Möglicher Olympia-Ausschluss Druck auf Russland wächst

Dürfen russische Athleten trotz des aufgedeckten Dopingsystems an den Winterspielen in Südkorea teilnehmen? Lange sah es so aus, doch nun hat die Welt-Anti-Doping-Agentur neues Material - und erhöht den Druck.

Olympische und russische Flagge
DPA

Olympische und russische Flagge


Das russische Olympische Komitee gerät immer stärker in die Defensive. Hatte es in den vergangenen Wochen noch so ausgesehen, als kämen die Russen trotz des durch den McLaren-Report aufgedeckten, massiven staatlich gelenkten Dopingbetrugs mit einer Geldstrafe und kleineren Sanktionen davon, steht nun die Teilnahme an den Olympischen Winterspielen in Pyeongchang wieder infrage.

Zwei Entwicklungen schmälern die Hoffnungen Russlands - und beide haben mit der Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada) zu tun. Am Freitag wurde bekannt, dass der Wada - wohl durch einen Whistleblower - sensible Daten aus dem Moskauer Anti-Doping-Labor zugespielt wurden. Dabei handelt es sich laut Wada um das sogenannte Laboratory Information Management System (LIMS),

Darunter: alle Doping-Testdaten zwischen Januar 2012 und August 2015. Während dieses Zeitraums sollen in Russland tausendfach Dopingfälle vertuscht worden sein. "Diese Beweise haben das Potenzial, eine neue Dimension der Schwere des Betrugs offenzulegen", sagte Travis Tygart, Chef der US-amerikanischen Anti-Doping-Agentur Usada.

"Keiner hat die Existenz eines Doping-Programms bestätigt"

Die Daten dürften auch eine wichtige Entscheidung der Wada beeinflusst haben: Laut Informationen der ARD wird die Wada die Suspendierung der russischen Anti-Doping-Agentur Rusada aufrechterhalten. Demnach wird die Wada am kommenden Mittwoch und Donnerstag den Status als "nicht regelkonform" bestätigen.

Eine der Kernforderungen der Wada war, dass Russland den McLaren-Report anerkennt. Doch daraus wurde nichts: Zwar hatte es im Dezember 2016 ein angebliches Eingeständnis von Rusada-Leiterin Anna Anzeliowitsch gegeben, dieses wurde von Russland aber umgehend für falsch erklärt.

Vergangene Woche erklärte die oberste russische Ermittlungsbehörde dann alle Vorwürfe der Welt-Anti-Doping-Agentur Wada für widerlegt. Der McLaren-Bericht stimme nicht. Die russischen Behörden hätten mehr als 700 Sportler, Trainer, Betreuer und Funktionäre vernommen. "Keiner von ihnen hat die Existenz eines Doping-Programms bestätigt", hieß es.

Keine Nationalhymne?

McLaren hatte in zwei Berichten festgestellt, dass von einem staatlich gelenkten Dopingsystem in Russland zwischen 2011 und 2015 mehr als 1000 Athleten profitiert hätten. Auch auf dieser Basis hatte das Internationale Olympische Komitee IOC in den vergangenen Tagen gegen russische Sportler lebenslange Olympia-Sperren verhängt.

Auch über einen Olympia-Ausschluss kann nur das IOC befinden. Durch die mutmaßliche Entscheidung der Wada wird sich der Druck auf die zwei eingerichteten IOC-Kommissionen verstärken, die den Vorwürfen aus dem McLaren-Report nachgehen. Eine Entscheidung über einen möglichen Olympia-Ausschluss russischer Sportler soll Anfang Dezember fallen, wenn sich die IOC-Exekutive in Lausanne trifft.

In den vergangenen Wochen waren immer wieder Details und Überlegungen des IOC durchgesickert. So gab es Meldungen, Russland könnte mit einer hohen Geldstrafe belegt werden. Andere Varianten waren etwa ein Teilnahmeverbot an der Eröffnungsfeier oder der Verzicht auf das Abspielen der russischen Nationalhymne. Ein Komplettausschluss Russlands schien jedoch immer unwahrscheinlicher zu werden - bis jetzt.

bka/sid/dpa



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