland nicht so gut entwickelt wie in anderen Ländern. Es gebe keine professionelle Halfpipe und die Förderung der Trendsportarten ließe zu wünschen übrig. "Da ist viel Luft nach oben. Bis jetzt mussten wir uns auf die traditionellen Sportarten konzentrieren", sagte Hörmann.

mru/sid



insgesamt 2 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
gankuhr 09.02.2018
1.
Mit Snowboarding ist endlich eine Wintersportart dabei, die ich selbst auch interessant finde. Von daher freue ich mich über die Entwicklung.
spon-facebook-10000523851 09.02.2018
2. Bei Olympia,
wie auch andernorts ist Sport eigentlich zur Werbung verkommen, um Organisatoren zu erheblichen Einkommen zu verhelfen. Man laesst sich was einfallen. In ein paar Jahren gibt's dann Bikini Abfahrtslauf und Eisschwimmen.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.