Deutsche Eisschnellläufer ohne Medaille Dünnes Eis

Mit Medaillenhoffnungen sind die deutschen Eisschnellläufer nach Südkorea angereist. Doch die Erfolge bleiben - wie schon in Sotschi - aus. Sprinter Nico Ihle hat noch eine Chance, die Bilanz zu schönen.

Nico Ihle
AFP

Nico Ihle

Aus Pyeongchang berichtet


Mit dem Sprint im Eisschnelllauf ist es so eine Sache. Du kannst dich als Athlet gut fühlen, du kannst denken, im Lauf alles richtig gemacht zu haben, und am Ende bist du doch nur Achter. Die Analyse von Medaillenhoffnung Nico Ihle nach seinem 500-Meter-Rennen von Pyeongchang hätte jedenfalls auch ein Siegerkommentar sein können.

Er habe sich von Beginn an "richtig gut gefühlt", sagte Ihle, sein Rennen hatte er zwar mit einem Fehlstart begonnen, "aber der hat mich überhaupt nicht aus dem Konzept gebracht". Er habe "richtig Kraft" aufs Eis gebracht, "ich hätte nach dem Ziel noch locker weiterlaufen können". Mit seinem Platz gab er sich auch zufrieden: "In so einem Feld musst du erst einmal Achter werden."

Tatsächlich liegen die Zeiten auf der Kurzstrecke naturgemäß eng zusammen, Ihles Rückstand auf Platz drei betrug zwei Zehntel. Aber der 32-Jährige selbst hatte im Vorfeld die Hoffnung auf mehr geschürt. Im Vorjahr war er in derselben Halle des Gangneung Oval Vizeweltmeister auf dieser Distanz geworden, er hatte in den vergangenen Tagen immer wieder betont, wie sehr ihm das Eis von Gangneung liege und in welch guter Form er in Südkorea angekommen sei.

Jetzt sagt er: "Um in die Medaillen zu kommen, muss einfach alles perfekt laufen." Am Freitag tritt er über die 1000 Meter an, Ihle sagt: "Das ist im Moment ohnehin die Strecke, auf der ich mich stärker fühle." Er habe so richtig Lust auf die Distanz, er sei "jetzt voll im Olympiamodus".

Beckert und Pechstein konnten nicht mithalten

Unter den deutschen Eisschnellläufern hat er diese Haltung allerdings ziemlich exklusiv. Bisher verliefen die Auftritte der DOSB-Athleten im Gangneung Oval enttäuschend. Claudia Pechstein hatte sich selbst den Druck gemacht und von einer Medaille über die 5000 Meter gesprochen. Auch sie war am Ende auf Rang acht gelandet, konnte das Tempo im zweiten Teil der Strecke einfach nicht mehr mitgehen. Sie ist nun einmal 45 Jahre alt.

Claudia Pechstein
AP

Claudia Pechstein

Patrick Beckert, der dritte unter Deutschlands Hoffnungsträgern, lief über die 5000 Meter Superstar Sven Kramer von Anfang an hinterher. Er konnte sich am Ende wenigstens trösten, gegen den Olympiasieger gelaufen zu sein.

Alle anderen im Team hatten im Kampf um vordere Platzierungen nichts zu melden, Ihles Sprintkollege Joel Duffner erreichte über die 500 Meter gerade einmal Platz 29 von 36 Startern und war damit auch noch ganz einverstanden: "Eine gute Generalprobe für die 1000 Meter. Dort ist dann alles möglich." Nach dem, was die deutschen Sprinter für den Freitag voraussagen, ist dort offenbar eine echte Leistungsexplosion zu erwarten.

Wieder drohen medaillenlose Spiele

Aus Sotschi vor vier Jahren kehrten Deutschlands Eisschnellläufer schon ohne Medaille zurück, hatten damals durch Pechstein und Ihle aber immerhin zwei vierte Plätze erreicht. Trotzdem galt das Ergebnis schon damals als absolut unbefriedigend. Nun droht erneut eine Null-Ausbeute bei den Medaillen, diesmal aber ohne die guten Platzierungen.

Vor allem Ihles Auftritte im Weltcup hatten Gutes verheißen lassen, auch Pechstein hatte in der Saison schon Podestplätze, ausgerechnet zum Saisonhöhepunkt scheint das gesamte Team aber nicht auf den Punkt topfit zu sein, so unterschiedlich sie sich auch vorbereitet haben. Ihle war erst vor ein paar Tagen nach Südkorea angereist, als die Spiele schon in Gang waren, Pechstein und die anderen waren bereits eine knappe Woche vor der Eröffnungsfeier im Lande.

Patrick Beckert
DPA

Patrick Beckert

Der Druck auf den für den Eisschnelllauf verantwortlichen Sportdirektor Robert Bartko wird durch die bisherigen Resultate nicht geringer. Der ehemalige Bahnradfahrer hatte im Verband einiges verändert, hatte mit Jan van Veen als Bundestrainer Expertise aus den Niederlanden nach Deutschland geholt. Es hat für die Olympischen Spiele bislang nichts genutzt. "Natürlich werden wir an Medaillen gemessen", hatte van Veen selbst gesagt.

Bevor Ihle auf die Bahn ging, waren noch die Viertelfinals in der Teamverfolgung der Frauen ausgetragen worden. Das ist der Wettbewerb, in dem Deutschland 2010 in Vancouver noch die Goldmedaille errang, weil Anni Friesinger, unvergessen, das Team mit einer Bauchlandung ins Finale gerettet hatte. Acht Jahre später lief das deutsche Trio um Pechstein sieben Sekunden langsamer als die siegreichen Niederländerinnen und schied als Sechstplatziertes aus.



insgesamt 11 Beiträge
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Seite 1
viceman 19.02.2018
1. ich vermisse aber
die medaillen der 'deutschen alpinstars' , da ist doch gar nichts gekommen- bisher, von den medaillenkandidaten in abfahrt usw..., wenn da nichts kommt, das wäre bei dem bohei und dem aufwand vorab doch wesentlich enttäuschender...
Crom 19.02.2018
2.
Gibt halt mal ne Durststrecke, gab's bei den Skispringern in der Vergangenheit auch mal. Die Generationen wechseln sich eben ab und nicht immer hat man eben eine goldene Generation.
pefete 19.02.2018
3. FrauPechstein
hat den richtigen Moment verpasst aufzuhören. Schade, so macht sie sich nur lächerlich.
jubelyon 19.02.2018
4. Hochgejubelt
Hochmut kommt vor dem Fall, zumal er von den Medien mitgeschürt wurde. Ähnlich ist es beim alpinen Skilauf, der ebenfalls leer ausgehen dürfte. Ein Armutszeugnis, wenn man bedenkt, mit welchen Summen diese Sportarten gepäppelt werden. Normalerweise müsste die gesamte Führungsriege zurücktreten.
allster 19.02.2018
5.
In den Grunddisziplinen des Wintersports- Alpin , Langlauf und Eisschnelllauf sind wir aktuell weit weg von der Chance auf Medaillen. Da nehme ich T. Dreesen mal aus. Der wird in den nächsten Jahren Freude machen. Die Interviewten in den genannten Disziplinen machen zT den Eindruck,sie sind auf einem Betriebsausflug, nicht aber bei Olympia.
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