Gold und Silber im Bob Friedrich der Erste

Wieder Gold im Eiskanal: Zum Abschluss der Wettkämpfe gewann die Crew von Francesco Friedrich im Viererbob vor dem Schlitten von Teamkollege Nico Walther. Beide trainieren auch noch im selben Verein.

Francesco Friedrich (rechts)
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Francesco Friedrich (rechts)

Aus Pyeongchang berichtet


Von dem Dörflein Oberbärenburg im Erzgebirge mit seinen 251 Einwohnern ist nicht oft die Rede, wenn von großen Nachrichten gesprochen wird. Auf der Website des Dorfs heißt es: "Das Fehlen einer durchgehenden Straße hat die Ruhe des Ortes bis in die heutige Zeit glücklich bewahrt."

Mit der Ruhe ist es an diesem Sonntag vorbei. Seit diesem Vormittag bei den Olympischen Winterspielen von Pyeongchang ist Oberbärenburg, genauer der Verein OSC Sachsen Oberbärenburg, auf dem Olymp der Sportwelt angekommen. Viererbob-Gold für Francesco Friedrich und seine Crew, OSC Sachsen Oberbärenburg. Silber für Nico Walter und sein Team, OSC Sachsen Oberbärenburg.

Der Verein ist durch eine Fusion erst im Jahr 2015 entstanden, er hat nur ein paar Dutzend Mitglieder, aber er hat einen unschätzbaren Vorteil: Eine Kunsteisbahn vor Ort. Oberbärenburg gehört zur Gemeinde Altenberg, dort, wo seit eh und je Weltcups im Rodeln und Bobsport ausgetragen werden.

"Wir halten immer zusammen"

Francesco Friedrich ist jetzt mit zwei olympischen Goldmedaillen das erfolgreichste Vereinsmitglied. Im Zweierbob hatte er sich Gold noch mit Team Kanada teilen müssen, jetzt fuhr er mit seinen drei Hintermännern Candy Bauer, Martin Grothkopp und Stamm-Anschieber Thorsten Margis souverän den Eiskanal herunter, von Lauf eins bis vier, und selbst die mittlerweile berühmte Kurve neun konnte dem Quartett nichts anhaben.

An Friedrich und seiner Crew kommt derzeit einfach niemand vorbei. "Wir arbeiten schon viele Jahre zusammen, das haben wir den anderen voraus", sagt der Pilot. "Wir halten als Crew einfach immer zusammen, egal, ob wir verlieren oder gewinnen", sagt er. "Einen besseren Zusammenhalt als den unseren kann ich mir in diesem Leben nicht vorstellen." Da haben sich offenbar Vier gesucht und gefunden.

Eine geteilte Medaille wie im Zweierbob gab es erneut: Vollständig zeitgleich kamen die Bobs von Nico Walter und von Südkoreas Yunjong Won ins Ziel. Anschließend lagen sich acht Männer in den Armen. Für die Koreaner, ein früheres Entwicklungsland im Bobsport, ein Riesenerfolg, für Walter nach dem frustrierenden vierten Platz im Zweier genau die richtige Antwort, es gab dann doch noch die ersehnte Medaille.

Vor vier Jahren in Sotschi war Francesco Friedrich schon dabei, er war als der Shootingstar der Szene gefeiert worden, als das größte Talent im internationalen Bobsport. Aber Sotschi wurde zum Desaster für die vom Erfolg verwöhnten deutschen Bobfahrer, Friedrich fuhr auf die Plätze acht und zehn. "Das Abschneiden von Sotschi war jetzt die beste Motivation für mich, die man sich denken kann", sagt er im Nachhinein. Es auf jeden Fall besser machen, die Pleite von 2014 vergessen lassen. Das Ziel kann als erfüllt angesehen werden.

Von der 400-Meter-Bahn zu Bob-Gold

Seit Sotschi ist er immer da, wenn es bei Großereignissen etwas zu verteilen gibt. "Wir arbeiten auf WM und Olympia eben gezielt drauflos, in anderen Rennen probieren wir aus, versuchen Dinge, damit wir dann, wenn es drauf ankommt, unsere beste Performance bringen können", erklärt Friedrich das Erfolgsgeheimnis. Dann könne man auch bei Olympischen Spielen "locker-entspannt an den Start gehen".

In den Crews der Viererbobs verstecken sich Geschichten. Die von Martin Grothkopp zum Beispiel. Er war mal der beste 400-Meter-Läufer in Deutschland, bei der Leichtathletik-WM in Berlin 2009 stand er in der Staffel über die Stadionrunde. Die Leichtathletik hat ihm die großen internationalen Erfolge dennoch nie ermöglicht. Das holt er jetzt im Bob nach.

Kevin Kuske könnte allen anderen dagegen schon viel über große internationale Siege erzählen. 39 Jahre alt ist der einst schnellste Anschieber der Welt mittlerweile, er hat von Olympischen Spielen vier Goldmedaillen heimgebracht, meistens hatte er André Lange vor sich, den Bobpiloten seines Vertrauens. Lange hat längst mit dem aktiven Sport aufgehört, er trainiert heute die südkoreanischen Rodler. Kuske hat immer weitergemacht und ist jetzt noch einmal Silbermedaillengewinner im Schlitten von Nico Walter. Wenn es so etwas gibt, dann ist Kuske eine Anschieber-Legende.

Der Deutsche Bob- und Schlittenverband hat aus dem Sliding Centre von Pyeongchang neun Medaillen heimgeholt, fast ein Drittel aller deutschen Podestplätze. Er ist einer der Vorzeigeverbände, bei der DOSB-Bilanz am Samstag wurden seine Strukturen als vorbildlich für andere herausgestrichen. Friedrich und Walther sind beide erst 27 Jahre alt und werden ihre Karriere aller Voraussicht nach noch vier weitere Jahre fortsetzen. Den Namen Oberbärenburg sollten sie in Peking schon einmal aussprechen lernen.



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